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Der schwarze Peter – OZ

2. Februar 2009

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Von SUSANNE KLUTH

Grimmen. „Nein, nein, nein. So geht das nicht. Die erste Lektion, die jeder Schauspieler lernt, ist das Spucken. Frag mal Julia Roberts.“ Regisseur Jean-Francois Drozak springt mit einem Satz auf die Bühne des Kulturhauses. Dort sitzen einige Schüler der Robert-Koch-Regionalschule. „Ok, und jetzt versuch es mal so richtig schön laut aus dem Hals heraus. Und Hochziehen. Schieb die Zunge hinter die Zähne.“ Der 34-jährige Belgo-Brasilianische Bayer macht es vor. Ganz schön eklig. Die Jungs lachen. Und mit einem Mal versuchen es alle im Saal.
Nur Nadine Fleige ist das Ganze etwas peinlich. Sie spielt Franziska, eine ziemlich unmögliche Göre aus dem Theaterstück „Der schwarze Peter“. „Das Proben macht wirklich Spaß, auch wenn es manchmal ganz schön stressig ist. Naja, und zur Schule müssen wir in den vier Tagen auch nicht“, meint Pia Maletschek zufrieden grinsend. Sie ist die Mutter vom schwarzen Peter. „Nicht gerade eine coole Rolle.“ Trotzdem spielt sie die sehr überzeugend. Einen konkreten Text gibt es nicht. „Pier erklärt uns, was in der Szene passiert und dann improvisieren wir“, erklärt die 15-Jährige. Wer meint, Schülertheater wäre Kinderkram, der hat wohl noch nie bei einem mitgemacht. Denn jeden Tag von 9 bis 17 Uhr konzentriert zu bleiben, ist nicht einfach. Da kann es auch schon mal etwas chaotisch zugehen.

„Zickenalarm wegen der Rollenverteilung“, wie Steven Richter es nennt oder ungeduldiges Quengeln, weil gerade nicht die eigene Szene dran ist. Jean-Francois Drozak hat das aber alles im Griff. „Für die Bühne sind kantige Jugendliche viel besser als ganz brave. Die trauen sich auch mal was.“ Am Donnerstagabend ist es dann so weit. Ein letztes Mal luschern die Akteure hinter der Bühne durch den kleinen Spalt im roten Vorhang. Es sind nicht sehr viele Leute da. Dafür aber die Wichtigsten, nämlich die Eltern, Geschwister und Freunde. „Am Freitag bei der Vorführung für die Schüler werden alle Stühle besetzt sein“, beruhigt der Regisseur. „Das ist immer so.“

Los geht’s. Peter wacht eines Morgens auf und muss feststellen, seine Haut ist nicht mehr weiß. Und obwohl er sich sonst nicht verändert hat, behandelt ihn seine Umwelt doch auf einmal völlig anders. Während der Aufführung können die Zuschauer wählen, wie es mit Peter weitergehen soll. Soll er zur Schule oder zum Arzt? Ehrensache, die anwesenden Lehrer entscheiden sich für die Schule. Soll er zum Schüleraustausch nach New Orleans oder soll er lieber in Deutschland bleiben? Das Publikum findet New Orleans sei eine sehr gute Entscheidung. Nach der Aufführung gibt es eine kleine Fragerunde. Was denn passiert wäre, wenn Peter in Deutschland geblieben wäre, möchte jemand wissen. Die Antwort: Wenn man sich für eine Seite entscheidet, weiß man nie, was passiert wäre, hätte man sich anders entschieden.“ Das ist aber nur eine der viele Botschaften der Theaterinitiative der Caritas und der Künstleragentur Kunstdünger. Es steht so sehr für Demokratie und Toleranz, wie es gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit ist.

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