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Einmal was richtig cooles machen – NN

1. April 2012

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Der Nachwuchs spielt Theater: Das Stück „Pleitegeier“ befasst sich mit Kinderarmut. Ausgelassene Stimmung im Gemeindehaus St. Leonhard. 83 Kinder und knapp 20 Betreuer werkeln und basteln, singen und tanzen. Bald ist es so weit: die Premiere des „Pleitegeiers“  in St. Leonhard -Schweinau.

Kinderarmut     –    ein brisantes Thema, gerade in einem Stadtteil wie Leonhard-Schweinau. Hier leben prozentual gesehen doppelt so viele Kinder an oder unter der Armutsgrenze wie im Rest der Stadt. Viele Menschen, die hier als Zuwanderer nach Deutschland kamen, können ihren eigentlichen Beruf nicht mehr ausüben. Das nagt am Selbstvertrauen und schafft finanzielle Nöte. „Die Leidtragenden sind dabei die Kinder“, sagt Sabine Arnold, Leiterin  der SINN-Stiftung.

Sie gibt Kindern zwischen sechs und 13 Jahren zweimal im Jahr die Möglichkeit an einem viertägigen Theaterworkshop teilzunehmen  und dem Alltag zu entfliehen. Arnold: „Ich versuche immer wieder, die Menschen durch verschiedene Angebote zu motivieren, sich selbst zu engagieren.“

Während des viertägigen  Workshops bereiten die Teilnehmer ein Theaterstück vor, das Jean-Francois Drozak, Theaterpädagoge, einmal selbst mit zwei Jugendlichen aus armen Verhältnisse konzipiert hat.

„Das Grundgerüst der Handlung steht schon. In Detail konnten die Kinder aber mitexperimentieren“, erzählt Drozak. Die Protagonistin des Stücks ist ein Mädchen, dem es ähnlich geht wie dem Großteil der Kinder in St. Leonhard: Es wird täglich mit dem finanzielle Nöten seiner Familie konfrontiert. Vier Szenen verdeutlichen, was es für ein Kind heißt, in Armut zu leben.

Der Weg ist das Ziel Arnold: „Das Hauptaugenmerk liegt aber eindeutig auf der Entstehung des Stücks. Bei uns gilt ganz klar: „der Weg ist das Ziel“. Die 63 Kinder verschiedenster Schichten und Nationen können während des Workshops ihren Neigungen nachgehen. Dabei können sie zwischen den Arbeitsgruppen Kunst, Musik, Tanz und Theater frei wählen. In der Kunstgruppe entwickeln die Kinder eigene Motive zum Thema Kinderarmut. Dieses Jahr haben sie sich den Graffiti-Künstler „Banksy“ zum Vorbild genommen. Die Kinder wollten diesmal  was richtig Cooles machen. Das heißt: „Spraydosen statt Acrylfarben“ , sagt Irina Trautwein, Leiterin der Kunstgruppe.

Zusammen gestalten alle das Bühnenbild. Im Mittelpunkt ist eine Betonwand. Artöm Tebelew (15) erklärt: „Die Wand symbolisiert die Unfreiheit der Kinder, die in Armut leben. Es gilt also, diese Betonwand zu durchbrechen.“

Sabine Arnold und ihr Team  versuchen den Kindern das eigentliche Spektrum an Reichtum zu eröffnen und zu vermitteln, dass Geld nicht alles ist, was man zum Glücklichsein braucht.

„Man kann auch mit wenig viel anfangen.“ , so Sabine Arnold. Daher basteln die Kinder in der Musikgruppe Instrumente aus wertlosen Gegenständen wie Dosen, Hufeisen oder Plastikschläuchen. „Mit viel Fantasie kann man aus allen Gegenständen eine Melodie   herausholen.“, sagt die Betreuerin Olga Rung. Doch nicht nur die Instrumente bereichern das Theaterstück, der Chor stellt drei Lieder vor, die zum Teil sogar selbst gedichtet wurden.

Die Tanzgruppe setzt  das schwierige Thema „Kinderarmut“ choreographisch in drei Tänzen um.

Ballettpädagogin  Natalia Rung ist zum vierten Mal dabei . Rung: „Die Gespräche mit den Kindern sind sehr ergreifend. Man merkt einfach, dass sie wissen, wie es sich anfühlt, arm zu sein und zu den Außenseitern zu gehören.“

Unter ihnen ist sogar ein Kind, das noch kein Wort Deutsch spricht. Rung: „Das Schöne ist, beim Musizieren, Basteln und Tanzen ist es nicht wichtig, wo man herkommt und welche Sprache man spricht.“
Marie Beer

Am 14. April um 17 Uhr wird de „Pleitegeier“ in der Kirche St. Leonhard aufgeführt. Am 12. Mai, finden Vorführungen  um 13, 15, und 17  Uhr statt.

 

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