- Carimigra& Pressespiegel+ ImmigrationKunstdünger
Carimigra und das legislative Theater – NN

14. Februar 2011

boal2.thumbnail

An der Theodor-Schöller-Schule fordern Jugendliche Schließfächer, eine Graffiti-Wand und einen Bäcker – 29.01. 08:15 Uhr

ST. JOHANNIS   – Politische Beteiligung in St. Johannis: Kinder und Jugendliche der Theodor-Schöller-Schule rücken vor Stadträten ihre Wünsche in den Mittelpunkt — ihnen fehlen Schließfächer in der Schule, ein Bäcker in der Pause und eine Graffiti-Wand. Volles Haus in der Schulturnhalle: Schüler präsentieren auf der Bühne ihre Wünsche im Quartier.

 

Es ist einfacher als es aussieht: Da gibt es das Schülerparlament. Deren Mitglieder haben in den Klassen Wünsche gesammelt und an die hauseigene Theatergruppe weitergeleitet. Was macht die damit? Sie stellt die Bedürfnisse der Schüler szenisch dar. Und dabei hilft ihnen Theaterpädagoge Jean François Drozak. Seit Jahren arbeitet er an der Basis und bringt eine Methode von Augusto Boal, einstiger Regisseur aus Rio de Janeiro, unter das Volk: per „legislativem Theater“ sollen Kinder (in Rio waren es Straßenkinder) vor Funktionsträgern ihre Bedürfnisse präsentieren.
Dafür sind in der Schöller-Schule unter anderem Jemimah (11), Elena (11), Eren (14), Nano (11), Firat (12), Dimitri (12) und Alisa (13) zuständig. Einige Stadträte haben sich unter das Publikum in der vollbesetzten Turnhalle gemischt, um sich in kurzen Szenen zeigen zu lassen, was den Jugendlichen im Quartier auf den Nägeln brennt: Etwa der Wunsch nach Schließfächern. „Das wäre schön, weil dann müssten wir nicht immer alle Bücher herumtragen, das ist nämlich ganz schön schwer“, betont Alisa. Elena findet eine Wand für Graffiti wichtig. Im Gespräch ist die Außenmauer der Schulturnhalle. „Die Wand ist bereits bemalt, sie würde sich dafür prächtig eignen“, ergänzt Lehrerin Jenny Graumann, die die szenische Agenda mitorganisiert. Dem Schüler Firat geht es allerdings nicht alleine darum, dass das Theater die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil vor Augen führt. „Mir macht es einfach auch Spaß, die Leute zum Lachen zu bringen“, sagt der Zwölfjährige.

Das Besondere an den Szenen: Die Schüler haben sie „im Gepäck“. In der vergangenen Woche sind die Protagonisten vor ihrer abschließenden großen Aufführung in der Sporthalle der Hauptschule damit „hausieren“ gegangen: im Stadtteilarbeitskreis und in der Lehrerkonferenz. Nachhaltigkeit? Der Jugendmigrationsdienst der Caritas will in Zusammenarbeit mit Rektorin Siglinde Schweizer überprüfen, ob die Ziele der Agenda künftig tatsächlich realisiert werden. Schweizer: „Die Caritas wird die Schule, das Schülerparlament und Politiker an die Ziele erinnern.“

Die Leitung des Schülerparlamentes, das den jungen Darstellern den Stoff für ihre Szenen lieferte, haben die beiden Schülersprecherinnen Manuela (15) und Chiara (12) inne. Sie lenken den Blick auf ein weiteres Anliegen, das außerhalb des Drehbuchs liegt. Manuela: „Seit November haben wir keinen Bäcker mehr im Schulhaus, der in der Pause verkauft. Viele von uns wollen aber wieder einen.“

Dieser Beitrag wurde unter - Carimigra, & Pressespiegel, + Immigration, Kunstdünger veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.