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Biete Rock, suche Spiegel – NN

13. Dezember 2008

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Nur wenige Handgriffe und schon ist das Schild an die Wand geschraubt: «Umsonstladen». Damit ist es nun offiziell, auch wenn der Laden in Gostenhof bereits seit knapp einem halben Jahr jeden Samstag geöffnet hat. Mit einem fröhlichen «Hallo» stürmt Andrea Wick in den Laden, hängt einen braunen Rock an die Kleiderstange und fragt: «Habt ihr vielleicht einen Spiegel im Angebot?» In der Tat lehnen beziehungsweise hängen sechs Stück an der Wand und warten auf neue Besitzer. Die 33-Jährige ist «Stamm-Tauscherin» und schaut mindestens alle zwei Wochen im «Umsonstladen» in der Rothenburger Straße 51 a vorbei. «Ich bringe andauernd etwas hierher und nehme auch fast immer etwas mit.»Eine Tauschbörse in Räumen der Jesus Freaks. Eine weltweite, christliche Jugendbewegung, die in Nürnberg in Gostenhof ihr Zuhause gefunden hat. Sieben Leute im Alter von 18 bis 28 Jahren betreiben ehrenamtlich den Laden. Dabei steht eher der Gedanke einer Begegnungsstätte im Vordergrund als der caritative Aspekt. Und manchmal entsteht sogar ein bisschen Café-Atmosphäre: «Wenn wir gerade Stühle haben, lassen sich die Leute gerne nieder und unterhalten sich», erzählt Johanna Zwinscher. Aber die letzte Sitzgruppe schmückte nur kurz den «Umsonstladen» und wurde schnell von Besuchern mitgenommen.

Einfache Regeln Die 28-Jährige, die auch heute hinterm Ladentisch steht, hatte die Idee für dieses Projekt. Die Nürnbergerin entdeckte ihren ersten «Umsonstladen» in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern – und war sofort begeistert. «Allerdings platzte der Laden aus allen Nähten, das wollten wir nicht.»Deswegen gibt es auch einfache Regeln, die in sauberer Handschrift eine kleine Tafel zieren: Man darf nur soviel bringen, wie eine Person tragen kann, also keine schweren Möbel. Auch Bücher und Kleidung sind ungern gesehen – lediglich wenige ausgewählte Stücke. Sowieso sollten alle Sachen sauber und funktionstüchtig sein. Man darf drei Dinge kostenlos mitnehmen und muss dafür auch nichts mitbringen.

«Jeder hat doch den Keller voll und so kommt viel Zeug hierher – und das ist ratzfatz auch wieder verschwunden», erzählt die Nürnbergerin. Ein buntes Sammelsurium auf 30 Quadratmetern – von der Sonnenbrille über türkische Teegläser bis zum PC–Monitor. «Der wird nicht lange hier rumstehen», orakelt der 18-jährige Simon Schwarz, der an diesem Samstagvormittag der zweite im Bunde ist.

«Ein sinnvoller Ort für alle, die nichts wegschmeißen können», ergänzt die junge Architektin augenzwinkernd. Aber es gibt auch Ladenhüter, etwa die hellblauen Waschlappen, die im hinteren Teil des Buffets schlummern, gleich neben den noch originalverpackten TischSets.

Jeder ist willkommenSpende erwünscht: Neben der Tür grüßt ein großes, weißes Porzellan-Sparschwein, das fleißig gefüttert wird – wenn auch meist mit kleinen Beträgen. Ziel sei, dass sich der Laden irgendwann selbst finanziere, «aber davon sind wir noch weit entfernt», weiß die 28-Jährige.Die Stadt unterstützt den «Umsonstladen» nicht, da er sich sonst ausschließlich an Menschen mit NürnbergPass richten müsste. Zwinscher: «Das war für uns nicht tragbar. Bei uns ist jeder willkommen». Es gehe nicht um arm oder reich, «wir wollen, dass die Leute sich austauschen und Spaß daran haben».

Im wahrsten Sinne des Wortes – Jung und Alt jedweder Nationalität bringen Ausrangiertes vorbei und entdecken beim Stöbern oft ein neues Stück. Ein Mitfünfziger nutzt den Laden regelmäßig als Bücherei, und die Kinder warten morgens schon ungeduldig darauf, dass der Laden endlich öffnet. «Spielzeug geht weg wie nichts», sagt Johanna Zwinscher lächelnd.

Wer kommenden Samstag noch nichts vor hat und ausgesuchte Stücke los werden möchte oder eben nach solchen Ausschau hält, sollte zwischen 11 und 14 Uhr mal in der Rothenburger Straße 51a vorbeischauen – diese Woche sogar mit Nikolausfeier.

Claudia Beyer

 

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