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Die scheuen Wilden – NN

3. Februar 2010

 

Man stelle sich vor, es findet ein Casting für Skater statt und kein Skater geht hin: Diese Befürchtung von Jean-Francois Drozak, Theaterpädagoge und Inhaber der Agentur «Kunstdünger», wurde nicht wahr.

Im Gegenteil. Am Ende saßen sogar zehn Exemplare der, laut Drozak, «so scheuen Untergrundgruppe, an die man schwer herankommt» in der Treppenhauslounge am Kornmarkt und hörten sich die Ideen des Theatermachers zumindest mal an. Darunter so bekannte Größen wie Andi oder Michi. Jaja, in der Szene kennt man sich eben.

Welche Beschwerden?
Das Theaterprojekt, angestoßen vom Quartiermanagement Altstadt-Süd und finanziert von der Stadt Nürnberg, soll das Verständnis von Senioren für Skater und umgekehrt wecken. Denn am Kornmarkt gebe es immer wieder Beschwerden, von denen die Skater-Szene zwar noch nichts wusste, Theaterpädagoge Drozak dafür aber umso mehr: Beschwerden über die lauten Geräusche, die die Skateboards bei all den Kunststücken und dem «Beskaten» von Treppen oder Sitzplätzen nun mal machen, seien an der Tagesordnung. Ebenso die Empörung über den Müll, wie Drozak zu berichten weiss.

Die Performance, die der Theaterpädagoge geplant hat, soll Senioren und Skater an einen Tisch holen. Die Senioren erzählen, was sie vor 50 Jahren in ihrer Freizeit gemacht haben, die Jugendlichen sollen dies auf ihren Skateboards umsetzen. Als «Lobbyist für die Skater» hat Dvorak zum Casting geladen.

Ihre Tricks zeigen die gar nicht so scheuen Wilden zu Beginn nur allzu gerne. Ob «Kick Flip», «Slide» oder «Nosegrab», die Jungs haben es drauf. Nur schwer sind sie danach von ihren Skateboards herunter und hinein in die Treppenhauslounge zu bekommen.

Und bei Sätzen wie «in den Ferien» und «sechs Stunden üben pro Tag» werden die ersten Gesichter schon länger. Spätestens bei der Information, dass man vielleicht mit dem Skateboard Tango tanzen könnte, ist die Idee dann schon nicht mehr «voll krass», sondern eher zum Kichern. Zumindest für die Jüngeren.

Andi und Michi, die mit über 30 knapp doppelt so alt sind wie der Rest der Bande, sind aber auf jeden Fall dabei. Und da man sich in der Skater-Szene nun mal kennt, ist es auch gar kein Problem, dass einige der Jüngeren «keinen richtigen Bock» mehr auf das Theaterprojekt haben und ein «vielleicht» hinter ihren Namen setzen lassen.

Da wird den anderen halt mal Bescheid gesagt, dann sind auch wieder genug Skater beisammen, um das Projekt in den Faschingsferien zu starten. Gut so, denn gegenseitiges Verständnis ist wichtig, auch wenn man dafür auf dem Skateboard Tango tanzen muss. ARIANE MAIER

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