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Dramatisch, echt: soziale Berufe auf der Bühne – GA

20. Februar 2012

herzwerker

Grafenau. Wir sind total durchgedreht. Der Theaterpädagoge Jean-François Drozak begreift es als besondere Motivation, am Montag bei Null zu stehen und am Donnerstag Abend eine Show vor großem Publikum abzuliefern. Die “Herzwerker” sind in Grafenau. Acht Schüler gehen auf die Bühne und haben erst mal keine Zeile Text, keine Regievorgaben, keine Requisite. Noch nicht.


Menschen, die die Dramatik des sozialen Alltags in besonders intensiver Weise erleben, sind ihre Regisseure. So wie Manuel Kurz, der in Freyung in der Altenpflege tätig ist. Er erzählt kurze Begebenheiten, die seinen Job zu seiner Berufung machen. Er war Schreinerlehrling, Geselle, arbeitslos, Wehrdienstleistender und machte Gelegenheitsjobs. Dass er irgendwann im sozialen Bereich landen würde? Eigentlich nicht typisch vorgesehen für junge Männer. Ein Praktikum brachte ihn doch damit in Berührung; und diese Berührung brennt bis heute auf und unter seiner Haut. Also weitere drei Jahre Ausbildung. Mit 24 Jahren ist er angekommen.

Dazu passend: “Herzwerker” ist eine Kampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen zur Gewinnung von Nachwuchskräften für soziale Berufe. Gemeinsam mit der Agentur Kunstdünger führt es das Theaterprojekt Playback durch. So weit der sachliche Hintergrund. Jean-François Drozak ergänzt: Das was wir machen, ist eine intelligente Berufsberatung. Da werden nicht nur Jugendliche einbezogen, sondern auch das ganze Umfeld. Lehrer, Eltern, Mitentscheider; statt ihnen einen Flyer in die Hand zu drücken wird mit “Herzwerkern” das Leben zum Stück gemacht. “Das Drehbuch schreibt die Realität.” 30 Sekunden Besprechung. Was kann man mit den Händen tun, was drückt Zuwendung aus? Aber es geht nicht darum, jetzt ein Drama künstlich zu erzeugen. Drozak moderiert dabei, die Szene selbst auf das zu verdichten, was dem Original nahe kam. “Sie hat so gelacht”, erzählte Manuel Kurz über die alte Frau. Beim zweiten Durchgang ist aus dem peinlichen Gekichere schon weit mehr ein befreites Aufatmen geworden, weil es langsam authentischer zur Erzählung wird.

Manuel Kurz sagte zu seiner Berufserfahrung, dass er es an solchen Punkten irgendwann wusste: Ja das ist genau das Meine, auch ohne dass er sich einen falschen Pathos für seine Berufung zurecht legen müsste. Das ist immer noch ein nerviger, knochenharter. Trotzdem ist das ungekünstelte Lächeln große Show für ihn.

So definiert sich wohl auch die Aufgabe der acht Schauspieler in ihren Startlöchern. Drozak verspricht: Wir werden jeden Tag um 1000 Prozent besser werden. Und wir werden in drei Tagen ein 90-minütiges Showprogramm daraus machen. Zu sehen am Donnerstag auf der großen Realschulbühne um 19 Uhr. Die Show ist frei und öffentlich zugänglich. Das Projekt ist in jedem Fall spannend.

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