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Ehrenwertpreis für Umsonstladen – NN

13. November 2011

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Samstags wird verschenkt, was andere nicht mehr brauchen

Nürnberg  – Dinge, die für die einen unnütz geworden sind, können für andere noch nützlich sein. Davon ist Johanna Zwinscher-Drozak überzeugt. Daher leitet die 31-Jährige den Umsonstladen in Nürnberg-Gostenhof. Dort wird Überflüssiges gesammelt und weiterverschenkt. Für ihr Engagement erhält die Architektin den EhrenWert-Preis des Monats Oktober.

Die 31-jährige Architektin Johanna Zwinscher-Drozak bekam für ihr Engagement im Umsonstladen in Gostenhof den Ehrenwert-Preis erhalten.


Wie viel würde es Johanna Zwinscher-Drozak bedeuten, wenn sie öfter mal ein Lächeln auf den Gesichtern ihrer Kundschaft bemerken würde? Auf den Gesichtern der Menschen, die sie jeden Samstag beschenkt. Denn deshalb hat die Architektin den Umsonstladen in Nürnberg-Gostenhof vor drei Jahren eigentlich gegründet: Um Menschen eine Freude zu bereiten. Und diese Freude dann mit den Beschenkten zu teilen.

Neulich hat sie das sogar erlebt. Dass sich Kunden richtig freuten. Und sich bedankten. „Da hatten wir einen Stand auf dem Brückenfestival“, erklärt Zwinscher-Drozak, „das war für uns der Himmel auf Erden“. Sogar Spenden bekam sie da ohne weitere Aufforderung. Eine wichtige Begleiterscheinung, denn wie jedes Ehrenamts-Projekt kommt auch der Umsonstladen nicht ohne Spenden aus.

Die Realität außerhalb des Himmels erlebt das Umsonstladen-Team Samstag für Samstag in einem Stadtteil, in dem sich die Großstadt-Armut besonders deutlich zeigt: „Wir sind hier in Gostenhof, da ist die Kultur eine andere“, analysiert die 31-Jährige. Die Menschen haben wenig oder nichts – und verknüpfen das mit einer Art Anspruch, von anderen etwas zu bekommen.

Zwinscher-Drozak berichtet das ohne Bitterkeit. Sie liebt ihr Projekt — trotz allem und immer noch. Das Lächeln, das sie von anderen erhofft, trägt sie selbst im Gesicht. Gekommen war ihr und ihrem Mann die Idee, einen Umsonstladen zu gründen, weil sie den Raum am Anfangsstück der Rothenburger Straße retten wollten. Der Verein Jesus Freaks Nürnberg hatte diesen Raum einst angemietet und hergerichtet. Zwinscher-Drozak, damals Studentin, half beim Renovieren. Doch dann brauchten die Jesus Freaks den Raum nicht mehr. Zwinscher-Drozak und ihr Mann wollten dem Verein einen Grund liefern, ihn dennoch nicht aufzugeben – der Nürnberger Umsonstladen war geboren.

Alte Dinge haben es Johanna Zwinscher-Drozak schon immer angetan. Wenn Freunde umzogen oder ausmisteten, rettete sie viel vom Übriggebliebenen und sammelte es in ihrem Keller. Ein Grundstock für das Projekt war also vorhanden. Und der Nachschub geht nicht aus. Die Menschen bringen Geschirr, Bastelsachen, Kinderspielzeug, ja sogar Kosmetika, aber vor allem Kleidung und Bücher vorbei.

Angenommen wird alles, was ein Mensch alleine tragen kann. „Richtiger Müll ist nur ganz selten dabei“, erklärt die Laden-Leiterin. Liebevoll in Regale und Schränke dekoriert, warten die Gaben auf neue Besitzer. „Ich wollte von Anfang an eine Boutique“, erklärt die Laden-Leiterin, „es soll schön aussehen“. Schließlich sollen sich hier Menschen aller Schichten und aller Einkommensklassen wohl fühlen und in Ruhe etwas aussuchen; auch solche, die genug Geld hätten, es zu kaufen.

Geöffnet ist der Umsonstladen jeden Samstag von elf bis 14 Uhr. Zwinscher-Drozak hat etwa zwanzig Helfer, manche kommen nur alle paar Monate, doch fünf von ihnen sind regelmäßig mit dabei. Sie ist froh über das Team. Alleine würde sie den Laden nicht stemmen können, schließlich ist ihr Beruf ebenfalls anspruchsvoll. Ihr bisher größtes Projekt als Architektin: Die Bauleitung beim Memorium Nürnberger Prozesse.

Rückt das Ladenteam am Samstag kurz vor elf Uhr mit dem Schlüssel an, wartet regelmäßig eine Menschentraube darauf, möglichst schnell eingelassen zu werden. Jeder Kunde darf pro Tag nur drei Dinge mitnehmen. Kontrolliert wird das per Aufkleber und Stempel. Nur Kleidung und Bücher werden nicht abgezählt – da ist der Nachschub größer als der Bedarf.

Den größten Teil der Miete für den Raum bezahlen nach wie vor die Jesus Freaks, denen Zwinscher-Drozak aber nicht mehr angehört. 50 Euro Miete im Monat versucht sie über Spenden mit dem Laden selbst beizutragen – das ist allerdings schwierig.

Mehrere Aspekte sind der 31-Jährigen an dem Projekt wichtig: Der Müll wird reduziert. Das Konsumverhalten der Menschen wird verändert. Alte Dinge behalten einen Wert. Durch den Laden ist außerdem ein Stadtteil-Treffpunkt entstanden, an dem sich Menschen verschiedener Kulturen auf Augenhöhe begegnen. Und ganz selten freut sich tatsächlich einer von ihnen sichtbar darüber, dass er etwas Schönes oder Nützliches gefunden hat — und lächelt.

Umsonstladen, Rothenburger Straße 51a, geöffnet samstags von 11 bis 14 Uhr.

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