& Der Barfreitag& PressespiegelNordkurve - Aktuell
Kleben bleiben in der Stadt

8. April 2012

 

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Von Claudia Schuller

Nürnberg ist so langweilig, jammern die einen. Nürnberg bietet tolle Möglichkeiten werben die anderen. In der „Nordkurve“ sind derzeit Fotografien von jungen Kreativen zu sehen, die keine solchen einfachen Antworten geben, sondern sich umfassend damit beschäftigen, was Kulturschaffende in der Noris halten kann. Denn sie sind selbst gerade am Überlegen, ob sie bleiben oder gehen sollen.


Pilar Schacher hat sich gefragt, wofür die Frankenmetropole eigentliche bekannt ist und hat Antworten abseits von Bratwurst und Leberkuchen gefunden. Ihr sind das Knoblauchsland mit seiner regionalen Gemüseproduktion sowie die Firmen der ARO und Ina Schaeffler eingefallen. Umgesetzt hat die Design-Studentin das Ganze in Form von Königinnen – so wie es Wein,- Spargel- und andere Majestäten gibt. Die Regentinnen auf Schachers Fotos sind eben Kohl-, Teppich und Kugellacher-Königinnen, wohlgeformt und mächtig, mit essbarem Gewand oder Kugeln in der Krone.

Bei Andrea Schindler geht es um „Trophäen“, also um Dinge, mit denen Nürnberg sich schmücken kann wie der Jäger mit dem erlegten Hirsch. Das sind aus ihrer Sicht mutige Menschen, die in der Stadt Neues, Ungewöhnliches aufziehen und sie damit bereichern. Ihre Helden präsentiert die Grafikdesign-Studentin vor ganz weißem Hintergrund so, dass nur der Kopf und die Hände auftauchen und magische Schatten entstehen, ein bisschen wie auf einer Varieté-Bühne beim Zaubertrick. Diese Aktivisten sind Jean-Francois Drozak, der eine Agentur für Kulturdesign betreibt und für die unkonventionelle Galerie „Nordkurve“ verantwortlich ist, Architektin Johanna Zwinscher, die sich im „Umsonstladen“ für sozial Benachteiligte engagiert, und Kim Loos, die Nürnbergs erstes veganes Café eröffnet hat.

Wie gemalt wirken die Tableau von Stefan Bühl und Andrzej Siegmund. Sie haben Design-Paare in großen Kunstfotografien portraitiert, wobei der Witz im Detail steckt. Das Team „Duenda“ sitzt in einem edlen Herrenhaus, in das Ninjas eindringen – weil die Schuhe des Labels an die japanischen Krieger erinnern. Die Kletterhalle „Café Kraft“ wird nicht nur von ihren Betreibern, sondern auch von Gorillas bewohnt – denn die dazugehörige Marke „Monkey Style“ bietet Sportbekleidung an. Die Film- und Fotografiestudenten haben unglaublich Aufwand betrieben und perfekt ausgeleuchtete Erlebniswelten kreiert. Tolle Fotografen, die hoffen lassen, dass diese jungen Künstler mit ihren Ideen und ihrer Energie in der Stadt kleben bleiben.

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