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Generationsübergreifender Dialog – Playback

12. Mai 2010

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Folgender Text ist ein Auszug aus der wissenschaftlicher Arbeit von Frau Cornelia Berthold. Sie begleitete vor gut einem Jahr ein Dialogverfahren zwischen jungen und alten Menschen, die im Stadtteil Muggenhof leben. Die Arbeit wurde der Georg Simon Ohm Hochschule im Rahmen ihres Studiums bei Pr. Dr. Unbehaun vorgelegt und beschreibt die Wirkung der Methode Playback. 

Seit den 90er Jahren rückt die generationenverbindende Arbeit immer mehr in den Mittelpunkt. Intergenerationelles Lernen heißt, dass Erfahrungen und Wissen ausgetauscht werden. Ein Beispiel hierfür sind die Mehrgenerationenhäuser. Ältere Menschen nehmen einen immer größeren Teil unserer Bevölkerung ein. Sie sind einerseits eine Belastung, aber gleichzeitig eine große Bereicherung. Zunehmend steht die Gesellschaft vor einem demographischen Wandel. Hierzu zählen die steigende Lebenserwartung und eine abnehmende Geburtenrate. Lebensläufe verlaufen außerdem nicht mehr kontinuierlich, sondern splitten sich auf. Die traditionellen Familien schwinden.


In den öffentlichen Diskussionen wird häufig von der sinkenden Rente gesprochen. Hier wird aber oft die Lebensqualität im Alter vergessen, die auch eine wichtige Rolle spielt. Der Diskurs um das Leben der Senioren hat mehr zu bieten als Finanzierungslücken zu schließen. Die mittleren Generationen werden in den nächsten Jahren große soziale Unsicherheiten bewältigen müssen. Die zwischenmenschliche Begegnung zwischen Jung und Alt ist ausschlaggebend für ein harmonisches Zusammenleben. Der Umgang miteinander im Alltag und Beruf will gelernt sein. Spannungen und Konkurrenzen können entstehen, die bearbeitet werden müssen. Die Verbundenheit der Generationen soll trotz Verfall von Familien gefördert werden. Außerfamiliäre Beziehungen zu der anderen Generation sind selten, dies ist jedoch wichtig, um Isolation vorzubeugen. Die Solidarität zwischen den Generationen muss noch ausgebaut werden.

Die wachsende Gruppe der alten Menschen ist eine Herausforderung, auch für die Soziale Arbeit. Es dürfen weder die jungen, noch die alten Menschen benachteiligt werden. Ältere Menschen haben Interesse an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dieses Potenzial soll genutzt werden und Engagement ist gefordert. Zielgruppenarbeit im Generationenkontext bietet viel Freiheit. Oft werden jedoch gemeinsame Workshops als anstrengend empfunden, und gelingen nicht wie geplant. Häufig fehlt auch die Achtung voreinander. Junge Menschen haben mehr das Bedürfnis auf Kommunikation und Bewegung. Die Jugend bringt oft keinen Respekt für die Lebenserfahrung der Älteren mit. Dazu kommen andere Wertvorstellungen, Interessen und Einstellungen.

Genau deshalb ist eine harmonische Interaktion so wertvoll.Institutionalisierte Kunst, Kultur und Soziokultur ist seit den 70er Jahren vermehrt entstanden. Generationsspezifische Angebote gehören zum Bestand kultureller Bildung. Die Einrichtungen sind auf den demographischen Wandel vorbereitet, und stellen sich auf die sich veränderte Nachfrageorientierung ein. Der Zugang zu Kultur soll für alle Altersgruppen zugänglich gemacht werden. Kulturelle Bildung kann Generationen verbinden, und ein gegenseitiges Kennenlernen erst ermöglichen. Die Älteren mit einem gewachsenen Selbstbewusstsein müssen berücksichtigt werden, aber auch die Kinder und Jugendlichen. Das ehrenamtliche Engagement der Senioren muss gefördert werden, und es sollen intergenerative sowie generationsspezifische Angebote stattfinden. Unterschiedliche Altersgruppen können verschiedene Beiträge zu Kunst und Kultur leisten. Jede Generation möchte sich aber auch immer wieder unter sich zurückziehen, dies sollte berücksichtigt werden.

