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30 Minuten gegen die rechten Rattenfänger – FN

9. April 2008

acht.acht.

Die Jugendprävention des Landkreis Fürth realisierte in Kooperation mit der Realschule Zirndorf eine Theaterproduktion, die sich mit subversiven Formen der Jugendarbeit rechtsradikaler auseinandersetzte. Im Vorfeld gingen Studierende der Georg-Simon Ohm Hochschule der Frage nach, wie Rechtsextreme Jugendliche für ihre Ziele zu gewinnen suchen. Gibt es so etwas wie eine subversive Form der Jugendarbeit rechter Gruppierungen? In Interviews mit Multiplikatoren, Jugendlichen und „Aussteigern“ erhielten die Studierenden genügend Material über Motive, Erlebnisse und Biografien um daraus ein Drehbuch zu entwickeln.

 
30 Minuten gegen die rechten Rattenfänger

Pfarrer Bloom aus Miltenberg war im Juli 2007 auf die Idee gekommen, seine Kirchenglocken während einer Veranstaltung der jungen Nationalen Sturm zu läuten. Die Veranstaltung der Rechtsradikalen auf dem Marktplatz musste abgebrochen werden, weil die Glocken ihre Hassparolen übertönten. Seither gilt Pfarrer Bloom als Vorbild für ein Engagement gegen Rechtsradikalismus seitens der Kirchen. Das Theaterstück ist ihm gewidmet und endet auch mit 3 Minuten Glockengeläut. Presseartikel: Fürther Nachrichten 11.04.2008

Zirndorfer Realschüler thematisieren das Abdriften in den braunen Strudel mit einem Theaterstück
ZIRNDORF – Ein mahnendes Lehrstück für die Jugend über die Rattenfänger aus der rechtsextremen Szene haben Schüler der Staatlichen Realschule aufgeführt. Mit dem Theaterstück «8.8.», dessen Titel auf den achten Buchstaben im Alphabet und damit auf «Heil Hitler» anspielt, wurde eindrucksvoll das Schicksal von Schüler Franz nachgezeichnet.Einsamkeit und Langeweile machen Franz zum willigen Opfer gezielter Agitation, er driftet in den braunen Strudel ab. Freund Paul, ebenfalls massiv umworben, aber standhaft, kann ihn nicht überzeugen, doch besser auf Abstand zu gehen. In dem gut 30-minütigen Stück, das auf zahlreichen Interviews mit ehemaligen Rechtsextremisten basiert, wurde das junge Publikum für die hinlänglich bekannten Methoden sensibilisiert: Die Schulhof-CD etwa, die auch schon an der Zirndorfer Realschule verteilt wurde, taucht auf; gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den «neuen Freunden» sind Thema und Alkoholexzesse und die Anstachelung zum Ausländerhass. Der Nürnberger Regisseur und Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak bediente sich dabei des Repertoires hasserfüllter rechtsextremistischer Sprache und Gesten. Auf der Brust des willigen Franz prangen schließlich SS-Runen.Grund genug, dem Schülerpublikum Handyaufnahmen zu verbieten, um die Schule nicht in Verruf zu bringen.

Das Ende des Stücks ließ Drozak offen. Das Gegröle von Franz und seinen Nazi-Kumpanen in die Zuschauer («Gewalt ist die einzige Form der Achtung, die wir von euch erzwingen können . . .») wurde von Glockengeläut übertönt. Eine Hommage an Pfarrer Ulrich Boom, der am 22. Juli 2006 im unterfränkischen Miltenberg mit seinen Kirchenglocken eine NPD-Kundgebung zur Auflösung gezwungen hatte.

So manche Überwindung

Bemerkenswert war vor allem die Leistung der Jungschauspieler, denen die Rolle der Neo-Nazis doch «manche Überwindung» gekostet hatte. Das Ensemble war zunächst aus 50 Anwärtern gecastet worden. Das Stück, das auch von anderen Schulen gebucht werden kann, war «an der Höchstgrenze des Machbaren», lobte Regisseur Drozak. Die Inszenierung ist für die Realschule ein weiterer Schritt, um das Zertifikat der bundesweiten Initiative «Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage» zu erlangen. OLIVER BARTHELMES

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