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Die rote Karte fürs Komasaufen – NN

7. Mai 2011

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FORCHHEIM  – Sechs Szenen eines hemmungslosen Besäufnisses: Siebtklässler der Adalbert-Stifter-Schule (AST) haben ein kurzes Theaterstück zu „Flatrate“- und „Koma-Saufen“ einstudiert. Wann es mit dem Alkohol genug war, durften die Zuschauer selbst entscheiden. Es fängt scheinbar harmlos an: Papa hat eine Whiskeyflasche im Kühlschrank, der Sohn, noch keine 16, findet sie. Er lädt sich Freunde ein, jeder nimmt ein paar Schlücke. Doch dabei bleibt es nicht.


Irgendwann trinken die Jugendlichen den Alkohol mit Schläuchen aus Kanistern. Einer wankt und fällt schließlich zu Boden. Ein anderer pinkelt in eine Zimmerpflanze, die er für einen Strauch hält. Erste übergeben sich. Kampftrinken. Am Ende liegt einer bewusstlos auf der Straße. Ob die Wiederbelebungsversuche des Freundes erfolgreich sind und der Notarzt noch rechtzeitig kommt, bleibt offen.

Zuschauer handeln mit
Mit einer roten und einer gelben Karte dürfen die Zuschauer anzeigen, wann sie selbst mit dem Trinken aufhören würden, beziehungsweise wann sie anderen Trinkern zum Beenden des Gelages raten würden. Nach Abgabe der Karten erhält der Zuschauer eine gelbe und eine rote Broschüre, die erklären, wie man ohne Alkohol Spaß haben kann, etwa mit alkoholfreien Cocktails.

Eine Woche lang haben die Siebtklässler mit Theaterpädagoge Jean-François Drozak aus Nürnberg das Stück einstudiert. Drozak hat es schon an fünf anderen Schulen aufführen lassen. Dabei hat er viele Schüler kennen gelernt, die sich selber schon mal um den Verstand getrunken haben. „Danach können sie sich meistens an nichts mehr erinnern“, sagt der Regisseur. „Sie sind sich gar nicht bewusst, welche gruppendynamischen Prozesse da in Gang sind, und welche Macht der Alkohol ausübt.“ Er denkt an „Flatrate“-Partys, bei denen man am Anfang eine Pauschale zahlt und dann trinken darf, so viel man will.

Am gefährlichsten aber sei das „inoffizielle“ Trinken: Mehrere Jugendliche, oft unter 16, konsumieren riesige Mengen Alkohol, ohne ihre Grenzen zu kennen. Und kein Erwachsener ist dabei, der das Ganze in vernünftige Bahnen lenkt. Allerdings glaubt Drozak, dass „Eltern oft vernünftiger tun, als sie sind“.

Hoffentlich sind die AST-Schüler durch das Theaterprojekt, das durch eine 2000-Euro-Spende des Bekleidungsgeschäfts C&A finanziert wurde, etwas vernünftiger geworden. „Ich würde jetzt nicht mehr so viel trinken“, meint einer der Darsteller auf die Frage, wie sich seine Einstellung zum Alkohol geändert habe. Ein Mitschüler sagt: „Ich wusste es vorher schon. Von Flatrate- und Koma-Saufen hört man doch ständig.“

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