Alle Altersklassen haben ihr eigenes Wissen. Zum Beispiel weiß die Jugend mehr über Computer, die älteren Menschen haben mehr Lebenserfahrung. „Man bleibt jung, solange man noch neue Gewohnheiten annehmen, und Widerspruch ertragen kann.” Diese beiden Potentiale sollten sich gegenseitig ergänzen und nicht behindern. Gegenseitige Anerkennung ist hier entscheidend.

Playback Theater Diese kreative Art des Improvisationstheaters wurde 1975 in den USA von dem Psychodramatiker und Theaterspieler Jonathan Fox gegründet. Die Methode des Playback Theaters ist der zeitgenössischen Psychologie zuzuordnen. Playback Theater ist expressionistisches und flexibles Improvisationstheater, bei dem alte Erzählformen mit modernem Improvisationstheater verbunden werden. Play back heiß auf  Deutsch „Zurück Spielen“. Es hat Ähnlichkeit mit therapeutischem und pädagogischem Experimentiertheater. Diese Theaterform ist aber keine Therapie, da es nicht das Ziel des Theaterprojekts ist, Probleme aufzuarbeiten. Es werden persönliche Erlebnisse nachgespielt, dadurch wird den Erzählenden Respekt und Wertschätzung in der Gemeinschaft geschenkt. Erfahrungen werden künstlerisch ausgearbeitet. Dies geschieht hauptsächlich durch Sprache, Musik, körperlichen Ausdruck und Improvisation. Die wirklich erlebten Erfahrungen stehen im Mittelpunkt und erhalten mehr Tiefe. Playback Theater stammt von Morenos Stegreiftheater und vom Psychodrama ab.Im Improvisationstheater ist das Auswendiglernen von Texten meistens nicht nötig, sondern es geschieht aus dem Stegreif. Das Playback Theater besteht aus einer Einführung, den Szenen, und einem Abschluss. Hinzu kommen Zwischeneinspielungen, zum Beispiel mit Musik. Es herrscht häufig ein gutes Gruppengefühl. Da die Darstellung sehr ausdrucksstark ist, werden beim Zuschauer häufig Gefühle ausgelöst. Wie die Vorstellung beim Publikum ankommt hängt von der Aufführung, der Erzählung, und dem Zuschauer ab.

Als Einführung beim Playback Theaterprojekt „Generationen“ las ich eine Geschichte von einem Senior vor. Als Zwischeneinspielung interviewte der Regisseur nach jeder einzelnen Szene die Senioren während der Aufführung. Die Bühnenseiten wurden von den Schauspielern gewechselt, das Publikum musste wandern. Durch diese Methoden wurden die Zuschauer mehr mit einbezogen. Außerdem hatten wir ein Bühnenlicht und Musik zur Verfügung.Der künstlerische Ausdruck geschieht beispielsweise durch Gestik, Sprache, Mimik und Musik. Beim Theaterprojekt „Generationen“ hatten wir außer einigen alten Tonnen keine Requisiten zur Verfügung. Requisiten und musische Elemente sind aber bei dieser Theaterform üblich.

