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Draussen vor der Tür

23. Juni 2008

 

Wolfgang Borchert gehört zu denen, die bis Kriegsende an der Front standen. In der damaligen Generation junger Erwachsener brannte kein Feuer. Dafür sprach in ihren Augen etwas anderes. Wenn man ihnen gegenüber stand, fühlte man sich beobachtet und abgeschätzt. Man spürte Skepsis und Ernst. Und weiter spürte man den Hunger, den sie hatten.  Es war der Hunger nach dem Leben, denn sie hatten viel opfern müssen. Sie haben aufgrund des Krieges nicht erwachen dürfen.


Das Theaterstück „Draußen vor der Tür“ ist am 4. Juli und am 5. Juli an der Rudolf Steiner Schule in Nürnberg zu sehen.

Kartenreservierung unter 0911/ 365 98 55

Sie sind geweckt worden, hart, kalt und unerbittlich. Wer mag sie dafür schuldig sprechen, dass sie keine Ideale besaßen? Über Jahre hinweg hatte man diese Jugend angerufen ihr Schweigen zu brechen.

Sie hat geschwiegen.

Man hat ihr vorgeworfen, sie sei verstockt. Man hat sie verdächtigt und hat ausgesprochen, diese Jugend habe gar nichts zu sagen.  Sie hat zu alledem nur immer wieder geschwiegen. Viele Leute hatten gehofft, dass diese Jugend ihre im Krieg nicht ausgelebte Sturm‑und‑Drang‑Zeit nachholte. Als einer der damals jungen Erwachsenen zu sprechen begann, wurden sie enttäuscht. Sein Name war Wolfgang Borchert.  Aus seiner Stimme war nichts von Gläubigkeit, Glanz und Milde heraus zu hören.

Er wollte nur Wahrheit.

Die allerdings hatte man von der damaligen Jugend nicht erwartet. Wolfgang Borchert wusste das.  Er hat, um jedem Missverständnis vorzubeugen, unter den Titel seines Manuskripts geschrieben:

„Ein Stück, das kein Theater spielen, und kein Zuschauer sehen will. (…) Eine Injektion Nihilismus bewirkt oft, dass man aus lauter Angst wieder Mut zu leben bekommt.“

Diese Jugend hatte geschwiegen, obgleich man sie beschworen hatte doch endlich zu reden. Mit Wolfgang Borchert begann sie zu sprechen. Das Theaterstück „Draußen vor der Tür“ ist der Ausdruck dessen, was sie zu sagen hatte.

 

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