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Ein Abend, der unter die Haut ging – BW

4. Februar 2012

regen


(Bayerwald-Bote) Sie hatten die ganze Woche geprobt, die neun Schülerinnen und Schüler der Siegfried-von Vegesack Realschule Regen. Zusammen mit Regisseur Jean-François Drozak hatten die Theaterleute bis zu acht Stunden täglich gearbeitet, bis an die Grenzen der körperlichen und seelischen Belastbarkeit. Das Thema des interaktiven Stücks: Kein leichtes, und von einer wahren Geschichte abgeleitet. „Stell Dir vor, du bist 14 Jahre alt, du stellst fest, du hast Aids und du weißt nicht mehr weiter!“ Die Umsetzung durch die Schüler bekamen die Zuschauer bei der Eröffnungsveranstaltung der Aids-Aktionstage Niederbayern am Donnerstagabend zu sehen: Professionell, beeindruckend, real – eine Geschichte, die im wahrsten Sinn des Wortes „unter die Haut“ ging.


So lautete der Titel des Stücks, und das bemerkenswerte daran war: Thema und Stück waren von den Schülern unter Anleitung von Drozak selbst erarbeitet und umgesetzt worden, es gab keine Textvorgaben. Der 14-jährige Thomas (Lukas Bauer) wurde durch eine Blutkonserve im Alter von fünf Jahren mit HIV infiziert. Die Eltern (Simone Maurer und Tobias Denk) und auch der Bruder Stephan (Julian Geier) wissen von der Erkrankung, Thomas nicht, ihm wird immer wieder gesagt, er muss seine Medikamente gegen seine „Allergie“ einnehmen. Thomas glaubt das nicht mehr und fragt immer wieder nach, bis die Mutter endlich mit der Wahrheit herausrückt.

Bei der weiteren Entwicklung des Stückes war das Publikum mit eingebunden, die Schauspieler hatten insgesamt 13 Szenen vorbereitet, vier Mal konnten die Zuschauer zwischen zwei Varianten wählen. Wer soll Thomas seine Krankheit erklären? Die Familie? Oder sollte man Berater zu Hilfe nehmen? Das Publikum entschied sich für die Familie, die Lösung zeigte sich als problematisch, die Eltern sprach- und hilflos, der große Bruder übernimmt die Aufklärung und gesteht, das mit der Erkrankung einem Freund erzählt zu haben.
Die beiden Brüder reden nicht mehr miteinander, und Thomas stellt fest: „Jetzt, wo ich es weiß, möchte ich es gar nicht mehr wissen!“ Wie soll Thomas mit seiner Erkrankung umgehen, soll er es seinen Freunden sagen oder soll er sich einen neuen Freundeskreis suchen, der nichts davon weiß? Er erzählt seinen Freunden davon und alle ziehen sich zurück. Wie ist der innerfamiliäre Konflikt zu lösen, soll der große auf den kleinen Bruder zugehen oder umgekehrt? Die Zuschauer finden, der Große solle auf den Kleinen zugehen, aber der sieht sich seit der Infizierung zurückgesetzt und benachteiligt und kann kein Verständnis aufbringen.
Auch die sich entwickelnde Sexualität der Jugendlichen spielte in dem Stück eine Rolle. Wann sollte Thomas seiner Freundin von seiner Erkrankung erzählen? Er tut es an ihrem Geburtstag und sie verlässt ihn.
Die jungen Schauspieler Lukas Bauer, Julian Geier, Tobias Denk, Simone Maurer, Caroline Zink, Laura Arbinger, Josef König Anna-Lena König, Jana Hamperl und in der Technik Florian Ertl zeigten erschütternd realistisch die sozialen Begleiterscheinungen der Erkrankung Aids auf, Sprach- und Hilflosigkeit, Verzweiflung, Vereinsamung, das Publikum „litt“ mit Thomas und seiner Familie mit.
Stellvertretender Schulleiter Michel Vogl, stellvertretender Landrat Willi Killinger, Dr. Peter Stadtmüller (Leitender Medizinaldirektor der Regierung von Niederbayern), Regens Gesundheitsamtsleiter Dr. Peter Boer und Dr. Wolfgang Bub, Vorsitzender des Diakonischen Werkes Passau, stellten in ihren Grußworten unisono die Wichtigkeit von Prävention und Aufklärung heraus und dankten allen Beteiligten für ihren Einsatz zum Gelingen der Aids-Aktionstage.
Landrat Michael Adam, der sich an seinen ersten Arbeitstag trotz vieler Termine die Zeit für die Veranstaltung genommen hatte, zeigte sich tief beeindruckt von der Leistung der Schauspieler, und bedankte sich bei jedem von ihnen persönlich. HIV und Aids sei ein Thema, das in unserer Gesellschaft Platz haben müsse und nicht tabuisiert werden solle, so Adam.
Nach der Theateraufführung nahmen viele Besucher bei Häppchen und alkoholfreien Getränken, serviert von der „Leckerbissen AG“, eine 25 Personen starke Schülerinnenfirma der Schule, die Gelegenheit wahr, sich mit den Darstellern zu unterhalten, viele waren beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit die Jugendlichen mit dem Thema umgehen.

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