Im Playback Theater werden meist zunächst Menschen zu einem bestimmten Thema oder allgemein zu einem Erlebnis interviewt. Das Publikum oder die Zielgruppe soll etwas aus dem Bauch heraus erzählen. Die Erzählungen müssen keinen bestimmten Inhalt haben, sollten aber einen Zusammenhang untereinander aufweisen. Die Darsteller versuchen dann die dramatischen oder heiteren Geschichten möglichst lebensnah und lebendig nachzuspielen und szenisch umzusetzen. Das Wesentliche soll herausgefiltert werden. Auch zunächst langweilig erscheinende Erzählungen werden gespielt, da die Spannung gerade in der Mischung zwischen Alltag und Drama liegt. Die erzählten Geschichten sind ein Thema für die Kunst, und verdienen öffentliche Aufmerksamkeit. Wichtig ist, dass der Erzähler Verbesserungen und Änderungen seiner Szenen vornehmen kann, und in die Proben mit einbezogen wird.Für das Playback Theater gibt es spezielle Trainings. Dies ist aber keine Voraussetzung um mitspielen zu können, da es auch für Laien gut geeignet ist. Playback Theater wird privat und öffentlich von verschiedenen Zielgruppen gespielt. Meistens geschieht dies ohne Lohn. Weltweit gibt es bis jetzt etwa 17 große Theater-Playbackgruppen. Es werden Veranstaltungen, Projekte und Workshops durchgeführt. Die Gruppen treffen sich teilweise über Jahre oder nur für eine kurze Zeit. Manche Theaterspieler üben zum Spaß und zur eigenen Bereicherung, ohne eine Aufführung zu machen. Sie erzählen sich gegenseitig Geschichten und stellen sie anschließend dar. Meistens sind die Gruppen nicht auf ein bestimmtes Thema oder Publikum ausgerichtet, es können aber auch Themen vorgegeben werden. Es gibt auch Einzelpersonen, die Playback Theater durchführen.

Idee „Playback Theaterprojekt“ im Kulturbüro Muggenhof
Das Kulturbüro Muggenhof auf dem ehemaligen AEG-Gelände steht für kreative Projekte und gesellschaftliches Engagement. Es werden Veranstaltungen für den Stadtteil organisiert und durchgeführt. Beispiele sind „Die Geschichtswerkstatt“, Konzerte, Ausstellungen, Führungen und Theater. Die Leiterin ist Stefanie Dunker.Ein Theaterprojekt war eine der ersten Aktionen im neu eröffneten Kulturladen Muggenhof und Eberhardshof im Oktober 2008. Hier spielten Fünftklässler der Preißler-Schule in Gostenhof bereits mit Senioren Playback Theater, was ein voller Erfolg war. Kontakte zu Vereinen, Parteien und Schulen wurden schnell geknüpft. Die Aktion Mensch war ein Sponsor des Projekts. Das Quartiersmanagment Muggenhof entwickelte mit Einrichtungen und Einzelpersonen im Stadtteil eine Methode um den Dialog zwischen jungen und alten Menschen zu fördern. Beim ersten Playback Theaterprojekt sprach Muhittin Arslan, der Lehrer der Johann-Daniel-Preissler-Schule die Jugendlichen an. Beim zweiten Durchlauf hat das der Theaterpädagoge veranlasst, indem er in der Schule in ausgewählte Klassen ging und das Projekt vorgestellt hat. Der Projektleiter war der Theaterpädagoge Jean Drozak, der in enger Zusammenarbeit mit dem KUF und der Stadtteilkoordinatorin Michaela Schremser das Projekt entwickelt hat. Die Senioren wurden von den Evangelischen Kirchengemeinden Epiphanias und der Erlöserkirche aus Muggenhof und Eberhardshof ausgewählt und direkt angesprochen. Die Projektbeschreibung wurde im Internet und in der Broschüre „Alles drin“ aufgeführt. Weitere Partner waren die Stadt Nürnberg, der Jugendtreff West und die Westend-Jugend e. V. Das „Generationen Playback“ wurde noch einmal im November im Gemeindezentrum unter anderem vor Bayerns Sozialministerin Frau Haderthauer und dem Landesbischof Dr. Friedrich aufgeführt.

