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Augenfällige Tricks der Neonazis – NN

4. November 2008

acht.acht.

Die Stadt Gräfenberg ist eine von Rechtsradikalen stark frequentierte Kommune. Es geht so weit, dass sich die Stadtbewohner offensiv gegen die sich wiederholenden Kundgebungen der Rechten Szene wehren und sich eine Bürgerinitiative gegründet hat.Mit dem Theaterstück acht.acht. unterstützt die Erzdiözese Bamberg  mit einer weit angelegten Präventionskampagne gegen Rechtsradikalismus. Ziel ist es, Jugendliche aus ländlichen Regionen über die Methoden Rechtsradikaler aufzuklären und sie über Alternativen einer demokratischen, toleranten und weltoffenen Jugendarbeit vor Ort zu informieren.

Anbei können Sie den Bericht aus den Nürnberger Nachrichten vom 4.11. lesen

Augenfällige Tricks der Neonazis

«Rechtsradikale haben keinen Zutritt» stand gleich am Eingang zur Turnhalle der Ritter-Wirnt-Schule in Gräfenberg. Dort war die Premiere zu dem Theaterstück «acht.acht»; mit dem die Schüler und natürlich auch die Schulleitung ein Zeichen gegen die dumpfe Ideologie der Rechtsextremisten setzen wollten.GRÄFENBERG – Gerade in Gräfenberg, dem Ort der nahezu 14-tägigen Aufmarschszenarien unterschiedlichster rechtsextremistischer Gruppierungen, werden die Schülerinnen und Schüler häufig mit Musik-CDs, Handzetteln und auch Einladungen zu Freizeiten konfrontiert.

Eine Woche lang hatten sich die acht Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 15 und 17 Jahren zusammen mit dem jungen Theaterpädagogen Jean Francois Drozak von der Kunstagentur «Kunstdünger» aus Nürnberg zusammengetan und mit ihm dieses besondere Theaterstück einstudiert. Zuvor schon waren Studierende der Georg-Simon-Ohm- Hochschule Nürnberg der Frage nachgegangen, wie, und mit welchen Mitteln Rechtsextreme die Jugendlichen für ihre Ziele zu gewinnen suchen.

Systematisch umgedreht

Die Handlung zeigt auf sehr eindringliche Art, wie durch systematische Infiltration ein Freundespaar sich entzweit, weil einer von ihnen den Einflüsterungen solcher «Ratten-fänger» zum Opfer fällt, sich nicht nur dem Gruppenzwang völlig willenlos unterwirft, sondern seinen vormaligen Freund sogar verleumdet. Aber die eigentlich so wichtige Frage nach der Prävention kommt auch im Stück selbst etwas zu kurz.

Mutigem Pfarrer gewidmet

Gewidmet wurde das Stück, das unter der Trägerschaft des Diözesanverbandes des Bundes der katholischen Jugend (BDKJ) Bamberg, als Teil einer Präventionskampagne in Kooperation mit der Agentur «Kunstdünger» entstanden ist, dem Pfarrer Bloom aus Miltenberg. Der hatte nämlich im Juli 2007 die Idee, seine Kirchenglocken während einer Veranstaltung der jungen Nationalen Sturm läuten zu lassen. Die Veranstaltung der Rechtsradikalen auf dem Marktplatz musste deshalb abgebrochen werden, weil die Kirchenglocken die Hass- und Hetzparolen übertönten. Seither gilt der Pfarrer als Vorbild für kirchliches Engagement gegen den Rechtsradikalismus. Das Theaterstück spielt die Szene auf dem Miltenberger Marktplatz nach und endet wie dort mit drei Minuten dröhnendem Glockengeläut.

In der sich dem Stück anschließenden Fragerunde fiel auf, dass kaum jugendliche Besucher anwesend waren. Nur drei Schüler aus dem Gymnasium in Eckental hielten das Fähnlein hoch. Ebenso vermisst wurden die Vertreter des Bürgerforums. Dafür war zwar nahezu die gesamte Leitungsebene des BDKJ und der Diözesanjugendseelsorger Detlef Pötzel gekommen, sowie Ursula Albuschkat vom Kreisjugendring Forchheim. Dekanin Christine Schürmann vertrat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, Bürgermeister Werner Wolf nahm die Interessen der Stadt Gräfenberg wahr und genoss sichtlich die Lobeshymne von Schulleiter Rolf Maas für sein Eintreten gegen die stets wiederkehrenden Aufmärsche der rechten Szene in dem kleinen Ritter-Wirnt-Städtchen, das sich so allein gelassen fühlen muss.

Kein Patentrezept

Dass das am Eingang prangende Verbot, das Rechtsextremen den Zugang untersagte, berechtigt war, wurde nur allzu deutlich aus der Äußerung einer Mitspielerin, die bekannte, dass sie Furcht vor Tumulten hatte, sofern die im Stück dargestellten Ultras Zugang gefunden hätten. Obwohl sich alle Beteiligten eindeutig dazu bekannten, den Rassenideologien dieser Rechtsextremen nicht zum Opfer fallen zu wollen, hatten auch sie kein Patentrezept anzubieten, was dem unter ihren Altersgenossen weit verbreiteten Desinteresse entgegen zu setzen wäre. Aber auch die vielen erwachsenen Besucher waren weitgehend ratlos. ROLF RIEDEL

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