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Druckerschwärze – SK – 10.13

1. Februar 2015

Druckerschwärze

Druckerschwärze. Das legislative Theater: Partizipation junger Menschen mit Migrationshintergrund am kommunalpolitischen Diskurs. Das Thema hieß “Familienbetriebe“. In einer Zeit wo Menschen sehr kritisch gegenüber ausufernde Finanzmärkte reagieren, werden wieder kleingliedrige Geschäftsmodelle salonfähig. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund haben viel Erfahrung mit Familienbetrieben. Diese Menschen sollten zu Wort kommen. Die Nürnberger Zeitung war interessiert, junge Migranten für den Journalismus zu gewinnen. Parallel zum Theaterprojekt wurde daher eine Gruppe gegründet, die den Prozess aus dem legislativen Theater in Zeitungsartikeln überarbeitete.

Die Recherche-Ergebnisse bildeten die Vorlage für die Inszenierung des Stücks. Für die Jugendliche war es eine ganz neue Erfahrung, sich so intensiv mit Zeitungstexten und Theater zu beschäftigen. „Mir war gar nicht klar, was für ein Aufwand hinter einem Artikel steckt“, meint Nino. Er findet, dass die Zeitung deswegen „viel mehr Respekt verdient hat“. Auch von dem Thema Familienbetriebe waren die Jung-Autoren angetan.
Sowohl die Darsteller als auch die jungen Journalisten hatten ihre Ziele hochgesteckt. Viel Spaß hatten die Schüler beim Erstellen von Beiträgen über ausländische Unternehmer. Es ist ein ganz besonderes Stück, das mit etwa einem Dutzend Laien in der Aula der Bismarckschule auf die Bühne präsentiert wurde. Denn es handelte sich um den Versuch, das Thema Migration durch die Hintertür in die Köpfe der Zuschauer zu bringen.
Für uns Initiatoren stand nicht das Theaterspielen im Mittelpunkt, sondern das Bemühen, durch die Bühnenpräsenz Themen in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen. Und zwar von Menschen, die sonst nicht gehört werden. Zudem war das Theaterstück nicht abstrakt, sondern dreidimensional, mit einer einfachen Dramaturgie. Die Geschichten wurden sehr personenbezogen erzählt.

Erfolgreiche Integration ist dann erreicht, wenn man nicht mehr darüber sprechen muss. Und so haben wir die Utopie in der Projektwoche miteinander gelebt. Begriffe wie Integration, Migration und die Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden wurden bewusst nicht gebraucht. Dafür konnten die Mitwirkenden unter Beweis stellen, und es hat ihnen gut getan, dass sie aufgrund ihrer Kompetenzen und nicht aufgrund ihrer Kulturzugehörigkeit im öffentlichen Diskurs teilnehmen durften.

Das Pilotprojekt hat Anklang beim Integrationsrat gefunden. Einige der Interviewpartner sind gleichzeitig in diesem Gremium aktiv. Nicht über Integration direkt sondern über gesellschaftliche Themen zu sprechen, das war ein guter Impuls. Auf das Bundesamt für Migration bewertete das Projekt als zukunftsweisend. Mit einer zweiten Auflage am Dürrer Gymnasium erhoffen wir uns Partner zu gewinnen, damit dieses Projekt im Sinne einer Kampagne in zahlreichen Städten gastieren kann.

 

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