Für eine Vorauswahl der in Frage kommenden Kandidaten hat Frau Dunker und die Praktikantin beim zweiten Projekt Multiplikatoren (SPD – Ortsverein, Kirchengemeinden, AWO Seniorengruppe, katholische Gemeinde usw.) aus dem Stadtteil genutzt.  Diese Leute wurden dann vom KuF Kulturbüro oder von Jean Drozak persönliche per Brief oder Anruf kontaktiert, und sie sind persönlich zu Seniorentreffpunkten im Stadtteil gegangen.Der Theaterpädagoge Jean Drozak leitet die Jugendlichen beim Theaterspielen an und steht als Berater zur Verfügung. Er soll beim künstlerischen Ausdruck eine unterstützende Rolle übernehmen. Die alten Menschen erzählen Geschichten aus der früheren Arbeitswelt, während die Jugendlichen zuhören, und später versuchen werden, die Geschichten nachzuspielen. Die Senioren spielen Regisseur und korrigieren die Szenen ihrer Erlebnisse. Zum Schluss werden die Szenen aufgeführt.

Ziele des Projekts
Zunächst ist es wichtig im problembeladenen und kulturell vernachlässigtem Stadtteil Gostenhof ein Projekt für Jugendliche anzubieten, bei dem sie sich einbringen können. Begegnungsmomente mit den Senioren sollen wiederholt werden, damit ein natürliches Miteinander entstehen kann. Die Treffen finden im Lebensumfeld der Zielgruppen statt, und sind stadtteilbezogen. Es ist ein kulturelles Angebot und ein Begegnungsort für die Senioren und die jungen Menschen. Migrantenkinder und Hauptschüler haben oft nicht viele kreative Möglichkeiten und werden nicht so ausreichend gefördert wie deutsche Kinder oder Kinder von höheren Schulen. Hauptschüler kommen oft aus sozial schwachen Familien.Gerade die Methode Playback Theater macht es so spannend, da sie den meisten unbekannt ist. Theaterpädagogik verbindet Theater und pädagogisches Handeln. Durch das Projekt kann Lustlosigkeit entgegen gewirkt werden, da die Jugendlichen aktiv werden müssen. Sie haben ein Ziel vor Augen und arbeiten aus eigenem Willen darauf hin.

Die Jugendlichen lernen, sich auf eine anfangs vielleicht befremdliche Sache einzulassen. Die Phantasie und Intuition kann durch das Theaterspielen gefördert werden. Es kann ein Zugang zu den eigenen Gefühlen geschaffen werden. Ebenso wird die Sprache, Mimik, Körperausdruck und die Gestik durch das Spiel verbessert. Die Wahrnehmung und die Konzentration werden trainiert und Gefühle und Gedanken können durch Theater ausgedrückt werden. Auch darf der Spaß an der Teilnahme und Persönlichkeitsbildung nicht vergessen werden.In der Pubertät entfernen sich junge Menschen von ihren Bezugspersonen. Trotzdem haben sie viele Fragen. Die Autorität der Eltern wird oft schwer akzeptiert. Im Begegnungsprojekt werden die Jugendlichen in ihrer Orientierungslosigkeit unterstützt. Die gemeinsamen Proben wirken sich positiv auf das Sozialverhalten der Jugendlichen aus, da ein kreativer Prozess und Interaktionen in der Gruppe stattfinden. Die Schüler lernen sich untereinander besser kennen und erlernen, andere mit ihren Schwächen und Stärken zu akzeptieren. Es muss Verantwortung für sich und andere übernommen werden, damit das Projekt gelingen kann. Die Projektteilnehmer müssen sich in andere einfühlen. Gerade durch die Erzählungen der Geschichten üben die Jugendlichen empathisch und aktiv zuzuhören. Die Erstellung eines Interviewleitfadens hilft den jungen Menschen sich angemessen zu verhalten. Es besteht meistens eine Diskrepanz zwischen den Erzählungen und der szenischen Wiedergabe. Es soll die damalige Lebenswelt dargestellt werden, und nicht die der Jugendlichen, deshalb ist die Korrektur der Senioren so wichtig.Teamkompetenzen sind heutzutage sehr wichtig, die durch die Zusammenarbeit gefördert werden Bei der Seniorenbegegnung hatten die beiden Zielgruppen die Möglichkeit sich zu unterhalten. Die Hauptschüler konnten üben, sich den alten Menschen gegenüber freundlich und zuvorkommend zu benehmen. Hemmungen können abgebaut werden. Durch eine gelungene Aufführung, und die Überwindung sich vor Zuschauern zu präsentieren wird das Selbstbewusstsein gefördert. Die Teenager wurden ausreichend auf das Treffen von dem Pädagogen vorbereitet. Anweisungen des Regisseurs mussten befolgt werden.Die jungen Menschen können in der Begegnung etwas über Alterungsprozesse und die Lebenswelt und Lebensgestaltung von Senioren lernen. Sie können Vorurteile abbauen und Feingefühl für die älteren Menschen entwickeln.

