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Hormone nur für ein gutes Aussehen – NZ

15. Januar 2015

Dr Ylmaz

Patienten heute erwarten nicht nur viel von sich selbst – sondern auch von ihren Ärzten.

Dr. Neslisah Yilmaz- Terzioglu in der Gemeinschaftspraxis in der Äußeren Sulzbacher Straße im Ärztehaus am Ring in Nürnberg, hat in ihrem Job oft mit überhöhten Ansprüche zu tun.

NZ: Ist der Wunsch nach Perfektion bei Ihren Patienten in den vergangenen Jahren gewachsen?


Yilmaz-Terzioglu: Ich denke schon, denn der gesellschaftliche Druck hat zugenommen. Jeder will optimal aussehen. Das Paradebeispiel ist die Pille: Viele junge Mädchen wollen die Pille nicht der Verhütung wegen, sondern um schönere Haare und bessere Haut zu bekommen – oder größere Brüste. Dafür nehmen sie Hormone ein, die an sich nicht benötigt werden. Ich werde öfter nach Schönheitsoperationen gefragt als früher: nach Brustvergrößerungen oder sogar nach Schamlippen -Verkleinerungen.

NZ: Raten Sie von solchen OPs ab?

Yilmaz- Terzioglu: Einem 17-jährigen Mädchen rate ich zum Beispiel von einer Brust-OP nicht ab, aber ich versuche medizinisch zu begründen, warum die OP zumindest vor dem 20. Lebensjahr nicht sinnvoll ist: Die Brustentwicklung der jungen Frau kann noch bis zum 20. Lebensjahr andauern.

NZ: Ihr Spezialgebiet sind Fehlbildungen beim ungeborenen Kind – wie reagieren werdende Eltern, wenn sie hören, dass ihr Kind nicht perfekt auf die Welt kommt?

Ylmaz- Terzioglu: Die Eltern rechnen damit, dass das Kind gesund, intelligent ist und am besten auch noch sein Abitur macht. Wenn am Ultraschall dann eine Kleinigkeit vom normalen abweicht, das Baby also zum Beispiel einen Klumpfuß hat, sind sie wie vom Schlag getroffen. Obwohl solch eine Fehlbildung am Fuß später einfach mit Massagen korrigiert werden kann.

NZ: Haben die Patienten hohe Erwartungen auch an Sie?

Yilmaz- Terzioglu: Ja, ich liebe meine Arbeit sehr, aber manche Patienten erwarten eine „immer“ gut gelaunte Ärztin und dies ist manchmal schwierig. In diesem Winter war ich etwa oft erkältet und deswegen nicht so redselig wie sonst. Für einige der Patientinnen war es ungewohnt. Solche Patienten erwarten, dass ich immer perfekt bin – und nie eigene Probleme habe.

Fragen: Thomas Kocher, Alisa Gabduliyanova

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