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Integration als gelebte Normalität – NZ

1. März 2018

druckerschärze abschlussMehrere Jahre lang ließ die NZ Schülerinnen und Schüler journalistische Erfahrungen sammeln, indem sie sie ganze Themenseiten gestalten ließ. Ermöglicht hat dies das Projekt „Druckerschwärze“, das nun zu Ende geht. Eine Würdigung gibt es bei der Abschlusspräsentation heute um 17 Uhr in der Stadtbibliothek. Dazu lädt der Caritasverband Nürnberg ein, der Träger des Projektes.
Viel Überzeugungsarbeitmusste Jean- Francois Drozak im Frühling 2013 nicht leisten, um die NZ von seiner Idee zu überzeugen. Der Sozial- und Theaterpädagoge aus Nürnberg wollte ein Projekt ins Leben rufen, bei dem Jugendliche zu einem Thema ein Theaterstück auf die Bühne sowie eine Seite in die Zeitung bringen sollten. Das Projekt sollte vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen. „Tendenziell wollen Jugendliche mit einem Migrationshintergrund eher ein Fach studieren, bei dem Sprachkenntnisse eine nicht so große Rolle spielen. Wir wollen Jugendliche ermutigen, einen journalistischen Beruf anzustreben – durch praktische Erfahrung“, sagt Drozak.


In der NZ hat er einen Partner gefunden, mit dem er das Projekt „Druckerschwärze“ in den ersten eineinhalb Jahren der Pilotphase testen konnte, bevor es 2015 deutschlandweit an den Start ging. Die NZ wollte dabei den Jugendlichen nicht nur den journalistischen Beruf näherbringen, sondern auch einen Schritt weitergehen, erläutert Chefredakteur André

Fischer: „Wir wollten Jugendlichen die Chance bieten, zu erkennen, dass gesellschaftliche Zusammenhänge von Menschen gemacht werden und damit veränderbar sind. Wer das Thema Menschenrechte voranbringen will, der muss sich engagieren. Wer Leistungssportler werden möchte, dem sollten auch die Schattenseiten des Sports bekannt sein, damit er ein fairer Sportler werden kann.“
Auch der Caritasverband Nürnberg, der jahrzehntelange Erfahrungen in der Integrationsarbeit hat, fand das Vorhaben wichtig und übernahm die Trägerschaft dafür. „Aufgabe der Caritas und seines Jugendmigrationsdienstes ist es, jungen Menschen mit Migrationshintergrund Perspektiven zu eröffnen und gemeinsam auch anspruchsvolle Träume anzugehen, wie etwa Journalismus. In einer multiethnischen Gesellschaft sollte es vielfältige Perspektiven auf ein Thema geben. Die Erfahrungen als Mensch mit Migrationshintergrund können hilfreich sein, um zum Beispiel interkulturelle Übersetzungsarbeit zu leisten und allgemein Toleranz und Verständnis zu befördern“, betont Direktor

Michael Schwarz. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unterstützte das Projekt finanziell.
Das Projekt „Druckerschwärze“, das Drozak zusammen mit der NZ entwickelt hat, bedeutete stets eine Woche intensiver Arbeit für alle Beteiligten. Eine Gruppe aus Schülerinnen und Schülern sprach mit vier Experten über ein bestimmtes Thema und entwickelte daraus zusammen mit dem Theaterpädagogen Drozak eine Aufführung an der Schule. Eine andere Gruppe – unterstützt durch NZ-Redakteurinnen – gestaltete aus ihren Experten-Interviews zum selben Thema eine ganze Seite in der Zeitung.
Familienbetriebe, Energiewende, Optimierung in der Medizin, Kirchensteuer, Krisen: Die Themen, die die „Druckerschwärze“ im Fokus hatte, waren vielfältig. Vielfältig war auch die Zusammensetzung der Jugendlichen sowie Interviewpartner: Viele von ihnen hatten Migrationshintergrund. Doch das sollte weder im Theaterstück noch auf der Zeitungsseite angesprochen werden.
Vielfalt als gelebte Normalität – auch das wollte die „Druckerschwärze“ vermitteln. „Integration ist dann gelungen, wenn keiner mehr darüber spricht“, bringt Drozak die Philosophie auf den Punkt. Das Konzept bewährte sich. Drozak war mit der „Druckerschwärze“ drei Jahre lang in ganz Deutschland unterwegs.
Die NZ war stets der Ansprechpartner für die Redaktionen der Lokalzeitungen vor Ort, die den journalistischen Teil übernommen hatten. 15 Schulen haben insgesamt teilgenommen. Mit den Ergebnissen zeigen sich alle Kooperationspartner zufrieden.
„Mit ihren Texten und Theateraufführungenhaben die Jugendlichen Erfahrungen gemacht, die ihr Selbstbewusstsein stärken und die sie nachdenklich gemacht haben“, resümiert NZ-Chefredakteur Fischer. Am Ende jeder Projektwoche erlebten die Jugendlichen auch starken Teamgeist. „Bei der Abschlussreflexion sagten die Schüler oft, dass es ihnen Spaß gemacht hat, aber auch, dass sie nicht gedacht hätten, in einer Woche als Team zusammenzuwachsen“, betont Michael Russ, Leiter des Jugendmigrationsdienstes der Caritas. Das Projekt ist einmalig in Deutschland und hat auch medial Beachtung gefunden: Der Bayerische Rundfunk sowie das Wochenmagazin „Brand eins“ berichteten darüber.

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