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Ein Frauenbild frei von Klischees – NZ

21. März 2018

kellerAls Leiterin des Büros einer grünen Landtagsabgeordneten gehören frauenpolitische Themen zum Berufsalltag von Natalie Keller. Die 37-Jährige engagiert sich aber auch in ihrer Freizeit für Frauenrechte: im Nürnberger Verein „Erfolgsfaktor Frau“. Was sie dazu bewegt hat, wann eine Frau „ein Original“ ist und warum sie Schminke und schöne Kleidung mag, erzählt sie in der NZ.

NZ: Frau Keller, warum sind Sie Frauenrechtlerin geworden?

Natalie Keller: Ich bin schon als Kind immer wieder an Grenzen gestoßen, an denen es hieß: „Mädchen dürfen das nicht machen, Mädchen sollen Zuhause sein und den Eltern, vor allem der Mutter, helfen.“ Das zieht sich durch mein Leben. Auch im Beruf sind mir solche Erwartungen begegnet. Bei Vorstellungsgesprächen wurde ich oft gefragt, wie ich denn die Kinderbetreuung organisiere. Dabei hatte ich einen Betreuungsplatz. Zudem hat das Kind auch einen Vater, der sich genauso kümmert. Zu diesen Erfahrungen kamen auch Vorurteile wie: Mädchen und Frauen müssen schön aussehen und sich immer um andere kümmern. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand weiblich oder männlich ist. Es geht darum, was man für ein Mensch sein möchte, wie man mit anderen Menschen umgehen will. Diese Gerechtigkeit zwischen beiden Geschlechtern sollte da sein. Das ist ein Grundsatz meines Feminismus.

NZ: Wo sehen Sie noch Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern?

Keller: Es gibt noch eine Menge zu tun. Noch immer gibt es zum Beispiel zu wenig Frauen in Führungspositionen. Die Familienarbeit wird immer noch mehr von Frauen geleistet. Aber es geht auch um Äußerlichkeiten. Mein Lieblingszitat einer feministischen Kolumnistin lautet: „Erst wenn wir untenherum frei sind, sind wir auch obenherum frei.“ Dieser Satz zeigt, dass Frauen immer noch oft als Sexualobjekte gesehen werden. Männer dürfen oben ohne durch die Gegend laufen. Frauen aber nicht. Das heißt nicht, dass jede von uns es soll oder will. Aber wir haben genauso das Recht dazu, auch mal einen Minirock anzuziehen, ohne dadurch als Sexualobjekt zu gelten. Erst wenn die Gesellschaft das verstanden hat, sind wir frei von Klischees.

NZ: Wie finden Sie es, dass es derzeit „in Mode“ ist, feministisch zu sein und das auch zu zeigen?

Keller: Ich finde es sehr gut, dass das Thema so große Öffentlichkeit bekommt und darüber gesprochen wird. Feminismus ist unglaublich vielfältig. Es ist nicht so, dass Feministen die Weltherrschaft ergreifen wollen, sondern sie setzen sich dafür ein, dass beide Geschlechter gleiche Chancen haben. Natürlich reicht es nicht aus, sich ein T-Shirt anzuziehen, auf dem „#Feminismus“ steht. Andererseits, wenn jemand so ein T-Shirt anzieht, darauf angesprochen wird und fähig ist, darüber zu diskutieren, dann finde ich das super. Das ist ein Statement und das zeigt man eben auch durch Kleidung. Man muss nicht Bücher wälzen, um Feministin zu werden. Man kann es auch anders zeigen.

NZ: Einige Frauen lassen Schönheitsoperationen machen. Viele schminken sich stark. Sind sie dann noch ein Original oder nur eine Kopie ihrer selbst?

Keller: Ich könnte ganz rigoros sagen, dass es dämlich ist, sich unters Messer zu legen. Aber es wäre eine viel zu unreflektierte Antwort. Denn es gibt viele Umstände, die dazu führen, dass Frauen an ein bestimmtes Schönheitsideal glauben und sich nicht schön genug finden. Unsere Gesellschaft wird immer bestimmte Schönheitsideale propagieren – das ändert sich nicht. Sich zu schminken, finde ich völlig legitim. Das passt zu Frauen und auch Männern als Original. Durch Schminke und Kleidung kann man die eigene Persönlichkeit besser unterstreichen.

NZ: Und wenn jemand versucht, dadurch seinem Idol nachzueifern?

Keller: Es gibt auch tolle Idole. Schwierig wird es nur dann, wenn jemand sich innerlich und äußerlich verleugnet, um so zu sein wie sein Idol.

NZ: Wenn ein Mann sich zu einer Frau um operieren lässt, handelt es sich dann noch um eine originale Frau? Keller: Ja. Jeder ist innerlich ein Original und darf sich äußerlich so zeigen, wie er sich fühlt.

Fragen: Christina Kobras, Ilayda Güzel, Karina Koltzenburg

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