- Carimigra& Pressespiegel+ Druckerschwärze+ Immigration+ Journalismus+ Legislatives Theater
Flucht in den Rausch oder Selbstoptimierung – NZ

17. April 2015

index

Rossano Della Ripa  von den Drogenberatung Mudra hat in den letzten Jahren eine Veränderung beobachtet: Viele Menschen flüchten sich in den Rausch, um dem Alltagsdruck zu entkommen.

Es gibt viele Gründe, warum jemand Drogen nimmt. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. In den letzten Jahren gab es aber eine Verschiebung. Früher in den 60er Jahren hat man Drogenkonsum eher mit Aussteigern aus der Gesellschaft in Verbindung gebracht. Heute hat man auch mit Studenten oder Arbeitern zu tun, die illegale Substanzen nehmen, um das Studium zu packen oder stressige Fließbandarbeit zu schaffen.


Beim Arbeiter geht es eher darum, mithalten zu können, um nicht arbeitslos zu werden. Beim Studenten hat der Drogenkonsum vielleicht schon mit hohen eigenen und fremden Erwartungen an ihn zu tun. Doch in beiden Fällen geht es um Bedingungen in unserer Gesellschaft – Arbeitsbedingungen oder Erwartungen an die Jugend im Studium -, die mit Gedanken wie „Du musst funktionsfähig sein“ einhergehen. Dieser neuen Gruppe von unseren Klienten, die Methamphetamin oder Amphetamin nehmen, kann man ihren Drogenkonsum nicht unbedingt ansehen. Übrigens, es sind vor allem Frauen, die diese Substanzen konsumieren.

Die Frage der Selbstoptimierung betrifft natürlich auch uns Berater in der Drogenberatung Mudra. Wir werden mit vielen Erwartungen konfrontiert: vom Klienten, den Geldgebern, der Gesellschaft. Seit etwa 1990er Jahre wollen die Geldgeber, dass die Arbeit genau dokumentiert wird. Wir müssen der Öffentlichkeit präsentieren, wie viele Leute wir betreuen und was wir mit ihnen machen. Bis zur Frage, wie wir unseren eigenen Erfolg einschätzen – und Erfolg ist sehr relativ. Für uns ist es schon ein Erfolg, wenn jemand, der Drogen konsumiert, nicht an Aids, Hepatitis oder anderen organischen Krankheiten erkrankt.

Dieser Beitrag wurde unter - Carimigra, & Pressespiegel, + Druckerschwärze, + Immigration, + Journalismus, + Legislatives Theater, Die Agentur für Kulturdesign veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.