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Der scheinbar harmlose Weg ins rechte Millieu – SBB – 15.5.

1. Februar 2014

Präventionstheaterstück Anklam

Sieben Schülerinnen zeigen Präventionsstück

Anklam. Paula* und Franziska unterhalten sich. Es geht um Computerspiele. Franziska liebt Shooterspiele, spielt sie gerne mit ihrem Bruder. Plötzlich ist da das andere Mädchen. „Willst du eine CD? Die ist kostenlos“, sagt sie. Besonders Franziska ist begeistert. In der nächsten Szene sieht der Zuschauer die Mädchen im Fußballstadion. Sie schreien, feuern ihre Mannschaft an, trinken dabei ungehemmt Bier. Ute und ihre Freundinnen, auch die, die den Mädchen die CD gab, haben sie eingeladen. Einige Augenblicke später stehen die Schülerinnen mit Hitlergruß da und schreien rechte Sprüche durch den Raum: Szenen aus dem Theaterspiel „Acht.acht – Achtung Achtung“.

Ein rund 30 Minutiges Stück, welches zeigt, wie Jugendliche in die rechtsextremistische Szene abrutschen können. Scheinbar harmlose Szenen entwickeln sich zu Einstiegen in das rechte Milieu. Immer bedrückender wird die Stimmung der Besucher am 23. Mai in der Aula des Otto-Lilienthal-Gymnasiums in Anklam. Sieben Schülerinnen führten hier das Stück auf, welches sie innerhalb von vier Tagen zusammen mit dem Theaterpädagogen Jean-Francois Drozak einstudiert haben. Drozak erarbeitete das Stück 2010 in Nürnberg zusammen mit evangelischen Studierenden. „Es ist ein bayrisches Stück, denn Rechtsextremismus ist kein Ostproblem sondern ein deutschlandweites“, so der Kunstdesigner aus Nürnberg. Die Studierende befragten damals Szenekenner, Polizisten und Jugendliche. Einige Rechte waren sogar als Co-Autoren tätig. Aus den Interviews entstand dann das Stück, welches zunächst vom BDKJ Diözesanverband Bamberg gefördert wurde, und eine Collage darstellt, die nah an der Wirklichkeit aufzeigt, was passieren kann.

Die sieben 14- bis 16-jährigen Mädchen in Anklam studierten das Präventionsstück nun in der Projektwoche an ihrer Schule ein. Sie führten es anschließend vor ihren Familien und ihren Klassen auf. „Wir wollten bewusst keine öffentliche Aufführung, da die Mädchen noch so jung sind und das, was sie sagen überhaupt nichts mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun hat“, so Jean-Francois Drozak. Deshalb waren auch Fotoaufnahmen untersagt. Das Präventionstheaterstück „Acht.acht – Achtung Achtung“ am Otto-Lilienthal-Gymnasium in Anklam wurde von der Caritas finanziell gefördert. „Dies war durch eine Auszeichnung des Deutschen Caritasverbandes für Projekte gegen Rechtsextremismus möglich“, erzählte der Anklamer Leiter Ulrich Höckner.

 

*Die Namen der Mädchen sind die Namen der im Stück handelnden Personen und nicht der Schülerinnen, die das Stück aufführten.

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