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Großes Theater im Kampf gegen Depression – NN

1. August 2012

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Schüler des Förderzentrums Langwasser zeigen “Ice Breaker” – 23.06.

Nürnberg  – Auch Jugendliche haben Depressionen – darüber bekannt ist fast nichts. Das Theaterstück „Ice Breaker“ soll die Augen öffnen. Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums Nürnberg-Langwasser haben es in ihrer Schule auf die Bühne gebracht.

Ist Lisa depressiv? Oder Alex? Das Publikum soll spüren, wie es um die Hauptfiguren (auf den Stühlen) steht.

Lisa und Alex finden keinen Schlaf. Morgens sind sie müde und wollen nicht aufstehen. Beide haben Stress mit ihren Eltern und Geschwistern. Lisa hat keinen Appetit. „Aber du hast doch gestern schon nur ein Joghurt gegessen“, sagt ihre Mutter.

Mit einem lauten Knall stoßen Kugeln in einem riesigen Rechenschieber neben der Bühne zusammen. Regisseur und Autor Jean-François Drozar hat die „Ice Breaker“-Aufführung unterbrochen, die Mitschüler im Publikum vergeben anhand einer Kriterienliste Punkte, ob Lisa und Alex typische Anzeichen einer Depression zeigen. Jeder Punkt entspricht einer Kugel im Rechenschieber.


„Erwachsene haben auch dank der Arbeit des Bündnisses gegen Depression ganz gutes Wissen über Depressionen“ sagt Theaterpädagoge Drozar, der zusammen mit den Schülern Vivien, Michael, Jannina, Jennifer, Florian, Sabrina, Katharina und Corinna „Ice Breaker“ im Förderzentrum Langwasser auf die Bühne gebracht hat. „Bei Jugendlichen ist die Krankheit aufgrund der Pubertät nur schwer zu erkennen, es ist kaum etwas darüber bekannt“, erläutert Drozar. Liebeskummer oder Rebellion sind Teil der Pubertät, können aber auch Symptome sein. „Wir wollen aufklären“, sagt Drozar.

Keine Lust auf Freunde

Lisa und Alex haben Probleme in der Schule, ein Verweis droht. Das Mädchen kämpft mit Fleischessern und Kapitalismus. Alex hat keine Lust, seinen Geburtstag mit Freunden zu feiern und trinkt alleine zu Hause. Die Reihe der Kugeln auf der Depressions-Seite wird länger.

Es war sehr anstrengend“, sagen die jungen Schauspieler. In nur vier Tagen haben sie die Texte auswendig gelernt und geprobt. Herausgekommen ist eine eineinhalbstündige, gute und sehr eindrucksvolle Aufführung mit viel Applaus. „Der Spaß macht die Anstrengung wett“, versichern die 14- und 15-Jährigen. „Ich habe einfach meinen Vater gespielt“, sagt Michael. Er hat schon etwas Theatererfahrung, viele seiner Schauspiel-Kollegen standen zum ersten Mal auf der Bühne.

Die Geschwister lesen in Lisas und Alex’ Tagebüchern. Alex hat Selbstmordgedanken. Mit einem lauten Krach ist die Kugelreihe voll. Alex begibt sich in Behandlung, Lisa sagt ihm dort, wie toll sie es findet, dass er keine Maske mehr trägt und seine Gefühle zulässt. „In der Schule tragen alle eine Maske“, sagt sie. Doch Alex’ Schwester leidet, weil sich alles nur noch um ihren Bruder dreht.

Ich bin noch nicht mit dem Stück fertig, erläutert Regisseur Drozar. „Ich muss noch stärker herausarbeiten, wie sehr die Geschwister leiden. Eine Depression geht, die Vernachlässigung bleibt.“ Wenn „Ice Breaker“ vollendet ist, soll es als Teil einer Kampagne des „Bündnisses gegen Depression“ von Schülern in allen mittelfränkischen Schulen gezeigt werden. „Hoffentlich gibt es so etwas bald wieder“, sagen die Schauspieler. „Es ist nicht cool, eine Maske zu tragen.“

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