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Braune Verführer unerwünscht – NN

6. Januar 2013

ziegler
Das Sonderpädagogische Förderzentrum wehrt sich gegen Neonazis

Nürnberg  – Rechtsradikalismus ist ein Problem, dem sich die Lehrer am Sonderpädagogischen Förderzentrum Langwasser bewusst stellen. Schulleiterin Inge Döllinger und ihre Kollegen möchten die Schüler stark machen — und wollen mit dem Theaterstück „acht.acht“ ein Zeichen gegen braune Verführer setzen.

Langwasser ist bunt: Chauncey-Jamal und Vivien, Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums, und SPD-Stadtrat Michael Ziegler (von links) freuen sich auf das Theaterstück „acht.acht“, in dem es um Rechtsradikalismus geht.

16 Jahre ist Chauncey-Jamal alt, der Junge ist schon mehrmals auf offener Straße wegen seiner dunklen Hautfarbe beschimpft und angegriffen worden. Es ist bedrückend, wenn er von diesen Erlebnissen spricht. Und doch sagt der Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums Langwasser: „Ich kann da nichts machen, ich habe ihnen doch nichts getan.“ Über Angst oder Wut will Chauncey-Jamal nicht reden. Wenn Unbekannte ihn mit rassistischen Sprüchen beleidigen, dann geht er einfach weiter: „Ich mache da nichts. Man gewöhnt sich daran.“
Derartige Szenen hat auch seine Mitschülerin Vivien schon oft beobachtet — und sich immer wieder gefragt, ob sie sich dann nicht lieber einschalten und Position beziehen soll. Getraut hat sich die 14 Jahre alte Bezirksschülersprecherin für Förderschulen in Mittelfranken bislang noch nicht: „Ich würde aber gerne sagen, dass ich das nicht in Ordnung finde.“

Toleranz und Respekt, diese Werte will Schulleiterin Inge Döllinger den Jugendlichen vermitteln: „Wir haben 350 Schüler, viele von ihnen aus anderen Herkunftsländern. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass so viele unterschiedliche Menschen friedlich zusammenleben.“

Die Pädagogin weiß, dass ihre Werte außerhalb der Schulmauern oft wenig zählen. „Hier im Stadtteil gibt es Rassismus – direkt vor unserer Haustür.“ Da ist die rechtsradikale Szene, die in den Räumen einer ehemaligen Kegelbahn in der Wettersteinstraße einen Treff eröffnet hat. Da sind Aufkleber mit fremdenfeindlichen Parolen, die an Schildern und Hauswänden kleben. Da sind rassistische Schmierereien auf der Straße.

Handzettel mit bösen Parolen
Auch die Schüler des Förderzentrums Langwasser sind im Visier der braunen Verführer. Schulleiterin Inge Döllinger berichtet, wie eines Tages plötzlich Unmengen an kleinen Papierschnitzeln vor dem Schuleingang lagen. „Komm zu uns, kämpfe für deine Heimat“ stand darauf – daneben die Internetadresse eines Zusammenschlusses eines rechtsextremen Bündnisses. Die Schulleiterin ist eine schmale, zierliche Frau: Wenn sie über diese Anwerbemaßnahmen der rechtsradikalen Szene spricht, dann kann sie ihre Empörung nicht verbergen: „Ich habe da eine Wut. Die Zettel habe ich höchstpersönlich aufgeklaubt.“

Handzettel wegschmeißen, das ist die eine Sache. Die Schule will sich stärker positionieren und wird sich am Ausstellungsprojekt „Anne Frank. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ beteiligen: Im Gemeinschaftshaus Langwasser soll es Anfang 2013 Lesungen, Führungen und andere Veranstaltungen zum Thema Rechtsradikalismus geben. Schüler des Förderzentrums Langwasser werden dann das Theaterstück „acht.acht“ aufführen, das sich mit den Anwerbetricks der rechtsradikalen Szene auseinandersetzt. Das Stück basiert auf Interviews, die Studenten der Ohm-Hochschule Nürnberg unter anderem mit Insidern und Aussteigern der rechten Szene gemacht haben.

Schirmherr des Theaterstücks ist SPD-Stadtrat Michael Ziegler, dem der Kampf gegen rechts am Herzen liegt: „Das Thema lässt mich nicht los. Wichtig ist mir die Arbeit mit Jugendlichen, weil das die beste Prävention ist.“ Zwei Schulen in Nürnberg haben die Produktion bereits aufgeführt. Stadtrat Ziegler freut sich nun über die Fortsetzung des Projekts: „Es ist toll, dass hier in Langwasser eine Gegenbewegung entsteht.“

Schulleiterin Inge Döllinger will mit dem Projekt „acht.acht“ die Heranwachsenden selbstbewusster machen: „Mir geht es darum, die Schüler zu stärken. Es ist sehr mutig, sich dieser Thematik zu stellen.“ Noch ist nicht entschieden, welche Schüler das Stück aufführen dürfen. Chauncey-

Jamal und seine Mitschülerin Vivien zumindest hätten Lust, auf der Bühne zu stehen. Sie wollen nicht wegschauen und sich mit diesem unangenehmen Thema auseinandersetzen, das auch immer wieder ihren Alltag prägt.

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