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11. Oktober 2010

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Theaterstück “Acht.Acht” Bamberger Schüler spielen gegen rechts
Ein aktuelles Drama bringen Schüler der Bamberger Kaulbergschule auf die Bühne: Im Theaterstück “Acht.Acht” geht es um das Abdriften junger Menschen in rechtsextreme Kreise. Das Projekt läuft im Unterricht mit vertiefter Aufklärung über die subtilen Methoden der Neonazis weiter.
Von Marion Krüger-Hundrup – 16.07.2010 – br-online


Nur vier Tage dauern die Proben für das Theaterstück “Acht.Acht” (”8.8″ in Anlehnung an den achten Buchstaben im Alphabet und damit an “Heil Hitler”). Mit Feuereifer haben sich Philip (14), Fabian (16), Leonhard (13), Laura (15), Jessica (13), Christina (14), Meiky (13) und Manuela (14) in ihre Aufgabe gestürzt. Sie sollen spielerisch darstellen, wie leicht junge Menschen in rechtsextreme Kreise abdriften können.

Braune Verführer
Es ist die Geschichte von Franz, der sich meistens langweilt und seine Zeit vor dem Computer verbringt. Braune Verführer ziehen ihn immer tiefer in die rechte Szene: mit subtilen Methoden, mit unverfänglichen Einladungen zum Fußballspiel im Stadion. Nach und nach beginnt die Gehirnwäsche. Es ist aber auch die Geschichte von Paul, der verzweifelt versucht, seinen Freund Franz aus dem braunen Sumpf zu ziehen. Sein Versuch scheitert. Leonhard verkörpert den Neonazi Franz. Er schlüpft in diese Rolle, die seiner inneren Einstellung so zuwider ist: “Ich finde es nicht toll, rechts zu sein”, erklärt der Dreizehnjährige. Er fühle sich nicht wohl dabei, auf der Bühne den “deutschen Gruß” zeigen und “Heil Hitler” schreien zu müssen. Auch Laura, die die Neonazi-Anführerin Ute spielt, schüttelt den Kopf: “Im normalen Leben könnte ich das nicht”, betont sie.

Bomberjacke und Nadelstreifen
Die acht jungen Schauspieler sind in Bamberg alle schon mit Rechten in Berührung gekommen. Dem klassischen Neonazi mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel auszuweichen, war ihnen bisher möglich. Doch der moderne Rechte trägt durchaus auch Nadelstreifen. So setzt Theaterpädagoge und Regisseur Jean-Francois Drozak von der Nürnberger Kunstagentur “Kunstdünger” bei den Proben ebenso auf Aufklärung. Das sieht dieses Theaterprojekt ohnehin vor, das der Bamberger BDKJ-Diözesanverband in Kooperation mit “Kunstdünger” durchführt. Detaillierte Arbeitsmaterialien helfen dabei, die Thematik mit den Schülern weiterzuführen und zu vertiefen. Das soll in künftigen Unterrichtsstunden fortgeführt werden.

Proben bis in den späten Nachmittag
Norbert Eger, Rektor der Kaulbergschule, ist stolz auf seine acht Schüler der Klassen 7 und 8, die an diesem Theaterstück arbeiten. Während die Klassenkameraden bei der Hitze mittags frei haben, proben die Acht bis in den späten Nachmittag hinein. Eger ist froh, dass die rechte Szene an seiner Schule keine akute Rolle spielt. Doch er hat dem Vorschlag des Religionslehrers der beiden Klassen, dieses Theaterprojekt anzugehen, sofort und gern zugestimmt. Nach der Premiere sind weitere Aufführungen für die gesamte Schule geplant.

Weitere Schulen können mitmachen
Auch in anderen Schulen – zum Beispiel in Gräfenberg oder Wunsiedel – hat dieses Theaterprojekt bereits Fuß gefasst. Weitere können sich anschließen. Die teilnehmenden Schulen müssen die direkt beteiligten Schüler vom Unterricht befreien, die Räumlichkeiten für Proben und Aufführungen zur Verfügung stellen und eine Vor- und Nachbereitung im Unterricht durch die Lehrer sicherstellen.

Weitere Infos unter: drozak(ad)kunstduenger-nuernberg.de

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