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Berufsberatung auf der Bühne – Memminger – 9.3.

14. Juli 2013

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Herzwerker  Um Ihre Mitschüler über die Sozialbranche zu informieren, führen Jugendliche ein Theaterstück auf.

Memmingen  – Als man eine behinderte Frau zum Gynäkologen  begleitet, einem Kind  erklärt, warum der Käse Löcher hat oder einer traumatisierten Seniorin die Haare  wäscht: all das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen.

Nur zwei von vielen Eigenschaften, die ein Mensch mitbringen muss, um einen sozialen Beruf  ergreifen zu können. In Rahmen des Projekts „Herzwerker“  (siehe Infokasten) des Bayerischen Sozialministeriums haben Schüler der staatlichen Realschule jetzt ein Theaterstück aufgeführt, das ihren Mitschülern die Sozialbranche näher bringen sollte.


Die acht jungen Schauspieler waren bei einem Casting ausgewählt worden (wir berichteten) und haben in der vergangenen Woche zusammen mit dem Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak acht Kurzgeschichten inszeniert. Um Stoff für ihre Geschichte zu haben, interviewten die Achtklasse vier Vertreter sozialer Berufe, die in  Einrichtungen in der Region tätig sind.

Die Zuschauer sollten jedoch kein herkömmliches Theaterstück erleben. Denn die Interviewpartner der Schüler waren Teil der Aufführung und saßen abwechselnd auf einem roten Ledersessel mit  auf der Bühne. Drozak befragte sie zu ihren Berufen, und die Schüler lieferten das Anschauungsmaterial dazu. Diese Methode nennt man Playback.

Gleich die erste Szene, die Heilerziehungspfleger Christian Konrad von der Behinderteneinrichtung Regens Wagner in Lautrach eines Tages erlebt hatte, verdeutlichte, wie wichtig Fingerspitzengefühl im Umgang mit behinderte Menschen ist: Bihter Kitir  spielt die geistig behinderte Elisabeth, die mit ihrem Betreuer Christian (Nicolas Jülich) beim Frauenarzt im Wartezimmer sitzt. „Christian, glaubst Du, ich muss heute wieder auf den Stuhl? Was magst Du eigentlich im Bett?“. Elisabeth stellt eine peinliche Frage nach der anderen und erntet entsetzte Blicke von den anderen Wartenden (Diana Botzenmayer, Julia Gehringer und Laura Sirch). Um Elisabeth zu beruhigen, lenkt er sie mit einer Modezeitschrift ab und achtet nicht auf die anderen.

Mit dem Kommando „Freeze“ friert Drozak die Szene an dieser Stelle ein, und Konrad erklärt, dass es zu seinen Aufgaben gehöre, mit Patienten zum Arzt zu gehen. Wenn eine Frau besonderes Vertrauen zu ihm habe, gehe er eben auch mit ihr zum Frauenarzt

„Es wird eben nie langweilig“

Besonderes Vertrauen musste sich auch Erzieherin Anita Schilling erarbeiten. Sie betreut Jugendliche, die in einer Wohngruppe der Jugendhilfeeinrichtung St. Hildegard in Memmingen untergebracht sind. Die Frage, was das Schöne an ihrem Beruf sei, beantworteten die Schüler stellvertretend mit der Szene „der Berg ruft“: Erzieherin Anita (Bihter Kitir) ist mit vier Jugendlichen (Pascal Hofstäter, Lukas Maier, Felix Haag und Nicolas Jülich) beim Wandern. Obwohl der eine Angst und der andere keine Lust mehr hat, motivieren die vier Jungs sich gegenseitig und erklimmen schließlich den Ifen.

„Es ist schön  zu sehen, wenn Jugendliche über sich hinauswachsen“, betonte Schilling. In einem sozialen Beruf wird eben nie langweilig“, sagte Madlen Stöckle von Altenpflegeheim St. Hildegard. Auch sie gehörte zu den Interviewten. Die Vierte auf der Bühne war Nicole Schneider, Leiterin der Kindertagsstätte St. Hildegard. (katha)

Infokasten:
Was bedeutet Herzwerker?

Begriff:  Menschen, die in Sozialberufen arbeiten, sind keine Handwerker. Sie brauchen vor allen viel Herz, daher der Begriff „Herzwerker“

Projekt: Herzwerker arbeiten in sozialen Berufen wie der Altenpflege, der Kindertagesbetreuung, der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe. Da diese Branche bei Berufsein- und- umsteigern selten eine Rolle spielt, hat die Bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer das Projekt „Herzwerker“ ins Leben gerufen. In Rahmen dieses Projekt werden Einblicke in die verschiedenen Berufe vermittelt.

Weitere Infos gibt es unter www.herzwerker.de 

 

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