Nordkurve - AktuellVIVA statt FIFA
252 Tage bis nach der WM – Spielverlagerung

4. November 2013

visum

Brasilien will bei den ganz Großen mitspielen. Das Land zeigt sich nach aussen selbstbewusst.  Und das Volk denkt laut mit.

90 Tage darf ein deutscher Tourist in Brasilien bleiben. Dann muss er das Land verlassen. Das ist neu, denn bisher waren die Brasilianer gegenüber Touristen kulanter. Zwar hatte man auch vor 2012  nur 90 Tage Bleiberecht. Doch nach Ablauf dieser Frist  reichte es im Normalfall  für ein paar Tage das Land zu verlassen. Mit einem neuen Stempel im Reisepass konnte man bis weitere 90 Tage das Land bereisen.

Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Brasilien  passt seine Visabestimmungen den jeweiligen Ländern an: da ein Brasilianer in Deutschland  nur 90 Tage bleiben darf, gilt diese Frist für deutsche Touristen ebenfalls. Retourkutsche?


Brasilien ist schon längst kein Entwicklungsland mehr. Es gehört zu den 10 Ländern mit den höchsten Bruttosozialprodukten der Welt. Und doch kam viele Jahrzehnte lang, der Ertrag der Wirtschaftsleistung des Landes beim Volk nicht richtig an.

Heute leidet das Land immer noch unter Korruption. Beispielsweise musste 2006 fast das gesamte Kabinett des Bundespräsidenten Lulas aufgrund von Korruption zurücktreten. Lula stand nun alleine da, und musste sich neue Minister suchen.

6 Jahre sind es her, seit wir Brasilien das letzte Mal besucht haben. Damals war das Land in Aufbruchstimmung. Die Menschen erhofften sich mit Lula  eine Kehrtwende. Ihre Hoffnungen wurden zum Teil erfüllt. Es geht der Bevölkerung heute besser. Einige Probleme sind kleiner geworden. Die Brasilianer partizipieren mehr als je zuvor, in ihrem eigenen Land.

6 Jahre später stört  sich das Fußballland Brasilien an der WM, und das obwohl die Mittelschicht wächst. Man sollte meinen, sie würden in Feierlaune sein. Stattdessen fordert die Bevölkerung mehr Bildung, bessere Straßen,  und nicht zuletzt einen konsequenten Kampf gegen Korruption. Das Land erlebt eine politische Umverteilung. Nicht mehr die Elite alleine tritt in ihrem politisch Selbstverständnis selbstbewusst auf. Und nicht nur die Landlosen alleine machen als Bewegung auf sich aufmerksam.  Lula hat mit seiner Politik womöglich etwas in Gang gesetzt. Nicht die Extreme alleine bewegen das Land, die politische Mitte formiert sich. Ist das wirklich so?

In zwei Tagen beginnt unsere große 111 tägige Reise  in den Süden Brasiliens.  Wir wollen in die kleinen Städten und Dörfern. Und wir wollen Menschen begegnen, die das neue partizipierende Brasilien vertreten und leben. Vielleicht ist aber die Kehrtwende nur ein Ding der Medien. Wir werden sehen.

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