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Aus dem Leben mit Aids – HP

30. November 2008
 aids
«HIV-Infektion« wird in Rother Schulen szenisch thematisiert

ROTH (cl) – Wie ist das Leben als Jugendlicher mit Aids? Wie verhalten sich Freunde, wenn sie plötzlich von der HIV-Infektion erfahren? Was tun gegen die Angst vor einer ungewissen Zukunft? Auf diese und viele andere Fragen will ein Projekt, das derzeit Roth läuft, Antworten geben.Es geht nicht um medizinisch-korrekte Aufklärung zum Thema Aids. «Was das betrifft, wissen die Jugendlichen von heute sehr genau Bescheid«, sagt Dr. Fritz Oberparleiter, Chef des Rother Gesundheitsamtes und Mitinitiator von «Unter die Haut – Theater gegen HIV«. Die Theorie ist die eine Sache. «In der Praxis schaut die Lage aber ganz anders aus. Nicht umsonst ist die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten, unter denen Aids ja nur eine ist, in Deutschland deutlich steigend.«Also suchte Oberparleiter mit Unterstützung von Landrat Herbert Eckstein ein Mittel, wie die Thematik jenseits von offiziellen Aufklärungsschriften und -unterricht aufgegriffen werden könnte.

Fündig wurde er bei der AIDS-Beratungsstelle in Nürnberg, die wiederum mit dem Theaterpädagogen Jean-Franxois Drozak zusammenarbeitet. Dieser hat ein Theaterstück konzipiert, das auf der wahren Geschichte von «Tom« beruht.

Tom ist heute 18 Jahre alt und wurde als Neugeborener durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert. Erst im Alter von zehn klären ihn seine Eltern über die Diagnose auf. Tom verliert seine Lebenslust, gibt sich auf – bis er lernt, die Krankheit zu akzeptieren. Nun will er leben! Das ist die Biografie, die Drozak schon in rund 20 mittelfränkischen Schulen inszeniert hat.

Ende September kam er nun ans Rother Gymnasium, dessen Leiter Dr. Richard Kifmann gerne die Gelegenheit beim Schopf packte, Aids-Prävention einmal ganz anders anzupacken.

Der Theaterpädagoge bot in der neunten Jahrgangsstufe ein Casting an und stellte sich dann eine achtköpfige Truppe zusammen; alle Akteure haben eines gemeinsam: sie spielen normalerweise nicht Theater. Doch um das «klassische« Theater und die darstellerische Perfektion geht es Drozak gar nicht. Er will zum Nachdenken, zum Diskutieren animieren.

Das schafft er schon bei den nur dreieinhalbtägigen (!) Proben innerhalb seines Ensembles. «Wenn man in die Rolle von Tom schlüpft, spürt man viel intensiver, was es bedeutet, mit HIV infiziert zu sein«, erzählt eine der Darstellerinnen. Tatsächlich habe Aids für viele an Schrecken verloren, weiß Oberparleiter aus seiner beruflichen Erfahrung. «Dank der Medikamente ist eine HIV–Infektion heute keine tödliche Diagnose mehr.« Aber dennoch eine mit oft harten Konsequenzen. Kifmann: «Ich weiß von anderen Schulen, wie schwierig es ist, wenn tatsächlich von einem Schüler bekannt wird, dass er Aids hat. Das ändert für denjenigen alles.«

Wie, das zeigen Szenen aus «Unter die Haut«. Zwölf verschiedene Lebenssituationen studiert der Theaterpädagoge mit den Jugendlichen nach Art des Improvisationstheaters ein. Tatsächlich gezeigt werden acht. Welche das sind? Das hat das Publikum in der Hand. Beispielsweise, wenn es darum geht, ob Tom nur von den Eltern oder im Beisein eines Arztes von seiner HIV-Infektion erfahren soll. Die Zuschauer entscheiden. Und sie werden aus dem Theaterstück heraus gefragt, warum sie sich für oder gegen das eine entschieden haben. Wie gesagt: Drozak will keinen «Frontalunterricht«. Er will die Diskussion, die emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema Aids – und trifft damit genau die Intention, die Oberparleiter und Co. verfolgen.

Premiere ist am Donnerstag, 13. November, um 19 Uhr in der Turnhalle des Gymnasiums. Die Aufführung ist öffentlich und geeignet für Zuschauer im Alter ab 14. Am Freitag, 14.November, und Montag, 17.November, stehen interne Aufführungen für die Rother Schulen auf dem Programm.

11.11.2008
  © ROTH-HILPOLTSTEINER VOLKSZEITUNG

 

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