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Herzwerker weckt Begeisterung – NN

1. Oktober 2014

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Projekt gibt Einblick in die Arbeit von Kindertagesstätten, Seniorenheimen und Co.— Regisseur Drozak lobt unkonventionellen Ansatz. Menschen für soziale Berufe begeistern und deren Ansehen in der Gesellschaft verbessern, will die Initiative „Herzwerker“ des Bayerischen Staatsministeriums.


Zentrum der Initiative ist eine Website, die „Herzwerker“ vorstellt sowie über Ausbildungsmöglichkeiten und Projekte informiert. „Hab’ mich entschlossen, diese Lehre zu machen, doch leider konnten viele Kumpels nur lachen.“ Mit Texten wie diesem aus dem „Herzwerker- Song“ holt die 2010 gestartete Initiative junge Menschen da ab, wo sie sind und nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es im weiteren Verlauf des Sprechgesangs heißt: „Sie sagten: Du wirst doch eh immer nur Hintern abwischen und jeden Tag ’ne feine Suppe auftischen.“

Selbstbewusst entgegnet der Sänger dann: „Doch ich will helfen, hey, speziell den Alten. . .Wo ich täglich zu mir aufschauen kann, weil hier kommt jeder mal an.“ Lag der Fokus des Projekts anfangs auf der Altenpflege, hat er sich inzwischen in Richtung Kindertagesbetreuung verschoben.

Ziel dabei war und ist es, mehr Nachwuchskräfte zu gewinnen und auch Männer, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Quereinsteiger für soziale Berufe zu begeistern.

Bei einem „Herztest“ auf der Homepage können Interessierte herausfinden, ob der Beruf des Altenpflegers zu ihnen passt. Wer im Test einer Seniorin, die sich verirrt hat, „Omi, schau ins Internet“ rät und einen betagten Nachbarn mit einem Schlag auf die Schulter begrüßen will, schneidet selbstredend schlecht ab.

Im neuen Bereich Kindertagesbetreuung kommen vor allem Fachkräfte zu Wort, die beispielsweise von ihren schönsten Erlebnissen berichten. „Ein Kinderlachen ist durch nichts einzutauschen“, heißt es da, oder: „Wenn ich nach Hause komme, weiß ich, dass ich etwas Sinnvolles gemacht habe.“

Diese sinnstiftende Komponente sozialer Berufe hebt auch Bayerns Sozialministerin Emilia Müller besonders hervor. „Der tägliche Umgang mit Menschen gibt eine spürbare und emotionale Bestätigung, die man so in den meisten anderen Berufen nicht bekommt“, konstatiert die CSU-Politikerin.

Dass das Herzwerker-Konzept aufgehe, zeigt laut dem Ministerium ein Blick auf die Ausbildungszahlen in Bayern. So sei die Zahl männlicher Lehrlinge im Bereich Altenpflege von 2009 bis 2013 um 50 Prozent gestiegen, berichtet eine Sprecherin. Ein beachtlicher Erfolg, wenngleich er auf einem relativ niedrigen Ausgangsniveau fußt: Das Gros der bayerischen Pflegekräfte und damit auch der Auszubildenden ist traditionell weiblich.

Regisseur Jean-Francois Drozak bestätigt das wachsende Interesse von jungen Männern an sozialen Berufen. Der Nürnberger führt seit über zwei Jahren Theateraktionen an bayerischen Realschulen durch. Dabei befragen die Schüler zunächst in Gruppen verschiedene Mitarbeiter aus der Altenpflege, Behindertenhilfe, Kindertagesbetreuung oder Jugendhilfe. Aus den Interviews entstehen dann Theaterszenen, die schließlich im Rahmen einer 90-minütigen Talkshow samt Moderation aufgeführt werden. „Durch diese szenische Berufsberatung erleben viele Jugendliche Herzwerker live auf der Bühne“, erklärt Drozak. „Nach den Veranstaltungen schätzen die Schüler die Arbeit dieser Menschen umso mehr, denn die Alltagsgeschichten vermitteln den Wert ihres Engagements.“ Durch die Abschaffung des Zivildienstes seien solche Einblicke in soziale Berufe besonders für junge Männer wichtig, sagt der Regisseur.

Gut an der Initiative findet er vor allem den unkonventionellen Ansatz, die jugendgerechte Sprache und die gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung.

www.herzwerker.de

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