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Bin ich eine Psycho? – NN

15. Oktober 2016

Icebreaker ThusneldaSchüler haben das Stück „Ice-Breaker“ über Depression auf die Bühne gebracht.

„Bin ich ein Psycho?“ Das fragt sich Anna im Laufe des Stücks „Ice-Breaker“, das über das Thema Depressionen im Jugendalter aufklären und dafür
sensibilisieren will. Vielleicht ist sie ja auch einfach nur schlecht drauf?

Schließlich steckt sie mitten in der Pubertät. Doch wie unterscheidet man eine ernsthafte Erkrankung von einer allgemeinen Missstimmung?
„Wer depressiv ist, ist traurig, fühlt sich allein, denkt über den Tod nach, hat keinen Hunger und sieht mehr Schlechtes als Gutes im Leben“, erklärt Elena (14).

Gemeinsam mit sieben weiteren Jugendlichen der Thusnelda- Mittelschule und der nahegelegenen Montessori-Schule hat sie das Stück „Ice-Breaker“ vier Tage lang einstudiert und anschließend dreimal vor Publikum präsentiert. Dass dies für die Jugendlichen aufgrund des Themas kein leichtes Projekt war, betont der Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak, der das Stück mit den Schülern einstudiert hat. „Es hat viel von ihnen gefordert, weil sie eine Spannung aufbauen müssen, wo eigentlich keine ist“, erklärt er. Es gebe keine Handlung und es werde niemand bespaßt. Vielmehr würde es um die leisen Töne gehen, die in einer lauten Welt nur allzu häufig untergehen würden.

Und so gibt es keine Hektik auf der Bühne. Die Protagonisten bewegen sich langsam und bedächtig. Mal sitzen sie und lesen, dann wieder stehen sie und monologisieren. Das erfordert auch vom Publikum ein aufmerksames Hinhören. Denn sobald das Stück angehalten wird, dürfen die Zuschauer als Psychiater ihre Diagnose stellen: Gibt es Anzeichen für eine Depression oder ist da einer einfach nur mies gelaunt?

Eine „Checkliste“ mit entsprechenden Symptomen, soll bei der Einschätzung helfen.
Das Thema ist peinlich Dass sie nicht einfach nur eine Geschichte in Theaterform nachspielen, sondern selbst etwas auf die Bühne bringen, was im richtigen Leben tatsächlich passiert, das hat den elfjährigen Almijan an der Aufführung fasziniert. Doch irgendwie sind dem Jungen das Stück und das Thema auch „peinlich“. Warum das so ist, kann er eigentlich gar nicht richtig in Worte fassen. Es sei eben irgendwie „unangenehm“, weil es so ein ernstes Thema sei.

Dass es in der Schule überhaupt angesprochen wird, empfindet der Elfjährige ebenfalls als ungewöhnlich. „Die Schule ist zum Lernen da. Wenn ich persönlich betroffen wäre, ich würde nicht mal mit einem Vertrauenslehrer darüber sprechen.“ Ob er jemanden kennt, der an einer Depression erkrankt ist? Ja, zwei Freunde, sagt Almijan. Die hätten dann irgendwann gar nicht mehr nach draußen gewollt.

Elena (14) hingegen findet, dass man in der Schule durchaus mal über Depressionen gesprochen haben sollte. Aber zu einem allzu großen Thema würde sie es nicht machen wollen. Während der Proben sei Drozak zufolge kaum Zeit gewesen, sich intensiv zu dem Thema auszutauschen. Das sei in dieser Phase auch nicht das Ziel gewesen. „Die Jugendlichen sollen selbst etwas erleben, ohne dass Erwachsene einen Diskurs anstoßen“, erklärt er.

Das bedeute allerdings nicht, dass es künftig keine Gespräche dazu mehr geben werde. Erfahrungsgemäß werde das Thema in der Schule zeitverzögert wieder aufgegriffen. Weil die aktive präventive Auseinandersetzung mit Depressionen im Jugendalter eine unerlässliche Aufgabe einer zeitgemäßen Bildungsarbeit sei, betont  Jean-Francois Drozak.

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