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Das Leben selber in die Hand nehmen – NN

10. November 2016

DrozakNürnberger erzählen von Erlebnissen und Entscheidungen, die sie verändert   haben – Offenheit zählt und Heimweh hilft weiter

Zwischen den Jahren kann es gut sein, zurückzuschauen. Auf Stationen im Leben, die einen verändert haben. Fünf Nürnberger haben dies für die Lokalredaktion getan.

 Tiergartenchef Dag Enke (50) wurde im Oktober 2005 auf offener Straße angeschossen.


Diesen Moment zählt er aber nicht zu jenen in seinem Leben, die ihn zu tieferen Erkenntnissen geführt haben: Mich hat mein Austauschjahr in Neuseeland verändert. Damals war ich 16 Jahre alt. Vielleicht hört sich das erst mal komisch an, aber weit weg von zu Hause kam mir der Gedanke, dass die Neuseeländer nicht auf der falschen Straßenseite Auto fahren, sondern nur auf der anderen. Mir wurde klar, dass Anderssein nicht Falschsein bedeutet.

Seither bemühe ich mich, Dinge erst einmal wertneutral zu betrachten und mir meine Offenheit zu erhalten. Die habe ich gut gebrauchen können, als ich mit 23 Jahren sieben Monate lang in der Sowjetunion lebte. Ich wollte russische Literatur im Original lesen können. Für Gorki reichte es tatsächlich, für Dostojewski nie. Jetzt kann ich noch auf Russisch Small Talk machen, wenn ich als Tiergartendirektor mit Kollegen in Kasachstan zu tun habe. Für mehr reicht es leider nicht mehr.

Sozialarbeiter und Theatermacher Jean-Francois Drozak (41)  aus Gostenhof wurde am 28. Dezember zum zweiten Mal Vater und wird die Geburt seiner Tochter Mirea sicher immer in Erinnerung behalten: Ich war 14 Jahre alt, als ich in eine Jugendhilfe Einrichtung kam, weil meine Mutter psychisch krank war. Das war damals in München. Ich blieb dort vier Jahre. Das Heim war cool, die  Erzieher haben mich so positiv bestärkt – das hat gereicht, um mich selbstbewusst ins Leben gehen zu lassen. Diese Erfahrung war so prägend, dass ich später selber Sozialarbeiter wurde. Ich wollte das Gute, das ich erlebt hatte, an die Gesellschaft weitergeben.

Ich habe das Heimkind noch immer in mir. Deshalb spüre ich bei der Arbeit, wenn mich meine Professionalität als Sozialarbeiter in eine falsche Richtung lenkt und der Kontakt zu den Jugendlichen darunter leidet. Nähe und Distanz sind wichtige Themen. Im Heim mussten die Erzieher für das Mittagessen zahlen. Mich störte das, weil es mir klarmachte, dass es sie ein Arbeitsessen war. Für mich war das aber das Essen mit der Familie. Was ich im Heim auch gelernt habe, ist, dass man sich von Rahmenbedingungen nicht diktieren lassen sollte, was man im Leben will.

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