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Die Thematik verdient keinen Applaus – FT

24. Mai 2010

acht-acht

Theater Schwarze Bühne, schwarz gekleidete Schauspieler, versteckte Symbolik: Das Theaterstück “Acht.Acht” thematisierte in Ebensfeld laut, eindringlich und aggressiv die Jugendarbeit rechtsradikaler Gruppen unter der Leitung des Theaterpädagogen des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Jean-François Drozak.


Jean-François Drozak, Theaterpädagoge des BDKJ und Regisseur, spricht mit dem Publikum in der Pater-Lunkenbein-Schule. Es war eine Premiere im Dekanat Lichtenfels. Nur 35 Minuten dauerte der “Spuk”, doch die acht jugendlichen Darsteller erzeugten am Donnerstagabend bei ihrem Publikum in der Pater-Lunkenbein-Schule Gänsehaut, Betroffenheit und Abscheu.

Schulleiter Jürgen Jäger und Bürgermeister Bernhard Storath waren sich einig, dass dieses Thema ein heikles und stets aktuelles sei. Organisator Michael Albrecht erklärte, das Stück, das der BDKJ im Diözesanverband Bamberg trägt (er kooperiert dabei mit der Agentur “Kunstdünger”), stehe im Rahmen einer Projektwoche mit Vor- und Nachbereitung für die Schüler. Es basiere auf Interviews, die Studierende der Ohm-Hochschule Nürnberg mit Insidern, Betroffenen und Aussteigern der rechten Szene führten. “Jeder von uns hat etwas, mit dem er sich gegen Rechts wehren kann. Und wenn wir uns zusammentun, bleiben wir demokratisch.”Nach diesen Worten eröffnete sich dem Zuhörer unvermittelt ein packendes, minimalistisches Szenario: Drei große, verbeulte Blechkanister mit den Aufschriften “Deckung”, “Tänzeln” und “Angriff”. Erschließen wird sich, dass diese Begriffe die Taktik Rechtsextremer darstellen.Drei Jugendliche stehen oder sitzen regungslos. Sie sprechen laut und eindringlich, schreien bisweilen, vor allem Franz mit seiner aggressiven Wurstigkeit. Sie werden auf dem Schulhof ganz unverfänglich angesprochen, bekommen eine gebrannte CD mit Liedern und einer Internetadresse zugesteckt, dann die Einladung, zu einem Fußballspiel mitzukommen – natürlich wieder gratis. Nachdem Vertrauen aufgebaut ist, kommt bei den freizeitlichen Treffen immer mehr rechtes Gedankengut zur Sprache. “Nur die Besten melden sich auf die CD zurück.” Man bekommt das Gefühl, ein Elitärer zu sein. Es geht schnell, subversiv, unverbindlich. Bier wird spendiert. Gruppenzwang. Es wird geschrien, bis die Taktgeberin immer mehr ausländerfeindliche Begriffe einwirft. Es steigert sich bis zum Exzess. Beim Hitlergruß stimmt auch Franz mit ein. Paula ist ausgegrenzt. Sie ging, als rechtsradikale Parolen fielen.

Doch nein zu sagen, ist schwer…
Das auf der Bühne gespannte Netz symbolisiert eine Grenze. Bei einer Demonstration erklingt die Massenparole: “Gewalt ist die einzige Form von Achtung, die wir von euch erzwingen können.” Doch lautes Glockengeläut übertönt die Sprechchöre. Die Rechtsradikalen verschwinden ins Dunkel. Die schwarze, leere Bühne versinnbildlicht deren Charakter: aus dem Verborgenen gekommen und dorthin wieder verschwunden.Reaktionen auf das heikle Thema? “Schon schwer” zu spielen, sei es, sagte eine Schauspielerin, “ans Herz” ging es einer Zuschauerin. Auch im Landkreis Lichtenfels sei Rechtsradikalismus ein Thema, wussten Besucher.Erörtert wurde im Anschluss, was man gegen rechtsradikalen Einfluss tun könne: Freunden gut zureden. Und selbst die Initiative ergreifen – wie der Pfarrer, der mit lautem Glockengeläut eine Demo der Neonazis übertönte. Oder Gemeinschaft bei den Angeboten der Jugendverbände und Vereine erleben. Lange ließ übrigens der Applaus für die überragende Leistung der Laienschauspieler – und für nichts anderes – auf sich warten.

Die Thematik des Stücks verdiente keinen Applaus. FiPh

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