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Ein Fahrrad, das den Ton angibt – NN 10.4

10. Oktober 2015

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Während unseres Gesprächs zieht das Objekt, um das es geht, neugierige Blick auf sich. Auch wer gar nicht weiß worum es sich handelt, zückt schon mal das Handy, um das komisch langgestreckt Fahrrad mit den schwarzen kastenartigen Aufbauten abzulichten. Der große Lautsprecher vorne gibt einen Hinweis auf das, was da vor uns steht: ein sogenanntes Soundbike – das erste in der Stadt.

Thomas König ist Musiker. Begonnen hat er mit einer Gitarre, jetzt macht er  aber „zu neunzig Prozent elektronische Musik“. Ein halbes Jahr hat er als Tontechniker in  Amsterdam gelebt. Seit er vor zwei Jahren von Regensburg nach Nürnberg umgezogen ist, tritt er bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten auf: als Musiker und D bei Firmenfeiern und privaten Festen.

Als ihn 2014 wieder einmal seine regelmäßig wiederkehrenden Kreuzschmerzen plagten und er deshalb zur Untätigkeit verurteilt war, „habe ich viele Gedanken gemacht“, erzählt er. „Und da hatte ich eine Idee.“  Weil er auch ein begeisterter Mountainbike-Fahrer ist, überlegte er, wie er dieses . Hobby mit seinem Beruf, der Musik, verbinden könnte.

Er recherchierte im Internet und  stieß so auf „Klara Geist Sound System“, eine in Berlin ansässige Firma, die auf Lastenfahrrädern professionelle Tonanlagen montiert und das  Ganze als Soundbikes verkauft. Der Radler am Lenker kann entweder während der Fahrt Musik spielen, oder wenn das Stahlross abgestellt ist. Es bringt eine Leistung von höchstens 180 Watt. „Das ist laut, sehr laut“, grinst Thomas König. Das Gerät erreicht bis zu 115 Dezibel.

In Berlin machen die musikalischen Drahtesel schon seit ungefähr zehn Jahren jede Menge Wirbel. Selbst seriöse Unternehmen mieten die Dinger für Produkt-Präsentationen. Bei  großen Partys mit 500 bis 1000 Leuten kommen sie ebenso zum Einsatz wie bei privaten Feiern. Und weil sie im Gegensatz zu herkömmlichen Tonanlagen beweglich sind, eignen sie sich auch gut für Demonstrationen, politische Kundgebungen oder Sportveranstaltungen. Immerhin haben sie für Sprachdurchsagen eine Reichweite von zirka 70 Metern. Wie viel er für das Soundbike in der  von ihn in Auftrag gegebenen technischen Ausführung auf den Tisch legen musste, möchte Thomas König nicht verraten. Ab sofort kann man das mobile Beschallungsgerät jedenfalls  mieten: „Der Buchungspreis ist Verhandlungssache, je nach Art, Größe und Dauer der Veranstaltung.“ Als Anhaltspunkt nennt König „sechshundert bis siebenhundert Euro plus Mehrwertsteuer für einen Tag, wenn es ein Kunde aus der Industrie ist“. Für Privatkunden werde es auf jeden Fall preisgünstiger.

Je nach Auftrag kommt Thomas König allein oder zusammen mit seinem Partner Jan Record, einem „alteingesessenen Nürnberger“. Bei maximaler Lautstärke geht dem Soundbike erst nach rund acht Stunden Laufzeit der Saft aus. Nach dieser Zeit dürften die meisten Partys dann aber auch zu Ende sein.

 

 

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