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„Fahren Theologen gerne Go-Kart?“ – OZ

4. September 2016

https://mediathek.druckerschwaerze.eu/wp-content/uploads/2016/02/go.jpgGreifswald. Physiker tun es, Kinderzahnärzte würden es auch tun, Mathematiker eher weniger und Theologen bräuchten dafür wohl eine Begründung: Geht es nach den vier Greifswalder Experten, die den Schülerndes Humboldtgymnasiums in dieser Woche etwas über den Wissenschaftsbetrieb erzählen, ist das Go-Kart-Fahren nicht jedermanns Sache.
Um das herauszufinden, hat Jean-François Drozak, Sozialarbeiter und Leiter des Projektes „Druckerschwärze“, eine durchaus provozierende Herangehensweise gewählt. Während der Vorgespräche bohrt er immer wieder bei seinen Interviewpartnern aus den verschiedenen Fachbereichen nach, manch einer fühlt sich gar etwas bedrängt.

Es wirkt, als habe Nicht-Go-Kart-Fahren das Zeug zum Stigma: Wer mit seinen Kollegen nicht auf die Rennbahn geht, gilt möglicherweise als langweilig, unlocker und eigenbrötlerisch. Will man das über sich und seine Kollegen, über seinen Forschungsbereich sagen? Die Wissenschaftler betonen, man müsse differenzieren. Natürlich.

Diese Interviews zeigen, wie wenig es braucht, jemandem einen Stempel aufzudrücken und ihn als Menschen zu verkennen. Ähnlich verhält es sich mit dem Stempel Migrationshintergrund. Wird dieser immer wieder in den Vordergrund gestellt–wie Medien dies oft tun–, führe dies zu einem Schubladendenken, meint Drozak. Menschen mit Migrationshintergrund kämen entweder als positive Beispiele vor, wie gut sie sich in der Gesellschaft eingelebt haben, oder in negativen Berichterstattungen, weil es Probleme gebe.

In beiden Fällen sei die Herkunft zentral. Hier setzt „Druckerschwärze“ an. Im Zentrum steht dabei zwar auch das Thema Integration – spielt aber gleichzeitig überhaupt keine Rolle. Wie das? „Sie ist dann gelungen, wenn man nicht mehr über sie sprechen muss, wenn es um den Menschen und das Thema und nicht um seine Herkunft geht“, stellt Drozak fest.

Die Themen sind in diesem Fall wie eingangs erwähnt der Wissenschaftsbetrieb und die hohen Studienabbrecher-Quoten. Mathematiker Prof. Dr. Bernd Kugelmann, Kinderzahnarzt Muhammad Abdul Aziz, Theologe Dr.Henning Theißen und der Physiker Dr. Dmitry Moseev vom Max-Planck-Institut berichten den Neuntklässlern von ihren Werdegängen und davon, wie es in ihren Instituten und Institutionen abläuft. Zu Schlüsselszenen ihrer wissenschaftlichen Karrieren entwickeln die Schüler Theater-Szenen. Diese sollen in eine Talkshow als eine Art Einspieler eingebaut werden. Vorbild sind journalistische Sendungen wie „Anne Will“.

Heute Abend geht die Show mit den vier Experten im Saal der Schule über die Bühne geht. Zudem erarbeiten die Schüler eine Seite in der OSTSEE-ZEITUNG, die am Freitag erscheinen wird. „Die Arbeit im Projekt macht Spaß“, zieht Schüler Gustav Lobe da ein Zwischenfazit. „Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeit eines Reporters.“ „Aber“, so hat Teamkollegin Lisa Eichwitz festgestellt,„es ist gar nicht so einfach, die Herkunft eines Menschen zu vernachlässigen, weil das ja auch immer interessant ist.“

„Druckerschwärze“ ist vor eineinhalb Jahren entstanden und wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert(Bamf). Dabei werden wechselnde Themen wie Wissenschaft, Kirchensteuer oder Energiewende behandelt. Es soll zudem junge Menschen ermutigen, unabhängig von ihrer Herkunft journalistisch tätig zu werden. Die szenische Talkshow wird heute Abend um 19 Uhr im Saal des Humboldtgymnasiums, Makarenkostraße 54 aufgeführt. DerEintritt ist frei.

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