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Eine bewältigte Krise stärkt – Krisenmanagement – NZ

25. Juli 2015

Foto Frau Adam Druckerschwärze

Wenn der Berg an Problemen drückt und die Lösung nicht in Sicht ist, sind kompetente Unterstützer besonders wichtig. Hier beginnt der Einsatz von Brunhilde Adam. Die 41-jährige Sozialpädagogin arbeitet beim Allgemeinen Sozialdienst der Stadt Nürnberg (ASD) und hilft Familien, auch aus krisenhaften Situationen herauszukommen.

NZ: Frau Adam, zwischen welchen Formen von Krisen unterscheiden Sie?

Brunhilde  Adam: Zum einen gibt es akute Krisen: Wenn uns zum Beispiel die Polizei oder die Schule anruft, dass die Kinder gefährdet sind oder Eltern mit schweren Krankheiten Unterstützung brauchen. Zum anderen chronische Krisen: Wenn etwa ein Kind über einen längeren Zeitraum im Unterricht auffällig ist, die Hausaufgaben vergisst oder öfter zu spät kommt und die Lehrerin sich Sorgen um das Wohl des Kindes macht.

NZ: Wie reagieren die Menschen in Krisen?

Adam: Die Reaktionsweisen sind ganz unterschiedlich. Manche haben ein ganzes Portfolio und wissen aus der Vergangenheit mit krisenhaften Zuständen umzugehen, sie wissen, wo sie sich Unterstützung holen können. Andere, in einer ganz akuten Krise wiederum, können nicht auf Erfahrungen zurückgreifen und brauchen sofort Unterstützung. Zum Beispiel, wenn eine Frau mit Kindern an Krebs erkrankt.

NZ: Gibt es Symptome, an denen man eine Krise bereits im Vorfeld erkennen kann?

Adam: Ja, solche ersten Anzeichen gibt es sehr oft. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Jemand geht nicht ans Telefon, nimmt Termine nicht mehr wahr oder ist plötzlich kurz angebunden. Daran kann das Umfeld möglicherweise eine bevorstehende Krise erkennen.

NZ: Was muss man tun, damit der Betroffene Hilfe von außen auch annimmt?

Adam: Sich Zeit nehmen, authentisch, ressourcenorientiert und wertschätzend mit den Klienten reden. Zunächst sollte man Lösungswege und Strategien erfragen, die für ihn schon in der Vergangenheit hilfreich waren. Es gibt Familien, die immer wieder Krisen erleben und dann eben auch eigene Lösungswege entwickelt haben. Wichtig ist, was die Familie gerade individuell braucht.

NZ: Weil Sie von Ressourcenorientierung gesprochen haben. Welche braucht der Mensch in einer Krise?

Adam: Keine einfache Frage. Ein stabiles Umfeld ist zum Beispiel eine solche Ressource. Es hilft, wenn jemand auf ein soziales Netzwerk zurückgreifen kann, Familie und Freunde. Auch finanzielle Sicherheit ist eine wichtige Ressource, also regelmäßiger Lohn oder sonstiges Einkommen. Oder dass ich eine Wohnung habe, in die ich mich zurückziehen kann. Das bedeutet Sicherheit. Wichtig ist auch, dass ich psychisch stabil bin.

NZ: In Behörden und Unternehmen existieren sogenannte Kriseninterventionspläne – gibt es die auch bei Ihnen?

Adam: Es gibt solche Standards. Wenn jemand anruft, haben wir eine Art Checkliste, die wir der Reihe nach durchgehen. Wenn zum Beispiel eine Oma anruft und mitteilt, dass sie sich Sorgen um ihr Enkelkind macht, dann haben wir einen ganz bestimmten Fragenkatalog: Seit wann fällt das Kind auf? Was erwartet die Anruferin vom Jugendamt? Kann sie die Familie mit unterstützen? Wie schätzt sie selbst die Situation ein?

NZ: Wenn ein Mensch eine Krise bewältigt hat, hilft es ihm bei der Bewältigung der nächsten Krise?

Adam: Wenn man eine Krise erfolgreich überwunden hat, hilft das bei der nächsten. Das ist auch eine Ressource, eine Erfahrung, die man immer in seinem Rucksack dabei hat und auf die man zurückgreifen kann. Man weiß, dass man solche Krisen stemmen kann, dass auch schwierige Situationen lösbar sind. Dass man stark ist. Das ist hilfreich für die Zukunft.

Fragen: Ana-Marija Duspara, Luisa Stimpel

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