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Ein elitäres Projekt des Stadtrats – NZ

1. Oktober 2016

Kiezredaktion Nordkurve KulturhauptstadtNZ-Kiezredaktion – Thema diesmal: Kulturhauptstadt

Bevor sich die NZ-Kiezredaktion in die Sommerpause verabschiedet hat, stand noch einmal ein spannendes Thema zur Diskussion in der „Nordkurve“: die Frage, ob Nürnberg zur Kulturhauptstadt taugt. Zu Gast waren junge Künstler und Politiker aus dem Stadtrat und aus dem Bundestag.

Sie haben Ja gesagt: In einer repräsentativen Umfrage haben sich kürzlich 56,5 Prozent der Bürger dafür ausgesprochen, dass sich Nürnberg um den Titel Kulturhauptstadt Europas bewerben soll (die NZ berichtete). Zwar sind noch viele Fragen offen, doch immerhin, das Interesse scheint vorhanden. Auch bei den jungen Kulturschaffenden, die an diesem heißen Biergarten-Freitagabend in die „Nordkurve“ in Gostenhof gekommen sind, wo NZ-Redakteure Interessierten regelmäßig Frage und Antwort zu lokalen Themen stehen.

Auch zwei SPD-Stadträtinnen, Eva Bär und Diana Liberova sind heute dabei, außerdem zwei Bundestagsabgeordnete: Michael Frieser (CSU) und Martin Burkert (SPD). Die beiden sind gerade aus Berlin zurückgekehrt und gleich in den kleinen Raum für Kreative an der Rothenburger Straße geeilt. Denn schließlich interessiert auch sie die Meinung der
Basis, der Jugend, der Künstler.

Bis zum Herbst will die Verwaltung ein Konzept für die Bewerbung erstellt haben. „Ist das ein elitäres Projekt des Stadtrats oder werden Kulturschaffende mit einbezogen?“, will Anja Gmeinwieser vom „Kollektiv Naiv“ wissen. „Nein“, lautet Diana Liberovas Antwort klipp und klar. „Es ist ein Projekt für alle und kein Projekt der großen Kultur.“ Nicht die Hochkultur alleine stehe für diese Stadt.

Ein wesentliche Rolle spielt natürlich wie immer das Geld. Allein die Kosten für die Bewerbung dürften bei fünf Millionen Euro liegen. Aus Städten, die schon einmal den Zuschlag hatten, werden Summen zwischen 40 und 200 Millionen Euro dann für das Kulturhauptstadtjahr an sich gemeldet. Das sind stolze Summen für eine Stadt wie Nürnberg, die knapp bei Kasse ist.

Für die jungen Künstler stellt sich da gleich wieder die Frage, warum die Stadt nicht das Quelle-Gebäude gekauft hat, wenn sie jetzt Geld für die Bewerbung als Kulturhauptstadt ausgeben will. Hannes Hümmer vom „Quellkollektiv“ findet, dass generell zu viel Geld in die Hochkultur gesteckt wird und verweist darauf, dass nun auch ein neuer Konzertsaal gebaut werden soll. Hümmer wünscht sich eine Kultur des Mitmachens – aber,
wohlgemerkt – keine „Eventkultur“, wie sie seiner Ansicht nach bei der Blauen Nacht zelebriert werde. Die Subkultur müsse aus den Nischen befreit werden, findet Hümmer. Was die SPD-Politikerin Liberova zu der Frage herausfordert, ob es sich dann überhaupt noch um Subkultur handle. Und ob echte Subkultur überhaupt mit öffentlichem Geld gefördert werden will?, fügt der CSU-Mann Michael Frieser hinzu. Was auf keinen Fall gewünscht sei, so Stefan Sohr, der stellvertretende NZ-Chefredakteur, zum Thema Kulturhauptstadt: „ein basisdemokratischer Kulturfindungsprozess“. Das will
keiner, da immerhin ist man sich in der „Nordkurve“ an diesem Abend einig.

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