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Der Lebkuchen als Reisepass – NN

29. Mai 2008

Lebkuchen

Etwas kryptisch «Active 4 diversity» heißt die Seminarreihe im Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH), die konzipiert wurde, um Jugendlichen ein friedliches Zusammenleben in der multikulturellen Gesellschaft näher zu bringen. Dazu gehört auch das Engagement der Schüler der 6. Klasse der Johann-Daniel- Preißler-Hauptschule, die sich in einem Workshop dem Themenbereich Migration und Integration widmen.

Was haben Lebkuchen, deutsche Leitkultur und «Multi-Kulti» gemeinsam? Die Begriffe betiteln Szenen eines so genannten Theaterstücks mit Migrationshintergrund. Da mutieren zum Beispiel echte Nürnberger Elisenlebkuchen zum deutschen Reisepass. Erdacht wurde das Stück «Lebkuchen» von Regisseur Jean-Francois Drozak, der selbst einen Migrationshintergrund hat. Diese Tatsache stufte der Theaterpädagoge zunächst eher als Hemmschuh ein. «Die Kinder sind durchschnittlich 12 Jahre alt», sagt Drozak, «ich dachte mir: Vielleicht problematisiere ich etwas, was die heutigen Migrantenkinder gar nicht mehr als Problem sehen.» Deshalb hatten die acht Darsteller des Stücks auch ein gewisses Mitspracherecht.

An der Preißler-Hauptschule in Gostenhof ist es keine Seltenheit, dass sich in einer Klasse 70 Prozent und mehr Kinder mit Migrationshintergrund tummeln. Für Susanne Schneider, die Bildungsreferentin des CPH, ist das primäre Ziel ihrer Arbeit, den Schülern ihre eigene Herkunft bewusst zu machen. «Es geht um Vielfalt in unserer Gesellschaft. Dies ist grundsätzlich etwas Positives, was wir auch den Kindern vermitteln wollen», sagt sie. Als ideal stuft sie die Zusammenarbeit mit der Preißler- Schule ein, denn dort habe interkulturelles Lernen Tradition.

Abseits jeder Gedanken an ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema, plagt die acht Jung-Schauspieler derzeit ein anderes Problem: nämlich das wachsende Lampenfieber. Denn heute zeigen die Schüler das 45-minütige Stück «Lebkuchen» im CPH in einer öffentlichen Vorstellung.

Er sei bereits vor Publikum aufgetreten, sogar schon im Gostner Hoftheater, erzählt Edson. «Meine Eltern haben mich schon auf der Bühne gesehen, doch vor den vielen Fremden habe ich doch Bammel», bekennt der in Holland geborene Junge kongolesischer Eltern. Indisch-türkischer Herkunft ist Lasxmi, die eingesteht, die Thematik des Stücks anfangs nicht gänzlich verstanden zu haben: «An unserer Schule haben wir kein Problem miteinander. Doch es ist schon wichtig, den Menschen zu zeigen, dass man niemanden ausgrenzen darf.» Vorfreude auf die Premiere überwiegt bei Emre. Der türkische Junge ist fast schon ein alter Theaterhase und erklärt selbstbewusst: «Ich mag es, vor Publikum zu spielen, denn da kann ich zeigen, was ich draufhab’.» Thomas Susemihl

 

 

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