Viele ausländische Jugendliche haben keine Großeltern in Deutschland. Durch die Erzählungen der alten Menschen können sie einen besseren Zugang zur deutschen Kultur bekommen. Viele Geschichten spielten in Nürnberg statt. Dadurch kann etwas über die Geschichte in der eigenen Stadt gelernt werden. Die Gruppenteilnehmer werden zum Nachdenken gebracht, und der Horizont wird dadurch erweitert. Es wird ein Gespür dafür entwickelt, wie es früher war. Die Neugierde und das Interesse an der anderen Generation sollen gefördert werden. Gerade heutzutage leben Jung und Alt nicht mehr so zusammen wie früher. Von den Erfahrungen der älteren Menschen können die Jugendlichen profitieren. Die Erlebnisse der alten Menschen werden durch die Aufführung wertgeschätzt und weitergegeben. Die Senioren sehen ihre Geschichten noch einmal aus einem neuen Blickwinkel.Die Lebenswelten von Jugendlichen, die fast überwiegend aus Migrantenfamilien stammen und deutschen Senioren sind sehr unterschiedlich. Durch die gemeinsame Aktivität können sie sich näher kommen. Es kann Kontakt entstehen und etwas über andere Ansichten erfahren werden. Das gegenseitige Einfühlungsvermögen wird gefördert, und die jungen Menschen schlüpfen im Theaterspiel in die Rollen der Älteren. Durch die Aufführung werden die Zuschauer  zum Verständnis zwischen den Generationen angeregt und unterhalten.

Die alten Menschen kommunizieren untereinander und mit der anderen Generation. So kommen Senioren die evtl. oft alleine sind unter Menschen. Es besteht die Gelegenheit zu anderen Senioren Kontakt aufzunehmen, und bei günstigen Gegebenheiten sich privat noch einmal zu treffen. Es kann ebenfalls bei den Jugendlichen der Fall sein, dass man sich untereinander besser kennenlernt, und sich nach dem Projekt noch trifft, wenn gemeinsame Interessen vorhanden sind.Senioren blicken oft auf ihr Leben zurück. Sie sehen die schönen Seiten des Lebens, haben aber auch schon viel durchgemacht. Durch die Gespräche mit den Jugendlichen besteht die Gelegenheit, die sich gemachten Gedanken anderen Menschen mitzuteilen. Dadurch können Erfahrungen einen neuen Sinn erhalten.

Resumé
Als Auswertung zum Verhältnis der Jugendlichen zu den alten Menschen würde ich die Sichtweise als positiv bewerten. Niemand von den Jugendlichen äußerte sich am Anfang oder während des Projekts abwertend über alte Menschen, im Gegenteil sie hatten eine respektvolle und interessierte Haltung. “Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube, dass die Welt mit ihr erst anfange. Aber das Alter glaubt noch öfter, dass mit ihm die Welt aufhöre.“Die Hypothese lautete: „Jugendliche und Senioren haben ihre Sichtweise übereinander geändert.“ Dies ist schwer zu sagen, da ich den Eindruck hatte, dass sowohl die jungen und die alten Projektteilnehmer eine verhältnismäßig neutrale bis positive Sichtweise bereits im Vorfeld zueinander hatten. Sonst hätten sie das Projekt wahrscheinlich erst gar nicht begonnen. Beide Zielgruppen antworteten bei den Interviews, dass sie es gut finden würden, mehr mit anderen Generationen zu unternehmen. Ein längerfristiges Projekt wäre meiner Meinung nach notwendig gewesen, um tiefgehende Veränderungen in den Denkweisen der Einzelnen auszulösen.

