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Der schwarze Peter – NN

21. März 2010

Graefenberg

GRÄFENBERG – «Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.» Diesen Titel trägt die Ritter-Wirnt-Realschule Gräfenberg nicht ohne Grund. 70 Prozent Zustimmung der Schüler- und Lehrerschaft benötigte die Schule, damit sie in die bayernweite Aktion unter diesem Titel miteinsteigen konnte, 95 Prozent hat sie erreicht.

Im Rahmen dieser Aktion hat die Realschule, wie auch letztes Jahr, ein Theaterstück vorbereitet. «Was wäre wenn du eines Tages aufwachst und plötzlich schwarz wärst?» Das ist die Grundidee des Theaterprojekts «Der schwarze Peter». Jean-Francois Drozak von der Agentur Kunstdünger aus Nürnberg hatte die Idee zu diesem Stück und übernimmt auch die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung.


Die Darsteller Marlin von Stuttnitz, David Sica, Andrea Marsing, Ann Kristin Pommer, Aline Müller, Jonas Gubo, Dominik Nützl, René Lambrett und Niklas Barabas haben alle Erfahrungen aus früheren Theatergruppen. «Das Stück ist eine Adaption von Franz Kafkas Die Verwandlung», sagt Drozak. «Es geht darum, von einen auf den anderen Tag fremd in einem gewohnten Umfeld zu sein.»

Zeigefinger nutzt nichts
«Die Jugendlichen müssen für die Thematik emotional sensibilisiert werden», erklärt Rolf Maas, Leiter der Realschule. «Es nützt nichts mit erhobenem Zeigefinger vorne zu stehen und zu predigen.» Deswegen hat Drozak nicht ein klassisches Theaterstück, sondern eine interaktive Geschichte entworfen. Zwölf Szenen werden einstudiert, wovon acht auch wirklich gespielt werden.

Die Auswahl der Szenen übernimmt das Publikum mit Handabstimmungen. Jean-Francois Drozak moderiert das Stück und stellt bei den vier «Auswahlszenen» dem Publikum die Frage, wie es sich anstelle des über Nacht schwarz gewordenen Protagonisten Peter verhalten würden. Dass sich die Gräfenberger Realschüler so sehr gegen den Rassismus einsetzen, liegt wohl auch daran, dass die NPD noch nicht einmal davor zurückschreckte, CDs und Flyer auf ihrem Schulhof zu verteilen und die Jugend mit dem braunen Gedankengut zu infizieren versuchte (wir berichteten).

Gräfenberg? Da ist doch alles klar…
Es kursieren viele Vorurteile. Der Ortsname Gräfenberg wird nicht selten sofort mit NPD und Rechtsradikalismus in Verbindung gebracht. Eine Schülerin der Realschule erhielt sogar die Absage eines Arbeitgebers mit der Begründung, die Bewerbung brauche man sich gar nicht durchzulesen, weil bei jemandem aus Gräfenberg sowieso alles klar sei.

Über solche Aussagen ist Rolf Maas zutiefst empört: «Wenn Schulen Aufklärungsaktionen bezüglich Aids machen, heißt das doch auch nicht, dass sie haufenweise HIV-positive Schüler haben.» Wenn man sich dem Thema Rassismus nähere, meinten jedoch viele, es seien Probleme vorhanden und schwiegen deshalb lieber. In Gräfenberg sehe die Situation jedoch ganz anders aus. An der Realschule gäbe es keinerlei politische Szene, weder links noch rechts, sagt Maas.Die Neonazi-Aktivität in Gräfenberg hat inzwischen abgenommen. Dennoch will Rolf Maas das Thema an seiner Schule nicht einschlafen lassen. Das Engagement der Schüler soll im Fluss bleiben.
Christian Neumahr für die Nürnberger Nachrichten 

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