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Glatzen haben keine Glatzen mehr

25. Februar 2010

blog-88

Theaterpädagogik und Medienpädagogik Hand in Hand gegen rechtsextreme Tendenzen – Kooperationsprojekt des BDKJ Bamberg mit der EMZ Bayern an der diakonischen Fachakademie für Sozialpädagogik in Hof.

„acht.acht“ ist der Name des Stücks, das der Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak von der Agentur Kunstdünger mit Studierenden der Hofer Fachakademie binnen weniger Tage erarbeitet, einstudiert und insgesamt dreimal zur Aufführung gebracht hat. Es wird exemplarisch gezeigt, wie leicht man in den Sog der Rechten kommen kann, die häufig auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen sind. Der Text basiert auf Zitaten aus Interviews, die Studierende der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg mit Anhängern und Sympathisanten der rechtsextremen Szene vor einiger Zeit in Nordbayern geführt haben. Aus dieser Text-Kollage entstanden authentische Szenen, die „unter die Haut“ gingen, wie die Frankenpost am 28. Januar schrieb. Nicht nur die Schauspielerinnen und Schauspieler taten sich anfangs schwer, die hasserfüllten, üblen Sprüche und Hetzparolen der Neonazis in den Mund zu nehmen und zu skandieren, auch das Publikum war am Schluss jeder Aufführung so berührt, dass es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis der erste es wagte, Beifall zu klatschen – der dann aber umso länger anhielt.

Eine bloße Video-Aufzeichnung der Aufführung von „acht.acht“ wäre dem Stück jedoch nicht gerecht geworden, zumal Theater live immer anders funktioniert wie das wieder und wieder abspielbare Medium Film. Deshalb wandte sich Jean-Francois Drozak an die EMZ und holte den Medienpädagogen Christian Heller mit ins Boot. Er produzierte mit den Darsteller/-innen und einem fünfköpfigen Filmteam in nur zwei Drehtagen  eine eigenständige Filmversion des Stoffs. Nicht nur der Titel wurde geändert in „Glatzen haben keine Glatzen mehr“, auch das ganze Bühnenbild wurde umgestaltet und in einen weißen, hell erleuchteten, jedoch undefinierten Raum verwandelt. Das subtil-subversive Vorgehen der Neonazis, die der allgegenwärtigen Langeweile unter Jugendlichen attraktive Freizeitangebote – hier: Musik, Fußball, Boxen – entgegenstellen, wird umso deutlicher. Wie grotesk die gesamte rechte Ideologie im Grunde genommen ist, wird sichtbar, wenn gegen Ende des Films der vielstimmige Sprechchor, der Gewalt in stupiden Wiederholungen rechtfertigt und propagiert, in gleißendes, himmelsgleiches Licht gehüllt ist – und dabei von Kirchenglocken übertönt und zum allmählichen Verschwinden gebracht wird. Man kann gegen Rechtsextremismus etwas tun – so wie der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom, der mit seinen Kirchenglocken eine Kundgebung von Rechtsradikalen gesprengt hat. Er hat Drozak zu dem Stück inspiriert – und ihm ist es auch gewidmet.

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