Allerdings stellt es die Jugendlichen vor Schwierigkeiten, Kontakte zu älteren Menschen aufzubauen. Konkrete Ideen für Unternehmungen haben sie kaum. Auch bestehen Vorurteile bezüglich der Senioren. Viele Jugendliche denken, dass die alten Menschen keine Lust mehr auf Unternehmungen haben, bzw. es körperlich nicht mehr schaffen zum Beispiel „Treppen steigen.“ Ich kann mir vorstellen, dass das Projekt den Jugendlichen gezeigt hat, dass alte Leute nicht nur zu Hause sitzen, sondern Interesse an Aktivitäten zeigen. Sie konnten erfahren, dass die alten Menschen schon viel erlebt haben. Negativen Stigmas konnten auf beiden Seiten entgegengewirkt werden.Die Senioren waren von der konzentrierten, aufgeschlossenen und interessierten Haltung der Hauptschüler begeistert, und haben einen guten Eindruck erweckt. Sie waren stolz auf die Jugendlichen und auf den gelungenen Auftritt. Die Senioren fanden es schön, dass ihre Geschichten gewürdigt wurden. Allerdings haben die meisten Senioren in den Interviews erwähnt, dass sie den Eindruck haben, die Jugend sitze heute zu viel am PC.

Oft hört man schlechtes über die Hauptschule. Die Jugendlichen hatten alle, bis auf einen, Migrationshintergrund. Die alten Menschen konnten durch das Projekt gezielt zu ausländischen Schülern Kontakte aufbauen. Besonders Vorurteile gegenüber Hauptschülern und Migranten wurden abgebaut. Die beiden Zielgruppen haben gelernt, empathisch aufeinander zuzugehen. Bei den Senioren habe ich festgestellt, dass sie sich Kontakt zur Jugend wünschen und es sie bereichert. Durch das Projekt wurde hierfür ein Rahmen geboten.Mein nächster Forschungsgegenstand war, wie das Konzept bei den beiden Zielgruppen ankam. Die Interviews der Jugendlichen, der Senioren und der Mitarbeiter zeigten, dass beide Seiten voneinander profitieren konnten. Die jungen Menschen haben zum Beispiel durch die Geschichten etwas über die frühere Arbeitswelt erfahren können, die Senioren über die Anschauungen der heutigen Jugend. Das Thema „Arbeit“ allgemein wurde in den Interviews als interessant beschrieben. Es ist auch sehr aktuell. Die Jugendlichen fanden die Geschichten lehrreich.

Abgesehen von den Lernerfahrungen ist es wichtig, dass die Jugendlichen Spaß haben. Dies haben sich viele am Anfang der Befragung gewünscht. Das Ziel wurde laut der Antworten der Theaterspieler erreicht. Es war ein Ausgleich zur Schule.Das Ziel der gegenseitigen Annäherung ist erreicht worden. Berührungsängste am Anfang sind normal. Bei meinem Projekt konnte ich feststellen, dass, je länger die Begegnung dauert, mehr Vertrauen zueinander entsteht. Vorurteile werden nicht durch theoretisches Wissen abgebaut, sondern durch gemeinsame Unternehmungen und Kommunikation. Die Erziehung hat sich gewandelt. Durch den Umgang mit den Eltern sind Kinder und Jugendliche oft einen partnerschaftlichen Umgang gewohnt. Beide Generationen können voneinander lernen, auch ohne autoritäre Hierarchiestrukturen. „Das Leben kann nur im Rückblick verstanden werden, es muss aber vorwärts gelebt werden.”

