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Aidsstück geht unter die Haut – NN

14. November 2008

aids

Aids-Stück geht «Unter die Haut»
Premiere der Gostenhofer Preißler-Schule erntet viel Applaus – Für bundesweiten Wettbewerb nominiert

Schultheater kann spannend sein: Die Gostenhofer Preißler-Schule hat die Aids-Problematik thematisiert – das Ergebnis ist preisverdächtig.Es gibt eine Menge Schultheater-Aufführungen, nach denen die geladenen Gäste und Pädagogen kräftig lobhudeln und das Bemühen der Schüler preisen. Womit sie zum Ausdruck bringen wollen, dass die Darbietung dem, was man vom «großen» Theater kennt, in einigen Punkten recht nahe gekommen ist. Danach gehen sie dann meistens ziemlich schnell.Die neueste Produktion an der Preißler-Schule ließ kaum jemanden kalt. Denn nicht nur das Thema war heiß, auch die enthusiastische und ungemein authentische Umsetzung der Theaterneulinge beeindruckte die Erwachsenen, wie die lange Fragerunde nach der Premiere bewies.«Unter die Haut» heißt das Stück, das die Achtklässler der Hauptschule auf die Bühne brachten. Es geht um Aids, ein gerade für Jugendliche nach wie vor sehr wichtiges Thema, das allerdings nur noch selten Schlagzeilen macht – und im Unterricht manchmal unter ferner liefen abgehandelt wird.

Das Stück ist eine Gemeinschaftsproduktion der Johann-Daniel-Preißler-Schule, der Aids-Beratung, der Stadtmission und des Rotary Club Nürnberg-Erlangen, der das Projekt großzügig finanziell unterstützte.

Erzählt wird eine wahre Geschichte, die hier in Nürnberg passiert ist: Thomas ist 13, als er erfährt, dass er als Kind bei einer Bluttransfusion mit dem HIV-Virus infiziert wurde. Wie geht er damit um? Soll er es seinen Freunden erzählen? Was passiert, als er sich in ein Mädchen verliebt? Das darf während der Vorstellung zum Teil das Publikum entscheiden. An Kulminationspunkten der Handlung hält Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak das Spiel an und lässt das Publikum abstimmen, wie es weitergehen soll.

Botschaft kommt an

Die Inszenierung bietet den jungen Akteuren keine Ausstattung, hinter der sie sich verstecken könnten. Lediglich einige alte Milchkannen dienen als symbolische Bühnenelemente, die Jugendlichen tragen ganz normale Kleidung. Ebenso direkt und ungeschminkt spiegeln die Teenager die Geschichte eines HIV-positiven Jugendlichen in ihre eigene Lebenswirklichkeit. Da wird nicht in einer fremden Bühnensprache rezitiert, sondern der Inhalt auf den Punkt gebracht, wie einem der Gostenhofer Schnabel gewachsen ist. Eine Form, in der die Botschaft bei den Jugendlichen ankommt.

«Unsere Mitschüler sollen solche Menschen mit Respekt behandeln», erhofft sich eine Darstellerin von der Aufführung. In der Schlussszene feiert die Freundin des Helden ihren 16. Geburtstag suggestiverweise in einer Kondomfabrik und will mit Thomas schlafen. Das ist so authentisch dargestellt, dass einige empörte Seufzer aus dem (erwachsenen) Publikum ertönen, als die Jugendlichen ganz selbstverständlich mit Bierflaschen auf die Bühne kommen.

Soll Thomas ihr an ihrem Geburtstag von seiner Krankheit erzählen? Das Ende der Geschichte bleibt offen, genauso wie das beeindruckende Schicksal des anonymen Jugendlichen, dessen Erlebnisse die Vorlage von «Unter die Haut» lieferten. Er ist heute 19 Jahre alt und lebt in Mittelfranken.

Der Nürnberger Theaterpädagoge Drozak hat mit ihm zusammen die Rahmenhandlung des Stücks entwickelt und tourt damit seit drei Jahren im Auftrag der Aids-Beratung durch mittelfränkische Schulen. Über 5000 Jugendliche haben inzwischen «Unter die Haut» gespielt und gesehen.

Die Interpretation der Gostenhofer Schüler ist nun sogar in die Finalrunde des Bundeswettbewerbs der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gewählt worden. Ein großer Erfolg für das Projekt und die Darsteller, die auch sonst von der Theaterarbeit profitieren: «Durch diese Erfahrung werdet ihr bei euerem ersten Bewerbungsgespräch ganz anders dastehen», attestiert den Schauspielern Dirk von Vopelius, Vorsitzender der «Rotarier».

 

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