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Herzwerker feiern Werte – 7.10.

23. Oktober 2012

herzwerker

Jeder Tag ist kostbar
Benjamin Diepold befindet sich derzeit in einer Einrichtung in Michelfeld in der Ausbildung zum Altenpfleger. Das Besondere an dieser Einrichtung ist, dass hier behinderte Menschen ihr ganzes Leben verbringen. In der Altenpflege wird man durchaus auch mit dem Tod konfrontiert. Man habe es hier nicht mit technischen Geräten zu tun, die in der Werkstatt repariert oder aussortiert werden. „Soziale Berufe sprechen einen deshalb auch emotional deutlich stärker an.“ In der Spielszene „Asta“ wurde deutlich, wie beispielsweise ein Hund namens Asta einen alten Menschen aus seinem Phlegma holen kann und dieser wieder mehr an der Umwelt teilnimmt. Die Spielszene „Peanuts“ verdeutlichte den Anwesenden, dass sich Menschen oft über Kleinigkeiten aufregen, die angesichts der Probleme älterer Menschen und deren Handicaps eben nur Peanuts sind. Benjamin Diepold betonte, er habe in seiner Arbeit gelernt, dass jeder Tag kostbar ist und man sich viel zu viel mit Unwichtigem beschäftige.


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Führerschein zum Erziehen
Franz Wille ist der Herzwerker aus dem Thomas-Wieser-Haus in Cham. Der Sozialpädagoge arbeitet seit sieben Jahren in dieser Wohngruppe für Jugendliche. Im Gespräch mit ihm wurde deutlich, dass gerade Männer in sozialen Berufen Mangelware und doch so wichtig sind. In vielen Einrichtungen spielt es eine große Rolle, dass auch die Vaterrolle verkörpert wird. Darüber hinaus habe man in diesem Beruf den „Führerschein zum Erziehen“, so Wille. In der Spielsequenz „T-Shirt“ wurde dargestellt, welche Aggressionen bis hin zur Selbstverletzung bei einem Jugendlichen ausgelöst werden können, wenn ein geliebter Gegenstand verloren geht. Gerade Jugendliche die sehr schwierige Phasen im Leben hinter sich haben, hängen oftmals verstärkt an den wenigen positiv besetzten Dingen. Im Stück „Hausaufgaben“ wurde sehr deutlich, dass der Herzwerker in der Jugendhilfe seine Schützlinge nicht nur motivieren, sondern oftmals erst grundsätzlich weg von der Verweigerungshaltung bringen muss. Frank Wille bezeichnete seinen Beruf als toll, da er so vielfältig sei. Das bringe die Arbeit mit den Menschen mit sich.

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Spielen ist so wichtig
Elisabeth Stelzl vom Kindergarten Arche Noah berichtete im Interview mit Jean-Francois Drozak, dass sie den Berufswunsch Erzieherin bereits mit drei Jahren hatte. Inzwischen ist sie 24 Jahre im Beruf und davon 14 Jahre in der Arche Noah. In der ersten Sequenz ging es darum, dass es Kinder gibt, die viel spielen und andere, die viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. Diese verschiedenen Interessen und Wünsche unter einen Hut zu bringen und das Positive zu fördern, ist dabei eine Hauptaufgabe. „Spielen ist für Kinder so wichtig“, sagte Herzwerkerin Stelzl, „den durch Spielen erobern die Kinder die Welt.“ Aber nicht nur die Arbeit mit dem Kind dominiert den Beruf. In der zweiten Spielszene „Orgakram“ wurde deutlich, dass Erzieherinnen die vielen Bedürfnisse der Kinder, Eltern, Kollegen und des Trägers unter einen Hut bringen und dabei eben gute Organisatoren sein müssen.


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Befähigen, das Leben zu leben
Claudia Lex arbeitet als Heilpädagogin in der Bildungsstätte Sankt Gunther mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen. Trotz ihrer Berufsbezeichnung geht es hier nicht um „heilen“; sondern darum, die Kinder zu befähigen, ihr Leben zu leben. Ihr Weg führte über fünf Jahre Ausbildung und zwei Jahre Praxis als Erzieherin und nochmals zwei Jahre Ausbildung zur Heilpädagogin. „Löffel, Löffel, Löffel“ lautet der Titel der ersten Spielszene. Ein geistig behindertes Kind hatte noch nie gesprochen: Erst als die Servierdame den Löffel für den Pudding vergessen hatte, kamen die drei besagten Worte über die Lippen des Kindes. Ein unglaubliches Erlebnis, so Claudia Lex. Wenn sie die Möglichkeit hätte, so Jean-Francois Drozak, was würde sie dieses Kind dann fragen. „Geht es dir gut und fühlst du dich wohl in deiner Welt“, sagte die Lex. „Sonntagsbraten“ war der Titel des abschließenden Spiels. Eine Leberkäsesemmel mit Tee vermischt und im Mixer zu Brei verarbeitet. Sechs Monate hatten die Erzieher das Kind nicht dazu gebracht, in der Einrichtung zu essen, bis die Pfleger der Tipp der Mutter auf die Lösung brachte.

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