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Herzwerker im Bayerischen Rundfunk

1. Mai 2013

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Eine Entscheidung mit Herz und Verstand. In den sozialen Berufen fehlen Fachkräfte und der Nachwuchs zögert. Die Bayerische Staatsregierung hat deshalb vor ziemlich genau drei Jahren das Projekt „Herzwerker“ initiiert. Zunächst, um mehr Menschen für eine Ausbildung in der Altenpflege zu gewinnen. Inzwischen geht es auch darum, vor allem junge Menschen für Erziehungsberufe oder eine Tätigkeit in der Jugend- und Behindertenhilfe zu begeistern. Intelligente Berufsberatung ist gefragt. Ein Theaterprojekt an bayerischen Schulen soll dazu beitragen.

MitschnittHerzwerker Wie Bayern Jugendlichen soziale Berufe schmackhaft macht

Eine Bühne für soziale Berufe. Dafür hat das Sozialministerium eigens einen Theaterpädagogen engagiert, um Realschüler in jedem Regierungsbezirk davon zu überzeugen, ein „Herzwerker“ zu werden.

„Es gibt Handwerker. Es gibt Kopfarbeiter. Und es gibt Menschen, die nicht nur mit Hand und Köpfchen arbeiten wollen, sondern noch etwas mehr suchen. Die mit anderen Menschen arbeiten möchten. Professionell und engagiert. Und denen es Spaß macht, anderen Menschen mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu vermitteln, ihnen Perspektiven zu eröffnen, sie zu fördern und zu begleiten. Wir nennen sie: HERZWERKER.“

Berufsberatungsgala auf der Bühne
Der Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak hat Erfahrung mit Bühnenprojekten an Schulen. Voriges Jahr hatte er fränkischen Schülern mit einem Kochprojekt auf der Bühne nahegebracht, besser zu essen. Dieses Jahr tourt er durch ganz Bayern und inszeniert mit den Realschülern eine „Berufsberatungsgala“. In der vergangenen Woche machte „Herzwerker“ Station in Memmingen.

Die Jugendlichen bei den Proben zu ihrem Theaterstück
In Memmingen spielten vier Jungen und vier Mädchen insgesamt acht Alltagsszenen aus dem Altenheim, der Kita, dem Jugendheim und dem Behindertenheim. Die Ideen für die Episoden bekamen die Jugendlichen von einer Altenpflegerin, zwei Erzieherinnen und einem Heilerziehungspfleger erzählt. Innerhalb von dreieinhalb Tagen entwickelten die Realschüler daraus mit Hilfe des Theaterpädagogen Jean-Francois Drozak ein Bühnenstück.

Die nächsten öffentlichen Aufführungen an staatlichen Realschulen sind
– am 9. Mai in Neustadt in der Oberpfalz,
– am 6. Juni in Landshut und
– am 18. Juli in Ingolstadt.
Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Von der Arbeit mit Pflegebedürftigen erzählen
Soziale Berufe positiv darzustellen, darum bemüht sich Drozak sichtlich und die vier „Herzwerker“ aus den verschiedenen sozialen Einrichtungen geben hervorragende Botschafter ihrer Berufe, erzählen eindringlich vor allem von den schönen und menschlichen Seiten ihrer Arbeit mit Pflegebedürftigen, Jugendlichen, Kindern oder Menschen mit Behinderung. Und das ist auch der Auftrag, den das Sozialministerium Jean-Francois Drozak gegeben hat:

„In erster Linie geht es darum, mit den Berufsberatungsgalas der Kampagne Herzwerker sowohl den Jugendlichen, aber auch Familien und Multiplikatoren den Wert der sozialen Berufe zu vermitteln. Damit, wenn Jugendliche dann neugierig sind, sie vom sozialen Umfeld auch dazu ermutigt werden.“
Jean-Francois Drozak, Theaterpädagoge

Dem Theaterpädagogen im Dienst des Sozialministeriums geht es aber nicht darum, auf Biegen und Brechen junge Menschen in einen Sozialberuf zu drängen, für den sie vielleicht gar nicht geeignet sind.

„Uns geht es darum, Jugendlichen zu motivieren, sich zu informieren, und wenn sie für sich entscheiden, dass es das Richtige ist für sie,  ja dann wird es uns allen im Alter oder wenn wir behindert sind, oder Kinder haben dann besser gehen.“

Jean-Francois Drozak, TheaterpädagogeDennoch: Herzwerker ist eine Werbeaktion und thematisiert ganz weniger die negativen Aspekte im sozialen Bereich, wo – um nur ein Beispiel zu nennen – gute Qualifikationen gefordert, aber meist deutlich schlechter bezahlt werden als in technischen oder kaufmännischen Berufen der Industrie.

„Diese Berufe stiften Sinn. Sie sind unverzichtbare Säulen unserer Gesellschaft.“
Bayerisches Sozialministerium

Die Herzwerker-Internetseiten versuchen auch Migranten für Sozialberufe zu gewinnen. Ausführlich wird im Netz über Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten informiert.

„Wir informieren darüber, wie soziale Berufe fordern, fördern und bereichern, wie vielseitig sie Menschen verbinden – und auch darüber, welche Karrierechancen die sozialen Berufe bieten: interessante Einblicke für alle Bürgerinnen und Bürger und ganz besonders für Berufseinsteiger und -umsteiger.“
Bayerisches Sozialministerium

Projekt als Erfolg verbucht
Bei den Jugendlichen wurde das Interesse an sozialen Berufen durch das Theaterprojekt geweckt. Die Berufsberatungsgala in Memmingen stieß bei den Beteiligten auf viel Zustimmung. Die Praktiker aus den sozialen Berufen äußerten sich überzeugt, ihr Arbeitsfeld realistisch dargestellt zu haben. Einige Jugendliche kündigten an, nach der Berufsberatungsgala ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung machen zu wollen. Auch die Schule verbucht das Projekt als Erfolg. Realschuldirektor Josef Herz freut das, weil seine Schüler erfahrungsgemäß eher kaum an soziale Berufe denken.

„Wir erleben nämlich, dass die Industriebetriebe schon versuchen dass sie die besten Lehrlinge von uns kriegen. Das ist auch in  Ordnung. Die sozialen Berufe sind da bei mir noch nicht vorstellig geworden.“
Josef Herz, Realschuldirektor Memmingen

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