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Charlotte Grunow: Von Lampen inspiriert – 9.6. – NZ

15. Juli 2013

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Folgender Beitrag entstammt der Feder von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Unterstützt wurden sie von Redakteuren der Nürnberger Zeitung:

Nürnberg  – Sie war das Maskottchen des Ladens. Wenn Charlotte Grunow heute im Lampengeschäft ihrer Eltern vorbeischaut, erinnern sich manche Kunden noch an sie. Viele Jahre lang war der “Lampensalon” für Grunow der erste Anlaufort nach der Schule; Zuhause und Spielwiese zugleich.


Auf 400 Quadratmetern hat die Familie damals in der Jakobstraße beim Weißen Turm Lampen gefertigt, verkauft und repariert. Mittlerweile befindet sich das Geschäft in der Gudrunstraße. Schon als Kind hat Grunow den Laden mit all seinen Steh-, Hänge- und Deckenlampen aus vergangenen Zeiten geliebt. „Gleichzeitig wäre er manchmal das Erste gewesen, was ich am liebsten verbrannt hätte“, sagt die 25-Jährige heute. Denn für ihre Eltern endete die Arbeit nie mit Ladenschluss.

Beim Abendessen waren Mutter und Vater oft gedanklich noch bei Ware und Verkauf, die Gespräche drehten sich meist nur um ein Thema: Lampen. Auch wenn wohl nicht nur Familienunternehmer ihre Arbeit mit in den Feierabend nehmen, beim eigenen Betrieb passiert das unweigerlich.

Gegenüber anderen Studenten, die selbst kurz vor dem Abschluss noch kein einziges Praktikum gemacht haben, hat Grunow aber einen entscheidenden Vorteil: Von klein auf hat die Geschichtsstudentin „Berufserfahrung“ gesammelt. Schon mit fünf Jahren ist sie mit ihrem Vater nach Frankreich gefahren, war immer an seiner Seite bei Warenbesichtigung und Verkaufsabschlüssen. „Er hat sich dabei sicher nicht gedacht: Du wirst einmal Lampenhändler und ich zeig dir jetzt schon mal alle Kontakte. Mein Vater wollte mich einfach um sich haben“, sagt die Studentin. Doch die vielen Geschäftsgespräche haben sich eingebrannt. Wie man auf Kunden zugeht, seine Produkte präsentiert – für Grunow ist das Alltag.

Nächste Generation ist noch sehr zögerlich

Wenn die Studentin und gelernte Werbegestalterin Zeit hat, hilft sie immer noch im Laden aus. Ob die 25-Jährige die Manufaktur einmal übernehmen wird, weiß sie nicht. Damit geht es ihr wie vielen potenziellen Nachfolgern: Laut einer Studie der Universität St.Gallen aus dem vergangenen Jahr ist gerade unter Studenten die Motivation gering, das elterliche Geschäft einmal weiterzuführen. Nur dreizehn Prozent planen, nach dem Studium in den Familienbetrieb einzusteigen. Direkt nach der Schule sind es noch weniger, gerade einmal vier Prozent. Die meisten streben lieber eine Anstellung an, als die gesamte Verantwortung für eine Firma zu übernehmen.

Hier unterscheidet sich Grunow vom verantwortungsscheuen Nachwuchs. Auch wenn sie den Lampensalon in der Südstadt vielleicht nicht übernehmen wird, ihr eigener Chef will die Studentin trotzdem sein. Die Eltern sind ihr dabei ein Vorbild, schon heute führt die 25-Jährige neben ihrem Studium eine eigene kleine Stempelmanufaktur namens „Herz im Sturm“. Selbstständig zu sein, bedeutet für Grunow Freiraum, Platz und Zeit für kreative Ideen. „Bei einem großen Konzern telefonierst du erst einmal eine Stunde umher, um herauszufinden, wer für diesen Bereich zuständig ist. In einem kleinen Familienbetrieb weiß jeder ganz genau, was der andere macht“, sagt die Studentin.

Vor dem unternehmerischen Risiko hat die 25-Jährige keine Angst: „Viele Anfangsfehler mache ich erst gar nicht, weil ich von meiner Familie weiß, wie das läuft. Zum Beispiel wie ich mich am besten versichere oder wie die Besteuerung funktioniert.“ Jungunternehmerin Grunow erfährt bei all ihren Projekten Unterstützung von den Eltern. Mutter und Vater wollen der einzigen Tochter signalisieren, dass sie machen kann, worauf sie Lust hat – und nicht an den Laden gebunden ist. Seit einiger Zeit steht im Lampensalon von Familie Grunow daher ein Regal voller Stempel, die Kunden direkt im Geschäft kaufen können. Und manche Stempel haben die Form eines Lampenschirms.

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