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Die etwas andere Berufsberatung

18. Mai 2011

herzwerker

ZIRNDORF  – Mit Theaterszenen machten Schüler der Realschule Zirndorf gemeinsam mit Menschen, die in sozialen Berufe tätig sind, ihren Zuschauern Lust auf eine Arbeit als Altenpfleger, Erzieher oder Jugendhelfer. Und sie gaben dem Publikum ein Rätsel auf.

Die Arbeit in sozialen Berufen stand im Mittelpunkt einer Theateraufführung an der Realschule in Zirndorf. Schüler setzten als Teil einer Werbekampagne szenisch um, was ihnen Altenpfleger oder Erzieher aus ihrem Alltag erzählt hatten.

Wie ich in meinem Beruf angefangen habe, hätte ich mir nie träumen lassen, was ich da alles erlebe“, denkt Altenpfleger Andreas Hentschel auf der Bühne der Turnhalle der Realschule Zirndorf zurück. „Einmal hab’ ich sogar mit einer dementen alten Dame Walzer getanzt, um sie an früher zu erinnern…“ Die rührende Walzer-Szene, von der Andreas Hentschel erzählt, bekommt das Publikum dann anschließend zu sehen: Nachgespielt von den Realschülern.


Acht kurze Geschichten aus dem Alltag in sozialen Berufen werden an diesem Abend gezeigt. Die Stimmung in der vollbesetzten Turnhalle ist über 90 Minuten hochkonzentriert. Kaum zu glauben, dass die Jugendlichen unter der Anleitung des Theatermachers Jean-Francois Drozak nur gut drei Tage für diese Vorstellung übten.

Vier sogenannte „Herzwerker“ hatten sich die Theatermacher für dieses Projekt eingeladen: Menschen, die neben Hand und Kopf auch ganz viel Gefühl brauchen, um ihre Berufe als Altenpfleger, Jugendhelfer oder Erzieher behinderter Kinder ausfüllen zu können.

Einen Tag lang erzählten diese „Herzwerker“, wie etwa Nicole Zwingel und Ann-Katrin Hoffmann vom Kinder- und Jugendhaus Stapf in Nürnberg, den Zirndorfer Realschülern aus ihrem Berufsleben — schließlich wurden die besten Geschichten als Bühnenszenen umgesetzt.

Komplizierte Fragen

Der erfahrene Theaterpädagoge Drozak blieb dabei im Hintergrund und überließ den „Herzwerkern“ die Führung. Denn nur die konnten den jungen Schauspielern ihre oft komplizierten Fragen beantworten: Wie läuft ein gehbehindertes Mädchen? Wie klingt es, wenn ein Junge aus Afghanistan deutsche Worte spricht?

Ich sehe mich vor allem als Vermittler und als derjenige, der den letzten dramaturgischen Schliff gibt“, meint Drozak. „Mir war es wichtig, jeden Theaterbombast zu vermeiden — deswegen sind unsere einzigen Requisiten ein paar Plastikteller und eine Handvoll großer Milchflaschen. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Geschichten.“

Damit es dennoch spannend bleibt haben sich die Theatermacher einen Trick ausgedacht: Eine der acht erzählten Geschichten ist falsch — und das Publikum darf dreimal raten welche. Das gelingt dann auch, wenngleich erst beim dritten Versuch. Es ist eine Szene, in der ein behinderter Junge ausgeschimpft wird, weil er ein Regal ausräumt. „Das würden wir nie machen“, meint Herzwerkerin Nicole Zwingel. „Wir sind immer froh, wenn die Kinder so aktiv sind.“

Die Theateraufführung ist der Start eines Pilotprojekts, das vom bayerischen Sozialministerium finanziert wird. Ziel ist es, junge Leute für soziale Berufe zu begeistern. Dass das funktioniert zeigt nicht nur der laute Jubel für die Darsteller am Ende, sondern auch die Tatsache, dass zwei der Schauspieler sich bereits während der Aktion für ein Praktikum in einer Jugendeinrichtung angemeldet haben.

Weitere Infos zum Projekt gibt es unter www.herzwerker.de /

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