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Flugblatt 5 – WN

12. Januar 2013

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Zivilcourage neu interpretiert

In nur einer Woche studierten Schüler des Dürer Gymnasiums ein Stück ein, das ihnen sowie den Zuschauern ein Rätsel aufgab. Weder die Schauspieler noch das Publikum wussten, wer die Figuren waren. Die Auflösung erfolgte erst nach dem Schlussapplaus.

Das Stück stelle eine Collage aus eigenen Gedanken und denen der Menschen dar, von denen es handelte und die lediglich als Person A, B, C und D gezeigt wurden: Hans und Sophie Scholl sowie deren Kommilitonen Willi Graf und Alexander Schmorell. In acht Szenen näherten sich die jungen Schauspieler dem Thema an und zeigten dabei viel Fantasie und eigene Ideen wie einer als Sarg fungierenden Holzkiste, deren Deckel häufig zugeworfen wurde, was einerseits als Symbol für den Sargdeckel von Hans Scholl stehen sollte und andererseits das Ende der jeweiligen Szene andeuten sollte. Ebenso kreativ eingesetzt wurden beispielsweise Kartoffeln oder ein Deo.


Die Schauspieler zeigten sich begeistert von der intensiven Woche die Geschichtsunterricht lebendig werden lässt. Jean-Francois Drozak, der ihnen zeigte, „was alles in ihnen steckt“. Die Texte hatten die Schüler nicht aufgeschrieben, sondern auf der Bühne improvisiert und so oft geprobt, bis sie ihn konnten. Jean-Francois Drozak gab den Zuschauern in seiner abschließenden Rede einiges zum Nachdenken mit auf den Weg: „Das Schwierige daran, Geschichte zu vermitteln ist es zu zeigen, dass alles einmal klein angefangen hat. Wenn etwas in Worte gefasst wird, entsteht Geschichte.“

Menschen gegen den Strom  – Flugblatt 5 und Dein Flugblatt
Die Stadt Nürnberg gestaltet ab Herbst 2012 zahlreiche  Veranstaltungen zu Gedenken der Bewegung „ die Weiße Rose“.  Die Geschwister Scholl und weitere junge Menschen riskierten im Nationalsozialismus durch einen gewaltlosen Widerstand ihr Leben. Viele von ihnen wurden dadurch selbst politische Opfer.

Gegen das Vergessen – und wie sieht Dein Flugblatt heute aus?
Zivilcourage ist auch heute noch ein wichtiges Thema. Und doch lässt sich die Lebenswelt von Jugendlichen kaum mit dem Leben der Geschwister Scholl vergleichen. Wie hätte Zivilcourage im Nationalsozialismus aussehen können, und wie manifestiert es sich heutzutage in der Lebenswelt junger Menschen? Mit dieser Frage befassen sich SchülerInnen aus der Mittelstufe eines Gymnasiums. Dabei inszenieren sie eigene Flugblätter auf der Bühne, und vergleichen sie mit Flugblatt Nummer 5 der Bewegung „die weiße Rose“.

Es ist für junge Menschen schwer sich mit historischen Helden im dritten Reich zu vergleichen. Der Zugang der persönlichen Auseinandersetzung ist daher nicht das WAS, sondern das WIE. Das WAS und die daraus entstandene Konsequenten für die „Weiße Rose“ wirkt für junge Menschen tendenziell übermenschlich. Doch wenn man das WIE betrachtet, also die logistische und sekundäre Fragen ihrer Widerstandes beleuchtet, dann ist ein Vergleich eher möglich. Aber erlaubt?

Die mitwirkenden Jugendlichen überlegten sich zunächst, was Sie gerne politisch in Bayern verändern würden. Bald befassten Sie sich mit der Art und Weise, wie sie diese Ziele erreichen wollten. Das Wie von politischer Agitation von Heute wurde mit dem WIE von der Weiße Rose verglichen.

Es entstand eine Inszenierung, mit einem Vergleich Gestern bis Heute: „Adolf Hitler, die Trümmerzeit, die Sahnerepublik, die Studentenrevolte und die RAF, die Rote Zora und die Spaßguerillia mit ihren neuen politischen Ausdrucksformen wie der „Flashmob“.

Zivilcourage gestern und heute, ein Inszenierungsprojekt mit Schülerinnen und Schüler des Dürergymnasiums

ODER wer ist A,B,C,D

Im Rahmen des Projekts MuJuKu am Dürer-Gymnasiums führte Jean-Francois Drozak mit 30 Schülerinnen und Schüler des Dürer-Gymnasiums Nürnberg ein Projekt mit dem Themenschwerpunkt Zivilcourage durch

In drei Phasen entwickelten die beteiligten Schülerinnen und Schüler verschiedene Szenen, die am 22. November 2012 um 19 Uhr in der Werkstatt 141 des Kulturbüros Muggenhof uraufgeführt wurden.

In der ersten Phase gestalteten Schülerinnen und Schüler einer Klasse individuelle Texte für ein Flugblatt mit ihren aktuellen Anliegen. In der zweiten Phase wurden aus dem Flugblattmaterial jeweils vier Szenen entwickelt. Weitere vier Szenen entstanden aus vorgewähltem Material von politischen Aktivitäten historischer Personen, deren Identität jedoch erst zur Premiere bekannt gegeben wurde. Es handelte sich um die Hauptakteure der „Weissen Rose“.

Auch die mitwirkenden jungen Darsteller konnten anhand der Szenen nur raten, um welche Persönlichkeiten es sich handeln könnte. Auch sie erfuhren erst zur Premiere mit welchen Aktivitäten welcher Personen sie sich auseinander gesetzt haben. Da nicht die bekannten Inhalte, sondern eher “nebensächliche” Fragen rund um ihr Engagement behandelt wurden, ist eine Auflösung gar nicht so einfach: Welche Auswirkungen hat politisches Engagement auf das Zusammenleben mit Geschwistern, Eltern und Freunden? Warum engagiert sich jemand für eine Sache? Welche Auswirkungen hat dies auf den persönlichen Alltag? Dabei wurden immer zwei Szenen, eine aktuelle und eine historische, gegenüber gestellt. In der dritten Phase wurden die ausgewählten Szenen in einer Projektwoche vom 19. bis zum 23. November 2012 bühnenreif ausgearbeitet und am Donnerstagabend in der Werkstatt 141 uraufgeführt sowie am Freitagvormittag für Die Schüller des Dürer-Gymnasiums erneut präsentiert.

Zur Premiere am 22. November 2012 um 19 Uhr in der Werkstatt 141 des Kulturbüros Muggenhof in der Muggenhofer Straße 141 auf AEG wurde die Nürnberger Bevölkerung eingeladen.

 

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