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Ein Spiel, das unter die Haut geht – PNP

30. Januar 2016

aidsSchüler von St. Nikola zeigen berührendes Theaterstück zur Aids- Prävention

Anrührend und beeindruckend haben acht Schüler der Mittelschule St. Nikola mit dem interaktiven Theaterstück „Unter die Haut“ die Geschichte eines HIV- positiven Jungen erzählt. Sie bezogen bei der Aufführung auf einer nur mit Blechkannen gestalteten Bühne in der Turnhalle auch das Publikum mit ein, das dem Spiel eine ungewöhnliche Wendung gab, das wirklich unter die Haut ging.

 


Regisseur Jean- Francois Drozak, der mit den Schülern das Stück an dreieinhalb Tagen einstudierte, versetzte die 60 Zuschauer in die Zeit vor 40 Jahren zurück, als das Wissen über Aids und HIV noch brüchig war. Die BILD- Zeitung habe die Angst geschürt, man könne sich auf der Toilettenschüssel infizieren. Selbst die Sozialarbeiterin in seinem Jugendzentrum habe nichts über die Übertragung gewusst. Im Gegensatz zu damals sei die Krankheit für Infizierte heute kein Todesurteil mehr. Man könne vielmehr lange mit dem Virus leben.

Die Angst von damals habe jedoch einen Vorteil gehabt: Man habe sich geschützt. Weil die Information allein nicht greife, um sich auch dann zu schützen, wenn Gefühle ein Feuerwerk im Körper veranstalten, man seine Gedanken nicht steuern kann, gebe es das Theaterstück. Es werfe die Frage auf, was man als 14- jährige oder 14- jähriger als nächstes macht, wenn man erfährt, man sei HIV positiv.

Das Stück, das die Geschichte von Thomas (Oliver Färber) erzählt und der Aidsprävention dient, beruhe auf einer wahren Begebenheit, sagte Drozak. Ein Jugendlicher habe sie ihm in der Aidsberatungsstelle geschildert, für die er tätig ist. Zusammen schrieben sie einen Tag lang alles auf, was den Jungen bewegte.

Thomas, 14, ärgert sich. Immer muss er sich gesund ernähren und Tabletten wegen einer angeblichen Allergie schlucken. Eines Tages weigert er sich, die Pillen zu nehmen. Die Familie scheint ihm etwas zu verheimlichen. Der Vater (Florian Fröhlich) will ihm daraufhin den wahren Grund für die Medikamente sagen. Die Mutter (Hanna Zaitsev) möchte ihn erst mit 18 Jahren mit der Realität konfrontieren.

Der Regisseur stoppte hier das Spiel. Das Publikum durfte entscheiden, ob Thomas über seine Krankheit im engsten Familienkreis informiert wird oder sich dafür professionelle Hilfe holt. Die Mehrheit votierte dafür, dass Ärztin (Elisabeth Lasowezki) und Krankenschwester (Veline Tanzmeier) ihn darüber informiert, dass er mit fünf Jahren durch eine Bluttransfusion HIV- positiv wurde. Die Schwester ahnt, dass Thomas verliebt ist und eine Freundin (Susanne Zaitsev) hat. Doch er erfährt auch, dass sein Bruder Stefan (Daniel Emmer), der von den Eltern eingeweiht wurde, bei seinen Freunden Robert (Nico Stefos) und Fabian (Fabio Piciocchi) plauderte. Thomas ist sauer. Er weiß nun nicht, wer über seine Infektion informiert ist, denn manche Mitschüler meiden ihn. Soll er die Schule wechseln und einen Neuanfang machen? Die Zuschauer entscheiden dafür, dass er bleibt.

Doch die Freunde verhalten sich merkwürdig, haben Angst vor Thomas. Dieser ist so sauer auf seinen Bruder, dass er ein halbes Jahr lang nicht mehr mit ihm redet. Bis die Situation unerträglich wird. Regisseur Drozak machte einen weiteren Schnitt. Das Publikum sollte wählen, wer auf den anderen zugehen soll. Es übertrug die Aufgabe dem großen Bruder. Es klappt. Als Thomas eine Geburtstagsparty für Lisa ausrichtet und diese mit ihm schlafen will, ist Thomas völlig fertig. Er läuft weg, denn er hat Lisa noch nicht erzählt, dass er HIV- positiv ist.

Der Regisseur unterbrach das Stück erneut. Die Besucher hatten zu entscheiden, ob Thomas Lisa an ihrem Geburtstag aufklären soll oder später. Sie stimmten für „Ja“. Lisa hört zu und ärgert sich, dass sie von der Infektion erst nach sechs Monaten erfährt. Sie lässt Thomas allein.

Den Schülern gelang es, ihre Rollen realitätsnah auszufüllen. Beklemmend zeigten sie die Konflikte auf, in denen die Figuren stecken. Das Publikum applaudierte begeistert. Schulleiterin Petra Seibert lobte die bühnenreife Aufführung. Sie hob Die „Ernsthaftigkeit“ hervor, mit der die Jugendlichen sich mit dem Thema auseinandersetzten. Sie freute sich, das Regisseur Drozak eine ganze Woche lang an der Schule war und Doris Stankewitz, Leiterin der Aidsberatung Niederbayern, das Projekt begleitete. Wie wichtig Aidsprävention ist, zeigten die 3400  Neuinfizierungen, die es jedes Jahr in Deutschland gebe.

Als Zugabe präsentierten die Schüler, die zu allen Publikumsentscheidungen eine alternative Szene einstudierten, die vortrefflich gespielte Variante „Thomas erfährt im engsten Familienkreis von seiner Infizierung“.

 

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