& Pressespiegel+ Kinderarmut- Der PleitegeierDie Agentur für Kulturdesign
Kinderarmut in Szene gesetzt – NN

28. Oktober 2015

DSC_4929Publikum durfte mit entscheiden, für welche Dinge das knappe Geld ausgegeben werden soll.

Wie viel Geld braucht ein Kind im Monat, um gut leben zu können? Und wie viel darf jeweils für Kleidung, oder Schulmaterialien ausgegeben werden?

Das Theaterstück „Pleitegeier“ befasste sich mit dem brisanten Thema Kinderarmut. Präsentiert wurde es von Schülern des Sonderpädagogischen Förderzentrums und der Bertolt- Brecht- Schule im Gemeinschaftshaus Langwasser.


Gerade mal vier Tage Zeit hatten die acht Jungen und Mädchen, um sich aneinander zu gewöhnen, um Texte zu lernen und um das rund 40 Minuten dauernde Stück zu proben. „Möglich macht das in der kurzen Zeit die Kunst der Didaktik“, verrät Jean- Francois Drozak.

Die Proben seien minutiös durchgeplant, so der Sozialarbeiter. Für jede Minute des Stücks hätten etwa zwei Probeminuten zur Verfügung gestanden. Bei der Auswahl der Schüler hat Drozak darauf geachtet, nicht ausschließlich die Besten oder Begabtesten rauszuschicken. Das Ziel war vielmehr, das Stück mit einem repräsentativen Schüler- Durchschnitt auf die Bühne zu bringen.

Und so glänzten die acht Jungen und Mädchen in Ihrer jeweiligen Rolle und ihr Zusammenspiel funktionierte perfekt. Auch das Publikum machte eifrig mit. Dreimal wurde das Stück angehalten, und die Zuschauer durften per Handzeichen darüber abstimmen, was die elfjährige Lisa sich kaufen durfte. Das Knifflige daran war: Es stand nicht beliebig viel Geld zur Verfügung, sondern nur der Regelsatz für von Armut betroffene Kinder in Höhe von 270 Euro.

Großer Rechenschieber

Dargestellt wurden die mittels roter und blauer Kugeln an einem überdimensionierten Rechenschieber. Ein Großteil der Kugeln ist Anfang des Monats bereits fest verplant: für Lisas Essen. Ein anderer Teil wird gespart, eine Kugel für Hygieneartikel benutzt und eine für zusätzlich notwendige Fahrten mit der Straßenbahn. Als erstes mussten die rund 40 Zuschauer darüber abstimmen, ob Lisa sich die „Prinzessinnenschuhe“ kaufen durfte, die sie sich so sehr wünschte. Das Publikum sagte zwar Ja, aber nur zu den billigen Fakes, nicht zu den teuren Originalen. Dann ging´s um die Frage, ob Lisa neue Schulhefte bekommt oder ob ihr Bruder Paul sich stattdessen über neue Winterkleidung freuen kann. Das Publikum entschied: Lisa bekommt ihre Schulsachen. Auch zum Restaurantbesuch sagten die Zuschauer trotz knapper Kasse „Ja“.

Doch in dem Stück ging es nicht nur darum, ständig darüber nachdenken zu müssen, ob man sich dieses oder jenes noch leisten kann. Es ging auch darum, wie sich ein Kind in einer solchen Situation fühlt. Mal versuchte Lisa sich anzupassen niemand merkt, dass sie arm ist. Ein anderes Mal reagierte sie aggressiv, um von der Armut abzulenken. „Die Geschichte ist wahr“, sagte Drozak. Geschrieben wurde sie von zwei Frauen, die ihre Kindheit in Armut verlebt haben.

Dass Kinderarmut auch in Nürnberg kein Einzelfall ist, erklärte Norbert Kays vom Sozialamt, der dort unter anderem im Stab Armutsprävention tätig ist. Ihm zufolge sind in Nürnberg rund 17000 Jungen und Mädchen von Armut betroffen. Dass sich dies auch auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, erklärte Inge Döllinger, Leiterin des Sozialpädagogischen Förderzentrums. Arme Kinder seien gesundheitlich anfälliger und sprachlich nicht so gewandt wie Gleichaltrige. Deswegen forderte Döllinger eine Präventionsstrategie, die das Kind ganzheitlich in den Blick nimmt.

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