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icebreaker – Gastbeitrag in der proJugend

27. Juli 2018

Icebreaker

Im Auftrag der AOK Bayern tourt das Präventionstheater „icebreaker“ durch Schulen in Mittelfranken. Das Besondere daran ist, dass Schüler/-innen sich die Hauptrollen erarbeiten. Auch das Schulpublikum wird aktiv daran beteiligt, sich mit dem Thema Depression auseinander zu setzen.

icebreaker – Präventionstheater mit Jugendlichen für Jugendliche
von Jean-Francois Drozak

Eine Theaterpremiere der ganz besonderen Art fand am 7. Dezember 2017 im Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg statt. Acht Schülerinnen und Schüler bereiteten gemeinsam mit dem freischaffenden Theatermacher und -pädagogen Jean-Francois Drozak das Thema Depression im Jugendalter spielerisch auf. „Die Aufklärungsarbeit zum Thema Depression ist enorm wichtig. Bis zu 18,5 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren sind betroffen. Genau hier setzt “icebreaker“ an. Es gelingt dem Theaterprojekt, Schüler an das Thema heranzuführen“, so Christine Brummer, Pressesprecherin der AOK in Mittelfranken. „Die Schule erarbeitet sich das Thema mit theaterpädagogischer Unterstützung selbst. So identifiziert sich die gesamte Schulfamilie mit der Präventionsbotschaft – Sie wird Teil der eigenen Schulkultur.“


Für die Gesundheitskasse ein guter Grund, das innovative Präventionsprogramm bis Ende 2018 an insgesamt zehn Schulen im Regierungsbezirk zu unterstützen. Die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, hat zudem die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.
Interaktion mit dem Publikum

„Stell Dir vor, Du bist für 60 Minuten Psychiater und darfst diagnostizieren.“ – Beim Theaterstück „icebreaker“ wird das gesamte Publikum zum Facharztkollektiv. Welche der Figuren auf der Bühne sind an einer ernsthaften Depression erkrankt und welche sind einfach nur „schlecht drauf”? Kann man das überhaupt anhand einer Checkliste unterscheiden? Das versuchen die Zuschauenden selbst herauszufinden. Zur Aufführung erhalten sie eine Symptom-Checkliste, die vom „Bündnis gegen Depression“ ausgearbeitet wurde.  Nach jeder Szene diskutiert der Theaterpädagoge mit dem Publikum über die Einschätzungen des Krankheitszustands der Protagonisten.

Anna und Robert
Im Mittelpunkt der Inszenierung „icebreaker“ stehen die beiden unabhängigen Charaktere Anna und Robert. Man sieht sie in Alltagssituationen oder bei besonderen Anlässen auf zwei unterschiedlichen Bühnen. Das Stück beginnt damit, dass beide am Morgen aufstehen und sich für die Schule zurechtmachen. Sie kommen nicht aus dem Bett und werden von ihren Eltern gedrängt. Beide ziehen sich tagsüber in ihren Zimmern zurück. Ihre Schulleistungen werden schlechter. Sie haben keinen Appetit. Im weiteren Verlauf des Stücks erhalten beide zu ihrem Geburtstag unerwarteten Besuch. Anstatt sich zu freuen, bleiben sie lieber jeder für sich. Nach jeder gespielten Szene wird das Publikum aufgefordert zu entscheiden, bei welchem der Protagonisten sich der Verdacht auf Depression verhärtet. Keine so einfache Aufgabe, denn beide Figuren verhalten sich zunächst ähnlich. Dies entspricht zunächst einmal dem Verhalten junger Menschen, die sich in ihrer (pubertären) Entwicklung oftmals nicht so verhalten, wie die Umwelt es von ihnen erwartet. Doch ab wann beginnt man von Depression zu sprechen? Mit der Zeit wird deutlich, dass Robert ärztliche Hilfe braucht. Der Genesungsprozess

Im zweiten Akt wird der Genesungsprozess von Robert gezeigt. Er ist in der Tagesklinik und wird dort psychiatrisch und psychologisch betreut. Sein persönliches Umfeld bringt ihm zunehmend Wertschätzung entgegen. Er lernt, dass Ehrlichkeit zu sich selbst und anderen ein elementarer Schritt auf dem Weg zur Besserung ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich seine Schwester Julia durch die Erkrankung Roberts mehr und mehr vernachlässigt fühlt. Fast die gesamte Aufmerksamkeit beider Elternteile ist auf Robert gerichtet –Und was ist mit ihr? Sie macht Robert Vorwürfe. Darf sie „so etwas“ denken oder sogar aussprechen? Julia empfindet gegenüber ihrem Bruder Mitleid, Stärke, Wut, Eifersucht und Scham zugleich. Nicht nur Robert, sondern auch Julia und die gesamte Familie brauchen Hilfe. Es ist für Julia wichtig zu verstehen, was Robert hat. Sie muss lernen ihre Wünsche zu äußern. Ihre Eltern müssen hingegen lernen, diese Wünsche zu hören, auch wenn Julia diese nur leise artikuliert.

Prävention durch Partizipation, Information und Sensibilisierung
Das Theaterstück icebreaker wirkt wie ein Tanz und kommt mit nur wenigen Dialogen aus. Es ist ein leises Stück, die Thematik schleicht sich vorsichtig heran und entspricht so einem möglichen Krankheitsverlauf. Die jungen Darstellenden bewegen sich dezent und fragil. Die Szenenhandlung ist auf ästhetische Weise verlangsamt. So erfahren die Zuschauenden, dass sich psychische Erkrankungen oft schleichend und zunächst unbemerkt entwickeln. Sie lernen Verdachtsmomente einer beginnenden oder vorhandenen Depression anzusprechen. Vor allem lernen sie, dass Depression eine heilbare Krankheit ist. Durch dieses Erleben können die Zuschauenden einen neuen Zugang zu der Erkrankung und zu der Problematik für beteiligte Familienmitglieder finden. Die interaktive und dadurch intensive und persönliche Auseinandersetzung nimmt der Krankheit das Fremde. Sie schafft Verständnis für Erkrankte und ihr direktes Umfeld.
Ein lebensweltorientierter Ansatz In nur vier Tagen wird das Stück zur Premiere für Eltern und Interessierte einstudiert. Am fünften Tag finden Vormittagsaufführungen für alle Schulklassen statt. So werden in einer Projektwoche Multiplikatoren, Schüler/-innen und ihr familiäres Umfeld erreicht.

Ergänzend zum Theaterstück stellt die AOK Bayern dem Lehrerkollegium didaktisches Begleitmaterial für den Schulunterricht bereit, um das Thema ganzheitlich vor- und nachbereiten zu können.

Anfragen und weitere Informationen per E-Mail an icebreaker@by.aok.de

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