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Einkaufen ohne Geld – idealisten.net

24. Februar 2012

 

Wer hier einkauft, kann seine Geldbörse in der Tasche lassen. Denn im Nürnberger „Umsonstladen“ wird alles verschenkt. Einmal pro Woche wechseln hier Klamotten und Bücher, Gläser und Geschirr aber auch mal Computer, Boxen oder gar ein Kärcher Dampfreiniger den Besitzer. Der Andrang ist groß. Das Konzept erfreut sich immer größerer Beliebtheit – in Nürnberg wie auch in bundesweit über 50 anderen Umsonstläden.

Ein Umsonstladen ist im Endeffekt ein Umschlagplatz. Jeder bringt Sachen, die er nicht mehr braucht, und die werden dann weitergegeben“. Johanna Zwinscher hat den kleinen Laden an der Rothenburger Straße in Nürnberg eröffnet. Das Geschäfft brummt. Sozusagen, denn es wird natürlich kein monetärer Wert erwirtschaftet. Vor allem Klamotten und Bücher genießen eine außerordentliche Fluktuation. Es kommt so viel rein, dass eigentlich gar kein Platz wäre für all die Waren. Eine Regel gibt es: jeder darf drei Sachen mitnehmen, wobei Bücher und Klamotten  immer als ein Artikel zählen, egal wie viele man mitnimmt. Es ist ja mehr als genug da.

Hier zum Fernsehbeitrag auf ZDF:
https://www.youtube.com/watch?v=UZOY9mS9hGg&feature=player_embedded#!


Konsumkritik
„Eigentlich wollten wir den Laden von der Stadt Nürnberg fördern lassen. Das hat aber nicht geklappt. Das wäre mit dem Nürnberg-Pass verbunden gewesen. Der Laden wäre also eine Sozialeinrichtung für Sozialschwache geworden. Das ist aber nicht der Sinn des Umsonstladens.“ Es geht nicht um Armut, es geht um Reichtum. Es geht nicht darum, Dingen ihren Wert zu rauben, indem man sie verramscht, es geht darum, ihnen neuen Wert zu zusprechen, indem man sie nicht wegschmeißt, nur weil man sie gerade nicht mehr braucht. Konsumkritik statt Sozialhilfe.

Ich glaube, das kriegt aber kein Umsonstladen hundertprozentig auf die Reihe. Wenn zum Beispiel Freunde von mir kommen, die nehmen sich dann nichts mit, weil sie sagen, sie können’s sich ja leisten. Da ärgere ich mich dann, weil sie das Konzept nicht verstanden haben. Es geht nicht darum, dass du es dir kaufen kannst, sondern darum, dass du es dir nicht kaufen musst, weil es hier umsonst ist. Und wenn du Sachen bringst, bist du aber auch nicht der große wohltätige Spender.“

Der Umsonstladen als Boutique
Weil Johanna eine möglichst breite Kundschaft ansprechen will, ist sie bemüht, den Laden ordentlich zu halten. Er soll aussehen wie eine Boutique. Deswegen kommen  nie alle Klamotten und Bücher auf die Verschenkflächen. Auch dadurch wird den einzelnen Waren Wert zugesprochen: Sie bekommen den Platz, den sie brauchen. Wenn der Umsonstladen allerdings am Samstagvormittag geöffnet hat, ist es rappelvoll. Ordnung ist dann eine Illusion, vom Erfolg torpediert. Wo bekommt man heutzutage denn sonst etwas einfach so geschenkt?

Die Anfänge
“Ein Freund hat so einen Laden in Mecklenburg-Vorpommern aufgezogen. Da dachte ich mir sofort, das würde bei uns auch funktionieren“ sagt Johanna. Die Miete für den Raum bezahlen die Nürnberger Jesus Freaks. Früher fanden hier Gottesdienste statt, doch der Raum wurde zu klein. Johanna ergriff die Chance. Es dauerte nicht lange, bis sich der Raum füllte. Johanna und ihre Mitstreiter organisierten die ersten Sachen von Freunden und Bekannten, öffneten einmal die Woche, stellten ein Schild auf die Straße – und die Leute kamen.

Betriebe man so eine Arbeit für eine Art von Lohn, müsste man bald aus mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder aufhören. Dennoch werden Johanna und ihr Team immer wieder mal belohnt. Zum Beispiel, wenn man sie im Viertel erkennt und freundlich grüßt. Sie sind doch die Frau aus dem Umsonstladen. Oder, wenn man selber mal das eine oder andere Prunkstück mitnehmen kann. Schlittschuhe zum Beispiel oder aber eine eigentlich teure Nähmaschine. Freilich ist trotzdem eine gute Portion Idealismus notwendig.

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