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Druckerschwärze – Ein Kommentar von Ella Schindler NZ

2. März 2018

Auch unangenehme Fragen stellen, um jede gute Formulierung kämpfen: Die journalistische Arbeit kann manchmal ein mühevolles Geschäft sein. Sie bereitet aber auch viel Freude. Weil Redakteure wichtige Informationen an die Menschen weitertragen und interessante Interviewpartner kennenlernen und weil das Ringen um passende Wörter eigentlich auch Spaß macht.

Diese Erfahrung machten zahlreiche junge Menschen im Projekt „Druckerschwärze“. Ich durfte sie dabei zusammen mit meinen Kolleginnen Pia Ratzesberger und Christina Merkel begleiten. Die Jugendlichen konnten einen Einblick in den Journalismus bekommen, gesellschaftliche Zusammenhänge besser erkennen und ihr Gefühl für Sprache testen und verbessern.

Praxis statt grauer Theorie.
Von der „Druckerschwärze“ haben aber nicht nur sie profitiert. Hinzu kommen mehrere Hundert Zuschauer bei den Theaterstücken, die ebenfalls im Rahmen des Projektes aufgeführt wurden. Und Tausende Leser, die die NZ-Themenseiten der Schüler in ihren Händen hielten.

Das Steinchen, das die Macher der „Druckerschwärze“ anfangs ins Wasser warfen, zog weite Kreise. Dass das Projekt dabei besonders Jugendliche aus Einwandererfamilien im Auge hatte, ist eine weitere wichtige Komponente. Denn noch immer sind Journalisten mit Migrationshintergrund eine Ausnahme, sie machen weniger als fünf Prozent in den deutschen Printmedien aus. Es liegt jedenfalls nicht daran, dass es zu wenig geeignete Talente gibt.

Die eine oder andere Redaktion traut ihnen den Journalismus immer noch nicht zu. Manchmal liegt es aber auch daran, dass junge Menschen zu wenig Selbstbewusstsein an den Tag legen. „Druckerschwärze“ hat beiden Seiten – Redaktionen wie Jugendlichen – die Möglichkeit geboten, Berührungsängste abzubauen.

Wie viele der jungen Projektteilnehmer später tatsächlich den Weg in den Journalismus suchen werden, lässt sich heute noch nicht sagen. „Druckerschwärze“ hat ihnen aber diesen möglichen Weg aufgezeigt. Wenn sie ihn wählen, dann sicher mit mehr Selbstbewusstsein als ich zu meiner Zeit: Von meiner Bewerbung bei der NZ – zwölf Jahre nach der Übersiedlung von der Ukraine nach Deutschland – erzählte ich keinem. Zu groß war die Angst, dass mich alle für größenwahnsinnig erklären. Ein Glück für mich, dass die NZ anderer Meinung war.

Ella Schindler

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