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Eigener Blick auf die Welt – Fotoausstellung in der Nordkurve NN

8. September 2011

bushaltestelle

Viele Fotografen versuchen, ihre Motive aus „ganz anderen Blickwinkeln“ aufzunehmen. Drei Profis, die in der „Nordkurve“ in Gostenhof ausstellen, ist es tatsächlich gelungen, neue Perspektiven zu finden. Bei Bernd Telle muss man zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass es sich um Fotografien handelt. Er hat einen Sportplatz abgelichtet, aber so, dass er unmöglich identifizierbar ist. Im Vordergrund steht der Oberflächenbelag aus Tartan, rotbraun, körnig und elastisch zugleich. Strukturiert wird er durch Markierungen, die bei Telle Striche, Straßen, Kreuzungen bilden. In der Zusammenstellung ergeben seine drei aneinander gehängten Aufnahmen ein ganz eigenes Universum – fremd und doch vertraut.


Rudi Ott hat es ein besonderer Ort angetan: Das ehemalige Schwesternwohnheim am Nordklinikum. 1956 zogen die ersten Pflegekräfte ein, in den 1980er Jahren war die Ära wieder vorbei. Seit 2002 steht das Gebäude leer und wartet auf seinen Abriss. Ott hat wabenartig und perspektivisch raffiniert 56 kleine Räume fotografiert und zu einem großen Bild vereint.


Sieht auf den ersten Blick alles gleich aus, erkennt man auf den zweiten die Unterschiede. Der Kamera-Standpunkt  ist jeweils leicht verschoben, was zu Sprüngen führt – und außerdem finden sich in einem Zimmer ein paar Kacheln, im anderen ein Schriftzug. Nach Costa Rica hat es Sabine Freudenberger verschlagen. Dort haben die Menschen manchmal Möglichkeiten, die hier unvorstellbar sind: So dürfen sie sich eigene Bushaltestellen bauen. Und der Bus hält tatsächlich an, wenn jemand wartet. Als Erkennungszeichen dient eine gewisse Form mit Dach und offenen Seitenwänden.

Entsprechend steht bei Freudenberger die Situation, die Umgebung im Vordergrund. Manche Haltestellen liegen dschungelartig im Regenwald, andere an der Küste oder an einsamen Landstraßen ins Nirgendwo. Das strahlt eine erstaunliche Poesie aus. Was die drei Mitglieder der Fotoszene Nürnberg e.V. — deren Arbeiten zum Teil auch bei der Jahresausstellung des Vereins Ende 2010 zu sehen waren — eint, ist das Thema „Teil und Ganzes“. Sie alle spüren dem Verhältnis nach, das ein Stück, ein Ausschnitt mit dem Gesamten verbindet. Ihre Antworten allerdings fallen ganz unterschiedlich aus.

CLAUDIA SCHULLER

Die Ausstellung „GO HOme!“ ist bis 1. August in der „Nordkurve“, Rothenburger Straße 51a, zu sehen; Fr. 20–24 Uhr und nach tel. Vereinbarung unter 0178/6974186

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