Der Tag der Seniorenbegegnung war ein voller Erfolg, außer dass die Zeit zu kurz war. Dies ist besonders der guten Vorbereitung der Jugendlichen von Herrn Drozak zu verdanken. Viele Schüler hatten es sich anfangs schwerer vorgestellt, mit den älteren Menschen in Kontakt zu kommen. Zu Beginn war zwar eine Barriere da, die aber durch die Erzählungen in der Runde rasch abgebaut wurde. Viele Jugendliche, aber auch die Senioren hatten freundlichen Kontakt zueinander und waren positiv überrascht. Besonders bemerkenswert ist, dass sich beim letzten Projekt sogar private längerfristige Kontakte zwischen einer Seniorin und einem Jugendlichen entwickelten. Es wäre schön wenn aus den Begegnungen eine Form der Nachbarschaftshilfe entstünde. Letztlich ist es aber die Entscheidung des Einzelnen, ob er sich nachhaltige Beziehungen wünscht. Manche Senioren, die alleinstehend waren, konnten sich sozial integrieren und austauschen.Zusätzlich wollte ich noch erforschen, wie die Zusammenarbeit und die Kommunikation untereinander gelangen. Die gelungene Aufführung zeigte, dass die Jugendlichen die Geschichten authentisch nachgespielt haben. Da die Senioren die Regisseure waren, konnten sie ihre Erzählungen, die die Schüler nachspielten, verbessern. Hierbei kam es zu keinen größeren Problemen. Die Theaterspieler gingen auf die Senioren ein und umgekehrt.

Der Gruppenzusammenhalt unter den Schülern war besonders zum Schluss des Projekts gut. Mithilfe des gemeinsamen Ziels und des Auftritts sind sich auch die Jugendlichen nähergekommen, die sich vorher noch nicht so gut kannten. Schade fanden die Theaterspieler nur, dass drei Mitspieler nicht mehr kamen. Ob sich private Kontakte ergeben haben, konnte ich nicht mehr heraus finden. Die Jugendlichen antworteten aber in den Interviews, dass sie nicht glauben dass sich Freundschaften entwickeln würden. Manche kannten sich jedoch schon vorher.Durch den erfolgreichen Auftritt wurden das Selbstbewusstsein, die Selbst- und Fremdwahrnehmung und die Toleranz gefördert. Die Jugendlichen mussten sich mehr einbringen als in der Schule. Bestimmt konnten die jungen Menschen für die Kommunikation untereinander etwas lernen. Aber auch im Umgang mit Senioren haben sie mehr Sicherheit erlangt. Die Schüler mussten sich während des Projekts an Regeln halten und diszipliniert sein. Zielorientiert arbeiteten sie auf die Aufführung hin; das alles aber bei lockerer Atmosphäre. Die Teenager haben eine neue Form des Theaterspielens kennengelernt und konnten diese Kunstform weiterentwickeln. Bei den Proben waren die Schüler eifrig dabei. Nur am Donnerstag schwand bei einem Jungen nachmittags die Konzentration. Sie wurden dazu inspiriert, evtl. auch in Zukunft wieder zu schauspielern. Durch das Nachspielen der Geschichten mit Hilfe des Theaters wurde die Phantasie und Kreativität, sowie der sprachliche und körperliche Ausdruck gefördert. Die Aufführung verlief problemlos und hat den befragten Zuschauern, Mitarbeitern, Senioren und Jugendlichen ausnahmslos gefallen. Es war eine lehrreiche Freizeitaktivität. Neben der Schule ist es bedeutend, dass es sinnvolle Freizeitangebote für junge Menschen gibt.

