& AllgemeinesDie Agentur für KulturdesignKunstdüngerNordkurve - Aktuell
Baggerschaufeln

1. März 2010

baggerschaufel

Meine Tätigkeit für die Agentur Kunstdünger verläuft ganz entspannt, kein Grund zur Klage. Die Aufgaben sind mal mehr, mal weniger kompliziert, aber im Grunde lösbar. Bisher. Nun habe ich seit kurzem einen Klotz am Bein, ein Ding der Unmöglichkeit, ein Schlafräuber und Magengeschwürverursacher. Es begann ganz harmlos mit einer Bitte meines Chefs. Ein Tatsachenbericht von Susanne Hartmaier

 
Ob ich etwas recherchieren könne? Klar, bisher hat Google mich nicht im Stich gelassen. Ich tippe den Begriff ein: Baggerschaufelzähne. Anfangs muss ich den Begriff noch ablesen, nicht ganz sicher was das sein soll. Mittlerweile hat sich der Name in mein Gedächtnis gebrannt: unauslöschbar. Also, ich setze all meine Hoffnung auf Google und werde zunächst nicht enttäuscht. 84 Ergebnisse in nur 0,25 Sekunden. Wow.

Doch in diesem Fall helfen mir die 84 Ergebnisse nicht weiter. Ich versuche es mit „Zähne von Baggerschaufel“, mit und ohne Anführungszeichen. Man bietet mir eine Zahnzusatzversicherung an, Zahnprotesen, Zahnpasta und Baggerschaufeln. Drehe und wende das Wort, denke mir jede Kombination aus. Vergeblich. Google schafft es nicht, die Technik hat versagt.  Unfassbar, denke ich, wenn nicht google, wer dann? Mein Ergeiz ist angestachelt eine Aufgabe zu lösen, der nicht mal google gewachsen war. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren und überlegt eine mögliche Strategie.

Baggerschaufelzähne – Bagger – Sandstein – Steinbruch.
Ich versuche es direkt beim Verbraucher, einem Steinbruch der Sandstein mit Baggern abbaut. Die Recherche beginnt. Erstaunlich wie viele Sorten Stein es gibt: Elbsandstein, Baumberger Kalksandstein, Grauwacke, Roter Wesersandstein, Seeberger Sandstein und viele weitere. Deutschland – das Sandsteinland. Da sind die Baggerschaufelzähne nicht weit. Zuversichtlich und äußerst motiviert führe ich mein erstes Telefonat. Guten Tag, mein Name ist Susanne Hartmaier, ich bin auf der Suche nach Baggerschaufelzähnen. Haben Sie so was?

Atemlos warte ich auf das erlösende Ja. Stattdessen, Bitte? Ähh ja, also Baggerschaufelzähne. Was soll denn das sein? Naja, Zähne von der Baggerschaufel? Hab ich ja noch nie gehört. Jetzt beginnt der traurige Teil der Geschichte. Der Teil, der den Schlaf raubt und Bauchschmerzen bereitet. Woche für Woche. Um die Spannung nicht ins unerträgliche steigen zu lassen: Ich habe keine Baggerschaufelzähne bekommen. Insgesamt habe ich über 25 Steinbruchunternehmen und Baggerfirmen angerufen. Habe mit über 25 Sekretärinnen gesprochen, 13 Chefs, 8 Technikern. 7 Mal wurde für mich „Für Elise“, 4 Mal „Eine kleine Nachtmusik“ in der Warteschleife gespielt. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, wurde ich einmal in der Warteschleife vergessen und musst mir 10 Minuten lang „Wir sind gleich wieder für Sie da“ und „Bei uns wird Service ganz groß geschrieben“ anhören. Das Gespräch lief in den meisten Fällen wie folgt ab. Ich frage nach den Baggerschaufelzähnen, Sie fragt was das sein soll, ich erkläre es ihr, obwohl sie ja die Sandsteinfachfrau ist. Dann verbindet Sie mich mit dem Chef, ich harre in der Warteschleife aus.

Der Chef meldet sich und nun gibt es 6 mögliche Antworten um sich mir und den Baggerschaufelzähnen in den Weg zu stellen.
1. Wir sprengen unseren Sandstein aus der Wand. Kein Bagger keine Zähne. Verstanden.
2. Wir benutzen Radlager um den Stein abzubauen. Radlager also.
3. Wir Recyceln unsere Zähne selber und verwenden sie wieder. Grüner Daumen hoch!
4.  Wir wechseln unsere Zähne alle 5-8 Jahre. Ob ich so lange warten will? Puh, nein.
5. Wir leihen unsere Bagger bei einer Firma, inklusive Zähne. (Übrigens, die Leihfirma wollte mir auch keine Zähne geben, allerdings ohne Begründung)
6. Wir benutzen Bohrer für den Abbau. ( Könnten Sie nicht auf Bagger umstellen, um mir dann die Zähne zu überlassen? Nein!)

Zusammengefasst bedeutet es, dass Google auch nicht alles weiß, Baggerschaufelzähne besser gehütet sind als die Kronjuwelen der Queen, wenn auch nicht ganz so funkelnd und meiner Meinung nach der ganze Sandsteinabbau nur noch mit Baggern erlaubt werden sollte – um die Schaufelzahnanzahl zu erhöhen. Nun gehe ich also zu meinem Chef und hoffe von dieser unlösbaren Aufgabe befreit zu werden. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, wie viele Sorten Sandstein es gibt, wie schlecht es um die Warteschleifen deutscher Unternehmen bestellt ist und das man Sandstein auch sprengen kann.

Dieser Beitrag wurde unter & Allgemeines, Die Agentur für Kulturdesign, Kunstdünger, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.