Der Theaterpädagoge hat einen guten Draht zu den Jugendlichen. Die Schüler waren schon von vorangegangen Projekten begeistert. Auf den Jungen, der sich schämte aufzutreten, ging Herr Drozak einfühlsam ein. Der Theaterlehrer machte bei den Proben und den Spielen selbst mit. Durch seine lockere und lustige Art riss er die Schüler mit und motivierte sie. Er hatte ein gutes Verhältnis zu den Jugendlichen. Es gab aber auch Regeln, und es wurde zielorientiert auf die Aufführung hingearbeitet. Es war eine gesunde Mischung zwischen Spaß und Arbeit.Projekte zwischen Jung und Alt laufen in der Regel nicht ohne Konflikte ab. Die Gruppenleiter sind gefordert, einfühlsam beide Parteien zu moderieren, anzuleiten und zu unterstützen.Den Zusammenhalt zwischen den Generationen sollte sich auch die Politik zur Aufgabe machen. Der wichtigste Punkt in den öffentlichen Diskussionen ist meist die Finanzierung. Der Dialog zwischen den Generationen gerät hierbei oft in Vergessenheit.

Die Gemeinden und die Verwaltung kennen die örtlichen Gegebenheiten und die Ressourcen am besten. Sie sind gefordert, Anreize für die generationenübergreifende Arbeit zu schaffen. Die Forschung und die Wissenschaft setzen sich zunehmend mit generationenverbindenden Ansätzen auseinander, hierbei können zum Beispiel Tagungen die praktische Arbeit und die Politik verbinden. In Ausbildungen und bestimmten Studiengängen ist es wichtig intergenerative Ansätze für die Praxis weiterzugeben. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit kann die Herausforderung der Begegnung zwischen Jung und Alt gelingen.Aus Kostengründen kann ein derartiges Projekt im Kulturbüro Muggenhof höchstens einmal im Jahr stattfinden. Das finde ich schade, denn es kamen positive Rückmeldungen von allen Beteiligten. Ich hoffe, dass sich Kulturläden, Mehrgenerationenhäuser und andere Einrichtungen dieses Themas verstärkt annehmen. Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, in diesen Bereich zu investieren. Für die integrative Stadtteilentwicklung hat es viele Vorteile, und generationenübergreifende Projekte sind immer mehr im Kommen. Mit generationenverbindenden Konzepten können die jungen und die alten Menschen, die Gemeinschaft und die Gesellschaft profitieren. Begegnungen zwischen Jung und Alt haben Zukunft, da sich soziale Gruppen immer mehr voneinander entfernen. Ein konstruktiver Umgang miteinander und Kommunikation kann in kulturellen Projekten durch konkrete Zusammenarbeit erlernt werden. Es verbessert die Lebensqualität und die Teilnehmer haben das Gefühl gebraucht zu werden. Jedes Alter hat Vor- und Nachteile und kann sich gut ergänzen. Die Senioren haben Zeit, die jungen Menschen unbändige Energie. Durch die demographische Veränderung haben die Jugendlichen sowohl privat als auch beruflich mehr Berührungspunkte mit älteren Menschen. Der sichere Umgang miteinander ist eine gefragte Kompetenz geworden. Bei aller Toleranz zueinander darf aber nicht vergessen werden, dass verschiedene Generationen unterschiedliche Interessen haben. Eigene Entfaltungsräume sind wichtig und Begegnungen können nur zeitlich und örtlich begrenzt stattfinden.

Angedacht ist es von den Veranstaltern eine Schauspielgruppe in Nürnberg zu etablieren, die wöchentlich eine Playbackveranstaltung für ein breites Publikum anbietet. In einem Kulturladen könnten Laiendarsteller regelmäßige Veranstaltungen anbieten. Es wäre schön, wenn dann bald viele Senioren der Stadt Geschichten erzählen. Dies wäre eine gute Alternative zu den gängigen Soap-Operas. Besonders förderlich fände ich Projekte, die über einen längeren Zeitrahmen gehen. Dadurch können sich die Beziehungen untereinander noch mehr festigen.

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